Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1844)
- Date
- 1844-02-05
- Page
- Seite 74 (sequence 6)
- Language
- German
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74 in wie ferne ihre Einkünfte auch den Anforderungen entsprechen, welche man an den neuern Rabbinen macht, haben diese Gemeinden noch immer die Erinnerung an die alten Rabbiner noch in zu frischem Angedenken, und der Nachgeschmack der äußerst abhängigen Stellung jener der Unthätigkeit beflissenen Rabbiner liegt ihnen immer noch auf der Zunge, so sie von ihren heutigen Geistlichen reden und im Gedächtnisse, so sie in irgend einer Beziehung neben ihrem heutigen, an Wissenschaft, persönlicher Würde und Weltklugheit sic überragenden Rabbiner eine zweite Rolle spielen sollen. Das Wort tnaynau, welches in den frühern Gemeinden auch den Rabbiner mitbegriff, ist noch nicht ganz vergessen, und so fordert man selbst von Männern, welche die Jugend erziehen und bilden helfen und das Alter belehren und erbauen, welche Veredlung der Gcmüther und Erhöhung der Geister zur Aufgabe haben, welche als würdige Vertreter ihrer Gemeinden Glanz und Ruhm derselben fordern halfen, fordert man von solchen Rabbinen noch oft genug, daß selbe sich nicht über die Abhängigkeit der Alten erheben sollen, daß kein wichtiges Unternehmen von ihnen allein ausgehe, oder ganz durch sie allein zur Reife gebracht werde, gönnt man ihnen nicht den Ruhm ihrer Lhatigkeil, nicht das Verdienst ihrer Bemühungen und unterstützt sie ea ipso nicht bei Unternehmungen, deren Ausführung und Ruhm ihnen allein anheim siele"), und dann müssen sie in ihrem drückenden Gefühle auch noch den Vorwurf ertragen: die erleuchteten Rabbinen Ungarns sind unthätig! AI. F. *) Während in frühern Zeiten nur in wenigen vornehmen israelit- Häusern Ungarns eine talmudische Bibliothek fehlen durfte—und viele Privatmänner, ohne selbst hebräische Kenntnisse zu besitzen, ihre Achtung vor der heiligen Wissenschaft durch den Ankauf der Bücher bezeugten; — kann jeder jüdische Gelehrte neuerer Zeit darauf rechnen, so er in eigenem Verlage ein Werk erscheinen läßc, daß es meistens in die Hände der geringen Zahl jüdischer Gelehrten, Aerztc, Lehrer u. dgl. kommen wird. Der Wissenschaft zur Ehre und den Wissenschaftlichen zur Stütze werden nur wenige Exemplare veräußert. Kein Wunder also, daß die in der Zeit nölhig werdenden Arbeiten swie z. 23. gegen die Umtriebe der Missionäre) meistens von den Unbefähigtern verfaßt werden und so Manche der Berufenen dort schweigen, wo ihnen das Wort gehört. Die wohlhabenden Israeliten Ungarns scheinen es überhaupt nicht zu wissen, daß Prag, 17. Januar. Nach der böhmischen Judenverfassung existirten bisher nur 8600 sogenannte Famlienstellen, die, immer auf den erstgeborenen Sohn übergehend, diesem allein die gesetzliche Heirathsbewilligung gewährten. Rur beim Absterben des Inhabers einer solchen Familienstelle, ohne Hinterlassung direkter männlicher Nachkommenschaft, hat die Grundobrigkeit das Recht, diese Stelle einem Zweitgeborenen erblich zu verleihen. Ohne den Besitz einer solchen Familienstelle dürfen nur solche Israeliten die Heirathsbewilligung vom Gubernium erhalten, welche sich bleibend dem Ackerbaue, den technischen Gewerben, den Wissenschaften oder dem Großhandel widmen. Eine solche Bewilligung erbt jedoch auf keinen von ihren Söhnen, die ebenfalls wieder nur durch Ergreifung einer der erwähnten Beschäftigungen die Heirathsbewilligung für ihre Person erlangen können. Eine Verordnung des Guberniums machte aber kürzlich den Kreisämtern bekannt, daß der Kaiser geneigt sei, die Vermehrung des systemisirten Standes der israelitischen Familienstellen zu gestatten, und fordert daher ein Gutachten über den von nun an aufzustellenden iiumornm iixum der böhmischen israelitischen Familienstellen. (A. P. Zeit.) Preßbnrg, 15. Januar. (D. A. Z.) Die Israeliten des gesammten Landes haben eine Petition zum Behuf ihrer Emanzipation eingereicht. Moldau und Wallachei. Bukarest, 5. Januar. In No. 3 theilten wir die Maßregeln mit, die die Regierung gegen die ausländischen Juden für gut befunden; über die gegen die inländischen Israeliten theilt folgender Artikel der Voss. Zeit, ein Näheres mit. „In der Moldau und Wallachei fängt man jetzt an, wie wir schon neulich kurz erwähnten, gegen die Vermehrung der die unsterblichen Werke eines Philippson, Jost, Zunz, Geiger, Rießer, Michael Beer, Hirsch, Salomon rc. ihren Hausern mehr Glanz verleihen würden, als die Silberkästen, und daß eigentlich die jüdischen Gelehrten und Künstler, deren Manche sie aus Mangel an Unterstützung verlieren, das steigende Ansehen und den politischen Aufschwung ihrer Ration begründen. Anm. d. Korresp.