Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1844)
- Date
- 1844-01-29
- Page
- Seite 65 (sequence 13)
- Language
- German
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65 Funke hat gezündet, die unangenehmen Folgen der Zsolirtheit fangen an, immer allgemeiner gefühlt und unerträglicher zu werden, das Selbstbewußtsein ist erwacht, und selbst diejenigen, die noch immer innerlich und äußerlich das Herkömmliche — aus bloßer Gewohnheit — festhalten, sehen es nicht ungern, wenn ihre jungen Kinder eine vernünftige Reform vorziehen. Die Klägern bringen große Opfer, ihren Kindern eine edlere, zeitgemäße Erziehung zu geben, die sie mit Schmerzen bei sich vermissen. So sieht man allenthalben regelmäßige Schulen aufblühen, und zwar in Gemeinden, wo man noch vor zehn Jahren nicht einmal daran zu denken gewagt hätte. Ob alle die Schulen gut besetzt sind? ob nicht bei der Wahl der Lehrer Mißgriffe geschehen? ob das gelehrt wird, was gelehrt werden, das wegbleibt, was wegbleiben soll? sind Fragen, die zu beantworten mir nicht zustehet. Es wäre auch ein Wunder, wenn überall der richtige Takt gegriffen würde. (Schluß folgt.) Aus Ungarn, im Dezember. (Privatmitth.) jUeber die frühere und jetzige Stellung der Rabbinen in Ungarn.] Werfen wir einen Blick auf die Stellung der ungarischen Rabbinen früherer Zeit, so wird uns vor Allem die gedrückte Lage derselben, ihre äußerst abhängige, in geringer Achtung stehende Persönlichkeit auffallen. Wenn der Geringste unter den Israeliten sich damit niemals gerne begnügt, wenn sein Erwerb ihm nicht mehr als das tägliche Brod abwirst, ohne für seine Kinder etwas erübrigen zu können; war der Lebensunterhalt des Rabbiners stets nur darauf berechnet, daß er ihm das frugale Leben friste. — So er ein Kind verheirathete, bekam er Geschenke, die ihm gewöhnlich nur ärmliche Partieen zu suchen gestatteten und die Rundreisen auf vollendeten, nur die Schmach, welche ihm in seinem Wohnorte noch abging. Gemeinden, die durch Parteiungen Tausende in Prozesse vergeudeten und aus herumreisende d->nri (gewöhnlich aller Moralität und selbst jüdischer Kenntnisse erman-, gelnde Menschen) Hunderte opferten, sahen es kaltblütig an, wenn ihr Rabbiner ein armseliges Leben führte und gezwungen war, seine Tochter, um sie nicht als Jungfrau ergrauen zu lassen, öfters einem Manne niedrigster Klasse zu verheirathen. Höchst beleidigende Stachelreden und Neckereien zwischen Rabbiner und Vorsteher zirkuliren heute noch als bons mot8 — und ein neues Kleid der Rabbinerin, worauf die Vorsteherin neidisch war, kostete nicht selten dem Rabbiner einen Theil seines siren Gehaltes... Betrachten wir das geringe Ansehen, in welchem die frühem Rabbinen standen, so müssen wir offen gestehen, daß sie auch aus etwas Besseres keine gerechte Ansprüche hatten. Ihre amtlichen Funktionen bestanden in dem Schlichten ritueller Fragen, die jeder ein wenig gewandter Talmudist zu lösen verstehet, und in jährlich zweimaligen rTOti, worin sie ihren talmudischen Scharfsinn auszukramen Gelegenheit suchten — in Sophismenkitzeleien Diesen und Jenen beftachelten, und indem sie gewöhnlich in ihren sogenannten trpnpn, den geraden Bibelsinn als toll und lächerlich erklärten — ihrem Moses und den Propheten fremdartige Gesinnungen und verkehrte Begriffe unterschoben. Unbekümmert um des Lebens Wirren — um die Zeitergebniffe und Weltereigniffe, hatten nur Wenige unter ihnen genug Sachkenntniß, um ihre juridische Kenntnisse in Zivilprozeffen geltend machen zu können. Männer, deren einzige Lebensaufgabe war, dem Talmudstudium ungehindert obliegen zu können — und nach Maßgabe ihrer Kraft in der strengsten Aszetik sich zu üben — mußten es jedesmal Dank wissen, so sie — gewöhnlich aus der ärmsten Lage gerissen — auf ein Rabbinat berufen wurden, welches ihnen doch wenigstens die nöthigsten Lebensbedürfnisse abwarf — und in Muße Lernen und Fasten zu können, Gelegenheit zur Gnüge bot. Auf ihre Gemeinde und deren Verhältnisse übten sie auch nicht den geringsten Einfluß. Ihre rigoröse Orthopraxis sollte und konnte Niemanden zur Nachahmung reizen. In der Synagoge waren die Hauptfunktionen Privatpersonen oder Gemcindedienern übertragen. Einer Leitung bedurfte die Liturgie nicht, da die Synagogenagende einem Jeden bekannt und auszuführen möglich war. Auf Schulen war ihr Augenmerk nicht gerichtet — wenn sie einmal im Jahre in ihren erwähnten, man solle die Kinder zur anhalten — und die Töchter an Talmudisten verheirathen — hatten sie Alles gethan. Die Auszeichnung, welche auch in fremden Gemeinden jenen zu Theil wurde, die ms-'«-' hielten — und die Achtung, welche dieselben genossen, die im Orte ihres Rabbinatsitzes selbst viele Talmudfchüler besaßen,