Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1844)
- Date
- 1844-02-05
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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71 schätzten Blatte bereits gegebenen Zirkular-Verfügungen der Königlichen Regierung zu Cöslin mitzutheilen, genüge ich hiermit, und bitte Sie, diesem, da es ein allgemeines Interesse hat, einen Platz in Ihrem vielverbreiteten Blatte zu gönnen. Im Jahre 1843—44 waren drei jüdische Religionslehrer zur Prüfung hier, sie erhielten ein Fähigkeitszeugniß und die nöthige Anleitung zur Ertheilung eines bessern, der Zeit und den höhern Ansprüchen genügenden Unterrichts. Herr Rabbiner Dr. Klein suchte sie zu vermögen, auf die ihnen anvertraute Jugend besonders in sittlicher Beziehung gut einzuwirken und ihnen, so viel sie es selbst vermöchten, Len Kern, nicht bloß die Schaale eines wahrhaft religiösen Lebens zu bieten. Am 10. November v. I. machte Herr Rabbiner Dr. Klein, laut hoher Verfügung, seinen Bericht über den Erfolg des ihm gewordenen ehrenvollen Auftrages, aus dem ich Einiges mittheile. Herr Dr. Klein referirt der König!. Regierung über die Qualifikation der drei bei ihm geprüften Lehrer, und drückt sich über die Nutzlosigkeit solcher ein für alle Mal abgemachten Prüfung und über den Zustand der Schüler mit folgenden Worten aus: „Soll die wohlwollende Absicht der mehrmals erwähnten Zirkular-Verfügung wahrhaft erreicht werden, so ist eine strikte Durchführung derselben nach ihrem ganzen Inhalte höhererseits nicht nur wünschenswert!), sondern auch dringend nothwendig; weil nur dadurch die jüdischen Religionsschulen aus ihrem verderblichen Zwitterzustande zwischen den unter Aufsicht gestellten Schulen und den vom Staate verpönten Winkelschulen zu treten vermögen. 'Es liegt klar am Tage, daß mit einer ein für alle Mal abgelegten Prüfung eines sehr oft noch dazu schwach befähigten Lehrers wenig gewonnen ist, wenn derselbe nicht durch gesetzliche Kontrolle und bestimmte, festgesetzte Revision seiner Schule, Proben seiner pädagogischen Leistungen und seiner eigenen Fortbildung zu geben verpflichtet ist. Ohne solche Kontrolle und Revision wird sich der Lehrer mit jedem auch irgend nur glimpflichen Zeugnisse begnügen, um dadurch gegen äußere Anforderungen geschützt zu sein, aber wenn ihm genügende Kenntnisse und Erfahrung mangeln, immer im Blinden tappen und entweder im bisher geübten Schlendrian verharren oder mit seinen Schülern unglückliche Versuche zum Bessern machen, während ihm selbst Erfahrung und Rath mangelt. Dies ist der Zustand eines sehr großen Theiles der jüdischen Religionslehrer." Ferner wird in diesem Berichte die Stellung der jüdischen Lehrer als Ursache des allgegemeinen Verfalls der Schulen angegeben; da diese bis jetzt durchaus nicht geeignet ist, dem Lehrer Lust und Liebe zu seinem wichtigen Berufe cinzuflößen. Die Stellung der jüdischen Lehrer ist im Durchschnitt eine äußerst prekäre und man kann sagen eine von Tag zu Tag gefristete. Der jüdische Lehrer ist im hiesigen Regierungsbezirke zugleich Kantor und Schächter; wie verworren und verwirrend oft diese drei Fächer kollidircn, kann nur derjenige begreifen, der es mit ansieht, und gar nicht selten leidet die Schule dadurch. Wie verderblich aber dieses Verfahren, wie cs bisher großentheils obwaltete, auf die Schuljugend selbst wirke, bedarf wol keiner Erwähnung; nirgends ist Stümperei gefährlicher als im Lehrfache, weil nicht nur der jetzige Schüler, sondern auch der ganze künftige Mensch darunter leidet; und gilt dieses schon bei jedwedem Unterrichtsgegenstande, so noch weit stärker im Religionsunterrichte, weil das jugendliche Gemüth, ein Mal nach verkehrter Richtung geleitet, später fast immer in ein verderbliches Extrem umschlägt. Diesem Uebelstande, den, ich, wie Jeder, der ein Herz für die Jugend hat, tief bedauern muß, weil man bemerken kann, daß unter solchen Umständen die Jugend unter den Händen ihrer sogenannten RcligionSlehrer einer religiösen und daraus fließenden sittlichen Verwahrlosung nothwendig entgegen gehen | muß, — sollte endlich durch die berührte hohe Zirkular-Verfügung abgeholsen werden." Aus diesen trefflichen Bericht, aus dem ich der Kürze wegen nur Einiges mittheile, erwicderte die König!. Regierung: daß sie auch ferner für das jüdische Religionsschulwesen Sorge tragen werde und daß, wie bis jetzt so auch ferner, die jüdischen Lehrer des Regierungsbezirks zu ihrer Anstellung ein Zeugniß vom Rabbiner Dr. Klein haben müssen; die strikte Durchführung der Zirkular-Verfügung sollte einstweilen auf sich beruhen, indem sie, die Königl. Regierung, ihrer Vorgesetzten Behörde, die jetzt mit den Angelegenheiten des jüdischen Schulwesens überhaupt beschäftigt ist, nicht vorgreifen will. Zugleich wird in dieser Erwiederung Herr Rabbiner Dr. Klein mit huldreichen Worten zur ferneren Mitwirkung ersucht, und ihm der Dank für das bis jetzt Geleistete dargebracht; besonders erfreulich ist es der hohen Behörde, daß sich