Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1844)
- Date
- 1844-01-29
- Page
- Seite 66 (sequence 14)
- Language
- German
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66 zeigt noch endlich, wie es nur der praktische Einfluß ist, welcher einem Beamten Werth, Achtung und Würde verleihet. So war fast durchgehends bis im letzten Dezennium die Stellung der ungarischen Rabbinen. Da ertönten aus Deutschland die Stimmen der Befserstrebenden in Israel. — Der kritische Maßstab, welchen unser Jahrhundert an alles Bestehende anlegt und das Sezirmesser der Vernunft, welches das innerste Geäder des starrsten Körpers bloßlegt, haben auch das Judenthum nicht verschont, und durch Erkennung der Mängel und Enthüllung tiefliegender Gebrechen Aenderungen für nöthig gesunden, welche zu neuen mächtigen Pflichten wurden — und da vorzüglich Synagoge und Schule, die man lücken- und fehlerhaft gefunden, den Rabbinen anheim gestellt wurden, so wurde dadurch ihr Stand zu dem eines geistlichen erhoben. Ja, ohne durch Sakramente persönlich geheiligt und ohne durch Ordination amtlich befähigt und ohne durch weltliche Macht besonders ermächtigt, wurde das Rabbineramt wichtig und einflußreich, Ansehen und Würde verleihend. Die Liturgie, einer Sichtung unterliegend, benöthigt des Rabbinen — und der bereits ermattete Glanz der alten Synagoge konnte nur dadurch neue Frische und neues Leben erhalten, daß Männer im Besitze der Lehre und Sprache selbst thätig im Synagogalwesen Andacht und Erbauung erwecken. Die wöchentlichen Predigten — an Sprache und Gehalt gleich würdig — geben jedem neuen Sabbat einen neuen Reiz, den Geinüthern der Gläubigen wahre Seelenerhebung. Die von den Rabbinen selbst vorgetragenen Gebete: für den Landesfürsten, für das Seelenheil der Hingeschiedenen u. s. w. — die Konfirmationen, bei welchen der Rabbiner das israelitische Kind in den Bund des Glaubens einführt sind sämmtlich der Art, daß sie dem Amte desselben eine hohe Bedeutung geben. Bedenken wir nun noch, wie sich ähnliche Rabbiner der verwahrlosten Schulen annehmen — selbst Lehrer sind der Kinder, oder den Lehrern Unterweisung geben und das Schulwesen beaufsichtigen, wie sie hiermit das Wichtigste, das einem Menschen geleistet werden kann, leisten und Wohl und Gedeihen der Jugend besorgen, so wäre nichts hinzuzufügen nöthig, um darzuthun, wie Vieles das Amt der neueren Rabbiner Deutschlands an Weihe und Würde, an Bedeutung und Thatkraft gewann. Aber erwähnt sei es doch, daß diese Männer durch Bildung und Gesi'nnungsadel bevorzugt, ergriffen von erhöhtem Selbstbewußtseyn' ihres hochwichtigen Amtes, zugleich zur Ehre Israels leben und wirken. Bei Ungerechtigkeiten, die dem Judenthume drohen, genügt es einem solchen Rabbiner nicht sich zu hüllen — die Ehrenrettung Israels überläßt er nicht dem dunkelwaltenden Geschicke — nein — Deutschlands Rabbiner neuerer Zeit sind auch als Verfechter unserer verwaisten Rechte, unserer mißkannten Ehre und feindlich bedroheten Glaubens, mit Wort und That hervorgetreten, haben im Busen thatkräftiger Männer das schlummernde Bewußtseyn unseres Rechts und unseres Bedarfes geweckt — und dadurch ihr Amt zu dem der gefeierten Helden und Seher in Israel erhoben.... Daß in dem erleuchteten Deutschland, mit der Berufswürde ihrer auf das jüdische Leben so mächtigen Einfluß übenden Rabbinen, auch deren Ansehen und Einkommen wuchs, und wie die noch dastehenden wissenslosen und thatenmangelnden Rabbiner in Schatten gestellt sind, in dem Maße ihrer Ohnmacht auch Ansehen und Einfluß entbehren, läßt sich füglich voraussetzen. Weniger günstig sind leider diese Verhältnisse in Ungarn. (Schluß folgt.) Personals und Lokalnachrichten. Balberftadt, 1. Januar. (Privatmitth.) Den 19. Dezember feierte der Dr. nm\. Herr S. Wolf fein fünfzigjähriges Jubiläum. Der 77jährige Jubelgreis feierte dasselbe in voller Rüstigkeit. Des Morgens brachten ihm die Aerzte der Stadt ihre Glückwünsche; der Domklub veranstaltete ein solennes Mabl, und überreichte ihm ein Ehrendiplom. Krotoschin, im Januar. (Privatmitth.) Endlich ist der äußere Ausbau der hiesigen Synagoge, die so lange unvollendet da gestanden, beendet, und man be^ schäftigt stch mit dem innern. Vielen Streit verursachte die Stellung der Bimah, man will dem alten Minhag treu bleiben. Auch ist die Wahl eines Rabbinen beschlossen, und ste bedarf nur noch der Bestätigung der Regierung.