Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1844)
- Date
- 1844-01-29
- Page
- Seite 63 (sequence 11)
- Language
- German
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63 als von der Persönlichkeit, dem Eifer, dem Muth, der Klugheit des zu erwählenden Rabbinats-Affessors abhängen wird. Die Autorität, die das Gesetz einem Rabbiner einräumen würde, dürfte unter den jetzigen Umständen die öffentliche Meinung unfehlbar gegen ihn einnehmen; die Autorität aber, die ein gediegener Mann durch das der Gemeinde eingeflößte Vertrauen sich erwirbt, kann ein Rabbinats-Affcssor ebensogut wie ein Rabbiner gewinnen. Freilich haben wir von dem zu wählenden Rabbinats-Asseffor viel gefordert; Gottlob aber gicbt es, wenn auch keine allzugroßc, doch auch nicht eine zu beschränkte Anzahl von Männern in Israel, unter denen Sie die Auswahl haben werden. Wen wir mit göttlicher Hülfe den rechten Mann getroffen haben, so können wir. auch mit Sicherheit darauf rechnen, daß die Liebe der Gemeinde ihn in seinem schwierigen Amte unterstützen werde; wir dürfen darauf rechnen, daß cs den vereinten Bemühungen des Rabbinats, des Vorstandes, der Gemeinde-Beamten, so wie aller Wohlgesinnten in unserer Mitte gelingen wird, die nöthigen und allgemein gewünschten Verbesserungen, wenn auch nicht ohne lebhaften Meinungskampf, doch ohne verderbliche Spaltung in Ruhe und Frieden durchzuführen. Diesen alten Ruhm, den schönsten, den wir kennen, lassen Sie uns unserer theuern Gemeinde erhalten, damit sie wiederum an der Spitze der deutschen Judengemeinden als ein leuchtendes Muster dastehe. Sollte aber wider Erwarten der von Ihnen zu erwählende Rabbinats-Assessor nach einigen Jahren seiner amtlichen Wirksamkeit den Erwartungen der Gemeinde nicht entsprechen, oder sich sonst ein Bedürfniß zur Besetzung des erledigten Rabbiner-Amtes Herausstellen, so steht es uns ja noch immer frei, diese Maßregel in Antrag zu bringen, zumal sich voraussetzen laßt, daß sich auch für eine solche Stelle immer mehr geeignete Kandidaten heranbildcn werden. Es liegen dem Rabbinat überdieß so viele und so wichtige Pflichten und Geschäfte ob, daß es mit der Zeit dringend nothwendig werden wird, zwei wissenschaftlich gebildete Theologen in demselben zu haben, so wie wir denn auch früherhin in Aussicht stellten, daß es wünschenswerth sei, dem Rabbiner in Zukunft einen Rabbinats-Asseffor beizuordnen. Vor allen Dingen aber lassen Sie uns mit dem Anfänge ansangen. Als einen solchen schlagen wir Ihnen die Wahl eines Rabbinats-Affessors vor. Hierüber Ihre Meinung einzuholen und demnächst Sie zur Wahl einer Kommission aus der Mitte dieser Versammlung zu veranlassen, welche die Namen der vorzuschlagenden Kandidaten entgegenzunehmen und die nöthigen Erkundigungen einzuziehen haben wird, dieß ist der Zweck der heutigen vorbereitenden Versammlung. Berlin, den 4. Dezember 1444." Königsberg, im Januar. Die deutschen Zeitungen enthalten folgendes: „Bekanntlich hat die J^udenschaft in Königsberg zu Gunsten ihrer Glaubensgenossen in Rußland, welche ein kaiserl. Ukas von den Grenzen nach dem Innern des Landes verweist, in einer Bittschrift Vorstellungen an den Kaiser gerichtet. Jetzt ist ihr durch „Vermittelung des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten" der Bescheid zugegangen, „daß jene Vorstellungen von keiner solchen Erheblichkeit geschienen, um darauf Rücksicht zu nehmen." Berlin, 21. Januar. (Privatmitth.) Ich kann Ihnen mittheilen, daß hier der von Di-. Freund beabsichtigte Verein (s. No. 3) vielen Anklang findet. Gewiß wird er mit der Zeit Gutes wirken, da die Freunde der Emanzipation in ihm einen Mittelpunkt fanden. Es ist nur noch zu besorgen, daß der Verein von der Staatsbehörde nicht gebilligt werde, und daß er auch Vereinigung der Antiemanzipisten Hervorrufen könnte. Im Ganzen fehlt dem Verein auch noch eine geniale Persönlichkeit, da der Dr. Freund, ein sehr tüchtiger Philologe, in seinen bisherigen Arbeiten im Fache der Emanzipation nicht eine solche kräftige Stylistik, eine so schlagende Logik, ein so inneres.Gemüthsleben entwickelt hat, die seinem Eifer und seiner Energie gleich kamen. Er ist etwas trocken und dürre in seinen Aufsätzen; der Rießer'sche Geist wäre ihm zu wünschen. Oesterreich. (Slavonien), am letzten Dezember. (Privatmitth.) Mit hoffnungsvoller Erwartung sahen die jüdischen Bewohner Ungarns dem Beginne des eben ablaufenden Jahres entgegen; denn in die-