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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-05 · Heft 6 (5.2.1844) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 6 (5.2.1844)
Date
1844-02-05
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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72 zur Zeit einige junge Männer an der hiesigen jüdischen ' Bürgerschule praktisch und theoretisch für das Schulfach ausbilden. Von dieser Schule, die seit der kurzen Zeit ihres Bestehens Großes geleistet, und vom Direktor derselben, will ich meinen heutigen Bericht schließen. Diese Schule, die wol die einzige ihrer Art in unserer Provinz ist, hat die Ausgabe, die Kinder fürs höhere bürgerliche Leben vorzubereiten, und diejenigen Kinder, welche studiren wollen, erlangen die Kenntnisse für Quarta eines Gymnasiums; namentlich aber sind es Religion, Hebräisch und jüdische Geschichte, Unterrichtsgegenstände des Herrn Rabbiners, welche den ersten Rang im Lektionsplane einnehmen. Im vorigen Jahre besuchte der Rcgicrungs- und Schulrath Kawerau diese Schule, verweilte einen halben Tag in derselben und sprach sich über die Leistungen der Schüler, so wie über den rühmlichen Eiker der Lehrer lobend aus. Diese Schule, so wie viele andere treffliche Einrichtungen, sind die Werke des Herrn Rabbiners Ilr. Klein, der nicht nur die Liebe und Achtung seiner Gemeinde, sondern auch sämmtlichcr Bewohner hiesiger Stadt besitzt. Obgleich schon seit fast zwei Jahren in hiesiger Synagoge gepredigt wird, das Predigen daher den Reiz der Neuheit verloren hat, so ist doch der Sabbat, an welchem gepredigt wird, ein Frcudcntag der Gemeinde, und Alles strömt ins Gotteshaus, um Worte des Trostes und der Belehrung zu hören. Eine solche Saat kann nur gedeihliche Früchte tragen! ß. Deutschland. Frankfurt am Main, 13. Januar. Die große Humanität, die übermenschliche Frcisinnigkeit, welche in hiesiger Stadt — wie anders könnte dies auch in einer „freien Stadt" sein — herrscht, ersieht man neuerdings aus folgender Bemerkung der A. A. Z.: „Die hiesige Lesegesellschaft erfreut sich reger Ttzeilnahme und zählt jetzt gegen 280 Mitglieder. Außer einer beträchtlichen Zahl politischer, belletristischer und wiffcnschaftlicher Journale sind alle Broschüren und Schriften von eingreifendem Interesse in die Tagcsbegcbenhciten dort vorzusinden. Juden, selbst jüdische Gelehrte, können nach den Statuten nicht Mitglieder werden, und Vorschläge zu Modifikationen und Aufbebung dieser Ausschließung sind bisher in der Minorität geblieben und abgewicsen worden." Frankfurt am Main, 14. Januar. Wie man hört wird darauf angetragen, daß das Briefträgergeld, welches bei uns für die Israeliten zwei Kreuzer beträgt, während die christlichen Bewohner nur einen Kreuzer bezahlen, auf eine für alle Religionsgenoffen gleichmäßige Weise geordnet werde. Karlsruhe, 15. Januar. In der heutigen Kammer der Abgeordneten übergab der Präsident eine Petition der israelitischen Einwohner von Mannheim um bürgerliche Gleichstellung. Oesterreich. (Slavonicn), am letzten Dezember. (Privatmilrh. Schluß.) Unsere Schulen werden noch immer von der Regierung nicht bevormundet, es fehlt an einer allgemeinen Schulmethode. Von den Rabbinern die von Rechtswegen Direktoren der Schulen sein sollten, können wir cs nicht verlangen, denn wenn sich ja manche Rabbiner um das Schulwesen verdient machen, besteht das Verdienst darin — die wenigen würdigen Ausnahmen abgerechnet — daß sie nicht hindernd gegcnwirken, und so bleibt die Schule grvßtentheils der Leitung und Oberaufsicht einer sogenannten Schulkommiffion überlassen, in der ein oder zwei Mitglieder als »on plus ultra Gebildete der Gemeinde hersorragen; diesen — wenn sie, wie es gewöhnlich der Fall, von der Kaste der Geldaristokraten sind, Niemand zu widersprechen wagt, und so hängt das Schicksal der ganzen aufkeimenden Jugend und der Lehrer von der Einsicht Einzelner, und diese wieder von ihrer Bildung, Weltansicht, Laune, ja, von ihrem persönlichen Interesse ab. Es ist auffallend, daß diejenigen Männer die mit so vieler Aufopferung, so vielem Geldaufwande die Aufhebung des Toleranzgesetzes erwirkten, und die gewiß keine Mühe scheuen würden, das Wohl unserer Gemeinden auf's Allermöglichste zu befördern, das Schulwesen — diese Basis alles Heils und Segens — so unbeachtet lassen; denn, ich wage es zu behaupten — eine, der Würde der Sache gemäße Bittschrift an den eben jetzt versammelten gesetzgebenden Körper gerichtet und überreicht, würde gewiß den

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