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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-05 · Heft 6 (5.2.1844) · p. Seite 75

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 6 (5.2.1844)
Date
1844-02-05
Page
Seite 75 (sequence 7)
Language
German
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75 Juden Maßregeln zu ergreifen. Statt für ihre Erziehung besser zu sorgen *), hat man in der Wallachei alle Juden, die sich nicht ausweisen können, wovon sie leben, in ein Verzeichniß gebracht, und will sie über die Grenze bringen. In der Moldau,; wo noch viel mehr Juden sind, hat man eine Ver-? ordnung bekannt gemacht, um die Juden aus den! Hauptstraßen zu entfernen, aus welcher wir einige j Bestimmungen anführen, um den Geist zu bczeich-! ncn der sie eingab. 1) Nach dem Ablauf jedes Miethskontrakts, der entweder auf immer oder auf Zeit-Miethe auf diesen Straßen von den Juden bewohnten Häuser, sollen diese nicht mehr an Juden vermiethet werden. 2) Die vor der Verkündigung dieser Verordnung geschlossenen Vertrage sollen nicht mehr als 3 Jahr Gültigkeit haben. 3) Die Juden, die schon auf gedachten Straßen Häuser zu bauen angefangen haben, werden geduldet, und dürfen dieselben bewohnen, ohne aber solche an Juden, sondern an Christen zu vermiethcn, und im Falle sie dieselben verkaufen wollen, nur an Christen zu ver-; kaufen. — In Ansehung der christlichen Dienstboten, i die bei Juden dienen ist bestimmt worden: Es soll j keinem Juden erlaubt sein, christliche Dienstboten zu > haben, und wo es auch sei, daß die Polizei solche j Dienstleute entdecken wird, so sollen sie einer Strafe j unterworfen sein. Ferner ist bestimmt worden, daß! die Juden, welche keine Handwerke treiben oder Inhaber eines Kapitals von wenigstens 3000 Piaster sind, für Vagabunden angesehen und als solche behandelt werden sollen. Rußland und Polen.! Von der russischen Grenze, 18. Januar.! Die Deutsche Allg. Zeit, enthält folgenden Artikel: Alle Berichte von unserer Nachbargrenze können die Verzweiflung der dortigen Juden, veranlaßt durch i den Ukas, der sie demnächst mit Austreibung aus > den, innerhalb fünfzig Werst von der Grenze gele-! genen Distrikten bedroht, nicht genug schildern.! Sollte diese härteste Maßregel aber wirklich in ihrer! ganzen Ausdehnung zur Ausführung kommen, so ') Wer sorgt dort für die Erziehung der Christen? Red. d. A. A. d. I. wird sie ganze Generationen moralisch vernichten und den Charakter der schlimmsten Verfolgungen früherer Zeiten tragen. Eine Anzahl von weit über 30,000 Familien soll sich, noch mitten in rauher Jahreszeit, von ihren bisherigen Wohn- und Geburtsorten entfernen. Sie sollen sich in das Innere des Reichs begeben, aber nicht etwa nach freier Wahl, sondern nur nach Orten, wohin es ihnen erlaubt ist. Und grade von den besser gestellten und blühenden Gouvernements sind sie ausgeschlossen und dagegegen nach Städten verwiesen, wo die Nahrungslosigkeit und das Elend unter ihren längst dort heimischen Glaubensgenossen bereits so groß ist, daß beinahe die Hälfte der Gemeinden aus Almosenempfängern und zerlumpten Bettlern besteht. Der Ausweg nach dem Auslande, der bei den ohnehin so strengen desfalls überall bestehenden Gesetzen nur Wenigen offen stehen würde, ist ihnen auch verschlossen, denn auszuwandern ist ihnen verboten, weshalb auch kein Paß ertheilt wird. Denjenigen, welche Häuser besitzen, hat man zum Verkaufe derselben zwei Jahre Zeit vergönnt, doch haben die Wenigen, welche vorsichtigerweise jetzt schon verkauften, für ihr Besitzthum kaum die Hälfte des Werths empfangen. Und bei so vielen nothgedrungenen Hausverkäufen in einer ohnehin nicht kapitalreichcn Gegend, wird es spater» Verkäufern gar nicht möglich werden, ihr Eigenthum zu veräußern, da bei der Entfernung so vieler Einwohner ohnehin keine Nachfrage nach den leeren Häusern sein wird. Ein Gleiches läßt sich von den Mobilien, dem einzigen Besitzthum der Mehrzahl, sagen, eö wird um jeden Preis verschleudert werden müssen. Noch schlimmer wird es mit den Forderungen und Außenständen stehen, welche die Vertriebenen in ihren Wohnorten zurücklassen und die meist in vielen kleinen Posten bestehen, da die Mehrzahl vom Kleinhandel sich nährte. Wer aber wird bezahlen, da bei den vielen Verkäufen aller Art das baare Geld gewiß sehr fehlen wird? Denke man übrigens nicht, daß diese von ihrem heimathlichen Boden vertriebenen Leute blos eine Horde schmutziger Schacherjuden sind. Man findet die Juden hier zahlreich in allen Handwerksklaffen, und so gut wie in Galizien, sieht man sie auch längs der russischen Grenze oft genug bei den schwersten Arbeiten, als Stcinklopfer, Handlanger, Maurer, Fuhrknechte rc. verwendet. Diese Leute

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