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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-01-15 · Heft 3 (15.1.1844) · p. Seite 29

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 3 (15.1.1844)
Date
1844-01-15
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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29 ihre Kräfte zu widmen und durch Lehre und Beispiel den Judenhaß zu bannen. — §. 8. In jeder Leipziger Messe wird an einem geeigneten Abend eine Versammlung der anwesenden Emanzipationsfreunde stattsinden, in welcher über die dermaligen jüdischen Zustände und über die Fortschritte, welche die Emanzipations-Angelegenheit in Deutschland gemacht hat, ein ausführlicher Bortrag gehalten werden soll. —. Man wird leicht absehen, daß diese Paragraphe die Sache noch sehr formlos lassen, und sollen wol spätere Berathungen die Angelegenheit noch in genauere Bestimmung bringen. Zu bemerken ist, daß auf erfreuliche Weise mehre bedeutende Männer christlichen Glaubens in Leipzig den Vorschlag mit großem Interesse ausgenommen, und thätige Verwendung zugesagt haben. Weiteres werden wir zur Zeit bemelden. Magdeburg, 8. Januar. (Privatmitth.) Das neue Zirkular des Frankfurter Reformvercins trägt denselben Charakter, wie dessen frühere Veröffentlichungen, den der Oberflächlichkeit und der Schwäche. Bei den vielen und verschiedenen Angriffen, den er erlitten, hätte wol Jeder eine umfassende Entgegnung und Widerlegung, und eine nähere Begründung dessen, was er gewollt und gesagt, erwartet. Beides bringt das Zirkulär nicht, sondern wiederum vage Phrasen, Behauptungen in's Allgemeine hin, leere Worte. Wir haben von vorn herein diesen Männern ihre Ansicht nicht verdächtigt, denn Jedermann hat die Freiheit in religiösen Dingen zu denken und zu glauben, was sich ihm aufdrängt — sondern daß sie ihre Ansicht zu einer allgemeinen Phase des Judenthums zu machen so dreist waren, ohne im Geringsten befähigt zu sein, eine angemessene und durchdringende Begründung aufzustellen; daß sie das bestehende Judenthum zu zertrümmern beabsichtigten, ohne hierfür mehr als einige hohle Phrasen zu haben; daß sie endlich Gist und Geifer auf die Religion ihrer Väter spritzten, bei der offenbaren Mangelhaftigkeit ihrer Kenntniß derselben. Wer da unternimmt, was er nicht durchzuführen vermag, macht sich lächerlich. Betrifft dies aber das Heiligste und Erhabenste des Menschen — so ist cs V errat h! — Mögen jene Männer abermals mit uns unzufrieden sein, wir können nicht anders, als das, was wir so ansehen, mit den rechten Worten bezeichnen. Die Abfasser des neuen Zirkulärs haben dies auch gefühlt, sie wälzen daher die ganze Schwere des Werkes auf andre Schultern, und meinen: sie bezeugen nur; sie sagen: „wir werben nicht, wir protestiren nicht, wir bezeugen." Und war das kein Werben, wenn sie alle Gegenden des deutschen Vaterlandes mit ihren Aufforderungen überschwemmten, und zum Beitritt dringend einluden? war das kein Protestiren, wenn sie die Synagoge mit den schwärzesten Farben malten, und ihren ganzen vergangenen Zustand als einen verderbten, unmoralischen, verwitterten, verkehrten bezeichneten, und alle ihre Institute schmäheten? wenn sie den großen Fortschritt, der durch die angestrengtesten Bemühungen bewirkt worden, und der Tag für Tag immer deutlicher hervortritt, ignorirten, und als nicht vorhanden annahmen? kein Protestiren, wenn sie mit einigen Federstrichen die ganze Gestalt des Judenthums, wie sie sich historisch herausgebildet und fortbildct, durchstrichen? Die Leute müssen sonderbare Begriffe vom „Werben und Protestiren" haben. Aber sie wollen dies als von ihnen nicht geschehen ausgeben, weil sie fühlen, daß sie zu jenen kein Recht, nämlich keine innere Befähigung hatten. Nun rufen sie die jüdischen Theologen zur Hülfe, die ihr Werk ausbauen sollten — gut, warum habt Ihr es denen nickt ganz und gar überlassen, da Ihr deren Vorhandensein doch selbst zugcbt! Also die Herren reduziren ihr ganzes Heldenwerk darauf: sie wollten Zeugniß geben, daß in Deutschland viele Juden die Verbindlichkeit der talmudischen Vorschriften nicht anerkennen, und an einen palästinensischen Messias nicht glauben — welche Neuigkeit, welche Großthat, großer Anstrengungen würdig! — Nun haben aber die Herren noch mehr gewollt, und schlüpfen mit einer juristischen Leichtigkeit darüber hinweg: sie haben den Mosaismus, also die h. Schrift auch in's Nichts verkehren wollen, und was dann noch am Judenthume bliebe, mit welchem Rechte sie sich dann noch für Juden ausgeben könnten, das belieben sie ganz leise zu überhüpfen. Sie reden sich jetzo so aus: „war die Möglichkeit einer nicht beschränkten (!) Fortbildung in der mosaischen Religion (!) voranzustellen, so ergiebt doch schon der Wortlaut, daß die eigentliche

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