Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1844)
- Date
- 1844-01-15
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
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31 nlsse der Juden auch auf diesen Gegenstand mit gerichtet, und werden die hierauf bezüglichen Verhältnisse dabei die ihnen gebührende Beachtung finden." —. Der letztere Passus bezeugt, in welche Details das neue Gesetz eingehen, und wie es auf numerische Verhältnisse sich stützen werde. Magdeburg, 8. Januar. (Privatmitth.) Das „Direktorium der Zentralgesellschaft zur Unterdrückung des Branntweingenuffes im Großherzogthum Posen" laßt einen „Hülferuf" ergehen, in welchem es nicht wie gewöhnlich geschieht alle Liebe und Wohlthätigkeit als „christlich" bezeichnet, sondern gesteht, daß Israeliten wie Christen sich der Gesellschaft unterstützend angeschlossen haben. Um diese Theilnahme auch von unsrer Seite zu bezeugen, folgen auch wir dem Wunsche des Direktoriums, und geben hier einen Abdruck des Hülferufes. Hülferuf in großer Noth! In keiner Zeit hat sich der Sinn des Wohlthuns und der Liebe wohl mehr bethatigt, als in der Gegenwart. Tausende, Hunderttausende, ja Millionen sahen wir noch jüngst, diese Liebe einer einzigen Stadt zuwenden, um eine große Noth zu lindern, die sie für einmal getroffen. Und was hier geschah, war nur Eine Aeußerung jenes göttlichen Sinnes, der sich in ähnlichen Fallen, überall auf gleiche Weise kund giebt. Nur Eine große Noth, deren grenzenloses Verderben nicht einzelne Städte und Dörfer, sondern ganze Lander von Zahr zu Jahr mehr verwüstet, und an den innersten Lebenskräften von Hunderttausenden nagt, blieb bisher von dem Publikum noch fast unberücksichtigt — nämlich die aus dem Branntweingenuß sich erzeugende. — Die Ursache dieser Unthatkgkeit zur Linderung dieser Noth ist indeß für Viele nur die, daß ihre Hülfe bisher noch weniger angerufen wurde, und die, daß eine ihrer Natur nach im Stillen wirkende Noth weniger um Hülfe schreit. Nirgends ist nun jene, aus den Flammen dieses unseligen Getränks wirkende Noth in unserem Lande so groß, als im Großherzogthum Posen. — Die Tausende edler Menschenfreunde, die so oft bereit sind, zur Linderung einer mehr äußern Noth ihre Gaben zu opfern, sollten nur Einen Blick thun in das namenlose Elend, dem so viel tausend Sklaven dieses unseligen Genusses mit ihren Familien bei uns hingegeben sind — und sie würden ohne Zweifel nicht weniger, sondern mehr bereit sein, die Gaben ihrer Liebe mit vollen Händen zur Beschränkung dieser Noth zu opfern. Und welch ein Weg sich dazu bietet? Die Stiftung von Vereinen zu freiwilliger Entsagung hat sich, wie überall, so auch in unserem Großherzogthum als das beste Mittel erwiesen, und Christen wie Israeliten haben sich denselben bereits in großer Zahl angeschloffen. — Als die vornehmste Waffe dieser Vereine steht aber die fortgehende Belehrung und Verbreitung von geeigneten Schriften da. Die Freunde, die bei uns diese Sache bisher getrieben, haben nach ihrem Vermögen, ja weit, weit über ihr Vermögen gethan. Ihre Mittel aber sind erschöpft, sie reichen bei dem zunehmenden Fortgange der Sache, wo Tausende gefordert werden, nicht mehr hin. Daher nun dieser Ruf des Vertrauens an die stets bewahrte rettende Bruderliebe der Königlichen Residenz, und an alle, der helfenden Liebe fähigen Vaterlandsgenoffen, die Vereine zur Abstellung des Branntweinelends in unserem Landestheil durch Geldunterstützung zur kräftigen Vollführung ihres Unternehmens, so Gott will, zur gänzlichen Reform desselben in dieser Sache der Noth, zu Hülfe zu kommen. Ach, bedenket, die ihr frei seid von der unseligen Sklaverei dieses Genusses, es gilt hier, viele Tausend gefangenen Waterlandsgenossen aus einem Elend zu befreien, das kaum mit einem andern zu vergleichen ist; in das zwar die eigene Thorheit sie und ihre oft schuldlosen Familien gestürzt aus der sie aber einzig und allein nur die rettende Liebe befreien kann! Wohlan denn, so kommt nun mit euren Gaben der Liebe, und helft uns! Helfet uns arbeiten an unserem Werke zur Rettung der Brüderaus geistigem und leiblichem Elend! Jede Gabe sind in Empfang zu nehmen bereit: Die Herren: Bischof Di-. Freymark, Konsistorialrath Fechner, Militar-Oberprediger Dr. Cranz, Äorts sistorialrath Dr. Siedler zu Posen, die sammtlichen Herren Dekane der Erzdiözese Posen, die Herren katholischen Pfarrer Landmesser zu Danzig und Tschiedel zu Thorn, die Herren Buchhändler Hold (Königsstraße 62 neben der Post) und Buchdruckereibesitzer Schantze (Stralauec Straße No. 33) zu Berlin; fer-