Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1844)
- Date
- 1844-01-22
- Page
- Seite 50 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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50 und deutscher Sprache, b) Dr. I. Rechnitz, aus Preßburg, prakt. Arzt in Pesth," nimmt nicht nur als korrespondirendes Mitglied an den Arbeiten der österr. mediz. Jahrbücher, wo er viele werthvolle mediz. und Wundarzttiche Abhandlungen mittheilte, sondern auch an mehreren ausländischen Jahresschriften, n. s. w. thätigen AntheLl. Oi. Rechnitz war nicht nur der Erste, der Ln unserem Vaterlande nach Dr. Dicffenbachs Methode zur Heilung des Schielens Versuche austeltte, er zeigte seine Tüchtigkeit auch bei kühnen Operationsunternehmungen; so z. B. operirte er einem arader Kaufmann eine Chiloplastica, und einem pesihcr Bindermcister, der vier Jahre bei den berühmtesten Aerzten vergebens Hilfe suchte, einen gefährlichen Knochenauswuchs am Kinn sehr glücklich, c) Dr. I. Schlesinger, prakt. Arzt in Pesth, schrieb im Jahre 1840 eine Ofen-Pesther mediz. Topographie, eine Preisj schrift, die ihm den von der pesther mediz. Fakultät ausgesetzten Preis von 100 Tukateu gewann, ck) I. Grün. Hut Ln Pesth, gab im Vereine mit Dr. Pälya eine Schrift über das 1831 ausgebrochene Gatlfieber heraus, die auch im Anstande mit großem Beifalle anfgenommeu ward, e) Dr. D. Schwimmer, prakt. Arzt Ln Pesth, gab eine wichtige Abhandlung über das ofner Kaiserbad heraus, k) Dr. S. Saphir, als graduirter Dr. der Medizin übersetzte er Dr. Hempels deutsche Anatomie Ln's Lateinische, welche Ucbersetzung noch immer in der ungar. k. Universität, dem lateinischen Vortrage als Leitfaden dient; als deutscher Dichter hatte er früher unter dem Namen Ad. Eschen schone Gedichte verfaßt und später mehre dramatische Stücke von Viktor Hugo in's Deutsche übertragen, g) i)r. El.. Qesrerreicher, prakt. Arzt in Pesth, untersuchte in Gräfenberg Pneßnitz" Wasserheilmethode, und gab „Fragmente aus dem Reiche des kalten Wassers" heraus, h) Dr. Sam. Pscherhofcr, prakt. Arzt in Papa, gab ein Werk heraus unter dem Titel „lieber die theoretische und praktische Beziehung zwischen Religion und Medizin." i) Dr. Horschetzky, prakt. Arzt in Groß-Kanischa, ein verdienstvoller, vielseitig gebildeter, gelehrter Mann, von dessen Werk schon eben unter 4) Erwähnung geschah, k) Dr. Groß, prakt. Arzt in Nagyvärad, trug in der ersten Sitzung der in Pesth abgehaltenen Versammlung der ungar. Acrzte und Naturforscher, seine gehaltvolle Abhandlung über das Nagyvurader Schwefelbad vor, welche auch spater gedruckt erschien, l) Dr. Lud. Mandl, ein Pesther, prakt. Arzt in Paris, wo er mehre wichtige mediz. Werke verfaßt, namentlich: „Memoires d’analoiuie pathoJogique“ und „Meöioires sur la structure intime des muscles,“ welche sich in Frankreich eines großen Beifalles erfreuten, in) Dr. Rott aus Epen'es, ein iu Paris prakt. und sehr beliebter Arzt, gab ein wichtiges Werk über das orientalische Gallsieber heraus. So erfand er auch vor einigen Jahren eine neue Rechenmaschine welche ihm in Paris, London sowie in Deutschland großen Beifall gewann, n) Dr. Dav. Gruby, aus Kis Keres, in Bacser Komitat, vrakt. Arzt in Paris, wo er als ausgezeichneter Anatomiker in großer Achtung steht°). o) Dr. Moritz Rosenthal, Bruder des unter 3) erwähnten Sam. Rosenthal, halt in London mediz. Vorlesungen in englischer Sprache. 7) In der Journalistik zeichnen sich außer den oben unter 3) erwähnten: a) M. G. Saphir, Redakteur des „Humorist." b) S. Rosenthal, Redakt. des „Spiegel." c) Sig. Saphir, Redakt. des Pesther Tageblattes, vori züglich aus: d) H. Klein, Begründer und Red. des „Ungar" eines sehr interessanten vaterländischen Blattes, welches er taktfest zu handhaben verstehet, e) Ad. Neustadt, Red. der „Preßburger Zeitung" und des Beiblattes „Pamania" welcher diesen beiden Blattern 'mehr Leben und Interesse zu geben versteht als sein Vorgänger, t') Phil. Weil, Mitarbeiter mehrer pesther und wiener belletristischen Blätter, g) Sig. Hirsch, war eine lange Zeit Hauptmitarbeiter des „Pesther Tageblattes." 8) In den schonen Künsten — außer den obenerwähnten Dichtern — haben es auch mehre ungar. Juden zur Auszeichnung gebracht, a) W. Beck, der jüngste Bruder des oben erwähnten Karl Beck, entwickelt große Malcrtalente, und berechtiget zu den schönsten Hoffnungen. Unser Vaterland kann auch junge, geniale, jüdische Tonkünstler aufweisen: b) Jos. Joachim, dieser zwölfjährige Violinvirtnos, in Pesth geboren, hat in Wien, wo er schon vielmat aufgetreten, viel Beifall gewonnen. Er ist zugleich Komponist. Roch kaum zwölf Jahre alt, schrieb Diesem Manne wurde — wie ich aus sicherer Quelle weiß — in Anerkennung seiner ungewöhnlichen Talente, in einer der bedeutendsten Städte Deutschlands, eine Professorfleüe angeboren, er müßte sich jedoch bequemen—■ b:r herkömmlichen Formalität wegen—den Namen „Jude" abjulcgen. Er fand es trotz dem Namen den er trägt, unter seiner Würde mit ReligLonen zu schachern, er verließ seine stiefmütterliche Mutter, und suchte und fand Ln den Armen einer mütterlichen Stiefmutter, die das Kind das talentvoll, brav und gut ist am herzlichsten koset, es mag übrigens „Christian" oder „Israel" heißen — Ln Frankreich — Aufnahme, Schutz und Würdigung seiner Talente. Anm. d. Korresp.