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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-01-15 · Heft 3 (15.1.1844) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 3 (15.1.1844)
Date
1844-01-15
Page
Seite 38 (sequence 14)
Language
German
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38 und gepriesen von uns und Euch — Ln Euren Kirchen und Herzen prangen — um dieser Willen, Ihr Edlen, erlaubt uns von nun an, ohne Umgehungen, Seitenzüge und Aushilfsmittel — grad und recht Menschen fein zu dürfen!- Indem ich wünsche, kn der Darstellung des hohen Adels unserer Abstammung, auch zugleich Jenen *) entgegnet zu haben, denen es beliebt, Schwächen und Mängel unserer Ahnen (welche die heilige Schrift weislich zu verschweigen vermied, um in keinem unserer, von Gott bevorzugten Allvater den Menschen zu verkennen) uns anzurechnen — und nach Eigenheiten unserer Voreltern, welche in der Morgendämmerung der Welt und der menschlichen Kindheit lebten, unsere Fähigkeiten, Neigungen und Ansichten zu berechnen — will ich nun mit dem Herrn Dr. G. den jähen Sprung machen in die Zeiten des christlichen Erlösers — und zeigen, welche Motive die Messiashoffnung in Israel erweckten und erhielten — und in welcher Absicht, wie sich Dr. G. ausdrückt, der Jude sich beim Gebete nach Kanaan wendet — und nur von dort sein Heil und Glück erwartet. Weit entfernt von der Bruno Bauer'schen Ansicht: „daß erst der Hervorgang und die Ausbreitung des christlichen Prinzips, der Kampf derselben mit der Synagoge — endlich der Untergang des Tempeldienstes und die fortgesetzte Berührung der Juden mit der Kirche, es dahin brachten, daß auch für das jüdische Bewußtsein der Gedanke des Messias wichtig, bedeutend und der Mittelpunkt einer ihm bis dahin unbekanntes idealen Welt wurde" — weit entfernt von dieser widerchristlichen Ansicht, spricht vielmehr aus der glutvollen Liebe der Propheten für Menschenwohl und Heit — und aus ihrer Neigung das Erwünschte zu erwarten und stets nahen zu sehen, spricht, sage ich, aus jeder ihrer Zeilen, die Trost und Hoffnung entfaltet, daß Geist und Herz der göttlichen Seher über dem Glauben an einen moralischen Kreislauf der Menschheit weit erhaben, nichts heißer und' sehnlicher wünschten, und nichts sicherer erwarteten, *) Bruno Bauer nimmt als Beweis, daß die Juden dem Gebote der Nächstenliebe den Zusatz: und „Haffe deine Feinde" anhangen, indem man aus den Psalmen sieht, daß „die Leidenden und Verfolgten am beredetesten sprechen, wenn sie auf ihre Gegner alles Unheil herabschwören — und daß sie zu ihren Verwünschungen göttlich berechtigt sich glauben." (Kritik der evangelischen Synoptiker). Korrefp. als daß Israel einer Reife und Vervollkommnung entgegen gehe — daß Trug, List und Falschheit aus der Menschheit weichen die Leidenschaften in des Meeres Tiefen versinken werden — daß die Sünde schwinden — und kein Sünder mehr sein wird — daß einst: „die Erde des Verstandes voll, wie das Meer des Wassers voll, sein wird." — Diese hei,ßersehnte Aussicht mußte aber selbst dem poetisch begeisterten Auge stets weiter hinaus sich rücken, so die Männer Gottes den stets zunehmenden Sittenverfall des Volkes betrachteten — und daraus die Ueberzeugung gewannen: wie die irrende und verirrte Menge aus sich selbst nicht zur Erlösung gelangt — und die allgemeine moralische Versunkenheit nur immer in tiefere Abgründe des Lasters führe. Sie fühlten, daß es einer Posaunenstimme von außen benörhige, die innere Blödheit zu erregen —einer äußern Leuchte, die plötzlich herein breche und jedem seinen gefährlich finstern Standpunkt beleuchte — einer äußeren Warme, die innere Starrheit zu schmelzen. — Dieses fühlten sie mit der ganzen Kraft ihrer göttlich begeisterten Seele — fanden sich aber, auf den Gräbern der Tugend allein stehend, zu ohnmächtig — mit ihrem milden Blicke in die allgemeine Nacht zu schwach, für diesen hohen Beruf. — (Schluß folgt. An zerfter In demselben werden Annoncen aller Art gegen Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gehaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Oie Verlagshandlung. Anzeige. Die hiesige israelitische Gemeinde sucht zu Ostern einen Lehrer, der zugleich den Dienst eines Schächters und Vorsängers zu versehen hat. Restektirende wollen sich in portofreien Zuschriften an den Unterzeichneten wenden. Gadebusch in Mecklenburg-Schwerin. I. A Heß, Vorsteher.

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