Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1844)
- Date
- 1844-02-05
- Page
- Seite 73 (sequence 5)
- Language
- German
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73 besten Erfolg haben, und einen solchen Schritt vermögen nur jene ausgezeichnete Männer zu thun, die durch ihren persönlichen Werth, ihre Bildung, durch ihre rastlose Thätigkeit im Interesse des Guten, und — was am wichtigsten ist — durch ihre pekuniären Mittel, die Achtung aller ungarischen Israeliten im vollsten Maaße besitzen. Se. k. k. Apost. Majestät gerührten allergnädigst dem Fonds des Armeninstituts der preßburger Jsraelitengemcinde HK) Fl. K. M. zu spenden. Baron von Rothschild beschenkte die durch einen Brand verunglückte Gemeinde Kreutz mit »00 Fl.; die Gemeinde Csakathurn bei Gelegenheit der Erbauung einer Schule mit 500 Fl.; das preßburger israel. Kasino zum Besten der von ihm gegründeten und durch segenreiches Wirken allgemein anerkannten Kleinkinderbewahranstalt mit 500 Fl.; die komorner Gemeinde zum Besten ihrer jüngst organisirten Schule mit 100 Fl. K. M. Der pesther Großhändler Herr I. L. Boscovitz übergab dem Komitate für die durch Feuer Verunglückte in Miskoltz 200 Fl. K. M. Nach dem Berichte des „Pesther Tageblattes" lebten in Siebenbürgen im Jahre 1838 3307 Juden unter einer Gesammtseelenzahl von 1,902,053. Wien. Die israelitische Bevölkerung Wiens zählt— nach der Angabe der „Sonntagsblätter" — 108 tolerirte Familien, mit 146 Kindern männlichen und 136 wcibl. Geschlechts; 59 Familien die den zeitlichen Aufenthalt genießen. Die Gesammtzahl der Individuen beträgt 1644. E. F. Aus Ungarn, im Dezember. (Privatmitth.) sUeber die frühere und jetzige Stellung der Rabbinen in Ungarn. Schluß. ] Ungarns orthodoxe Rabbiner die nur an Tugenden und an Masse talmudischer Kenntnisse den Alten nachstehen, aber an Schwächen und gänzlichem Mangel geistlicher Befähigung ihre würdigen Nachfolger sind, hat das Beispiel des gegenwärtigen Deutschlands: wie die dortigen Rabbiner Synagogen und Schulen leiten, bei allen religiösen und sonst wichtigen Gemeindevorhaben überall an der Spitze stehen und das erste Wort haben, zu der irrigen Idee verleitet, daß auch sie israelitische Religionsvorsteher, geistliche Beamten sind, und im Kirchen-, Schulwesen und sonstigen Gemeindeangelegenheiten die erste Stimme haben müssen. Menschen ohne Sprache und Wissen, ohne ein religiöses Bewußtsein, das den Menschen in seinen eigenen Augen erhebt und in den Augen Anderer Achtung verschafft; Menschen, an nichts stark als an Starrheit und Finsterniß, die einen Damm bilden wollen zwischen dem Judenthum und der Wissenschaft — zwischen Israel und dem wirklichen Leben — die in der Synagoge erscheinen um, indem man aus sie warten muß, siguriren zu können, höchstens ihren eigenen Jammer auszuschütten, aber nicht erbauend und belehrend auf ihre Gemeindeglieder wirken zu wollen; Menschen, denen das Wort „Schule" ein Vcrrakh ist an ihrer Unordnungssucht; solche Menschen, sage ich, wagen es auf geistliches Ansehen und Macht Ansprüche zu machen, Gemeinden vertreten zu wollen, auf die sie nicht den mindesten wohlrhätigen Einfluß üben, ja deren bestem Vorhaben sie öfters mit den kleinlichsten Mitteln in den Weg treten, wagen cs, Richtungen der Synagoge vorzuschrerben, worin sie selbst nur ein Mitglied sind und über Schulwesen zu disponiren, dessen sie sich annehmen, um das wahrhaft Gute, Nützliche, Zeitgemäße möglichst Hintertreiben zu können. Menschen, welche die Emanzipationshoffnungen beweinen und nichts sehnlicher wünschen, als daß Israels inneres und äußeres Wohl nicht ihre Mängel und Dunkelheit beleuchte, solche Menschen wagen es, sich auf die Brust zu schlagen und sich Hirten ihrer Gemeinden, oder Diener im Weinberge des Herrn zu nennen! Und Ungarns erleuchtete Rabbiner, höre ich den Leser fragen, welche Stellung behaupten dieses Sie stehen, mit wenigen Worten, den deutschen Rabbinen nicht nach an Wärme und Eifer für Israels innere und äußere Wiedergeburt, sie arbeiten unablässig an Schulenbegründungen, um dem Staate würdige Bürger und Israel frommbcgeistertc Söhne zu erziehen. Sie sind thätig bei Begründungen solcher Vereine, die für Israels Kinder solide Nahrungszwcige eröffnen sollen, wirken als die Zierde und eigentlichen Leiter ihrer Synagogen auf Veredlung und Erhöhung der gottesdienstlichen Erbauung, und wünschten sehnlichst, daß «ine sorgenfreie Lebensweise und ein minder entmuthigendes Entgegenkommen ihnen gestattete, auch über den Kreis ihres amtlichen Wirkens hinaus ihre heilversprechende Thätigkeit verwenden zu können. Allein ohne umständlich erörtern zu wollen,