Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1844)
- Date
- 1844-01-15
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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26 folgloß fein, desto nothwendiger ist die kräftigste Vereinignrrg, um ein allgemeines Resultat zu erzielen. Dies ist es, was unser hochherziger Monarch Ln Seiner Bekanntmachung ansspricht, dies ist es, was Er mit der Gründung jener Gesellschaft beabsichtigt. Daher müssen wir Seinen Ruf mit vollem Herzen aufnehmen, müssen Seinem Rufe auch unsrerseits folgen, und das, was Aller, also auch unser Wohl begründen sott, auch mit unsren Kräften zur Wirklichkeit zu bringen suchen! Denn wenn auch unser edelherziger König als oberster Bischof Seiner christlichen Kirchengenossenschaften nicht direkt Seine Ansprache auch an Nichtchristen richten konnte, da wo cs kein staatliches Gesetz, sondern einen Aufruf an die Herzen Seiner Ilnterthanen-galt: so gehet doch offenbar Seine Absicht dahin, daß jedwede Hand am großen Werke sich rühren, jedwede Kraft daran zu bauen helfen solle, wo eben nur die Gesammtheit und die Vereinigung aller Einzelnen beabsichtigt ist. So wie Se. Majestät nur erst eine vorläufige Bekanntmachung erlassen haben, müssen auch wir uns zuvörderst mit einem vorläufigen Aufrufe begnügen, um zuerst die Theilnahme an - und auszusprechen. Mit den weiteren Erlassen wird auch unsere Aufforderung sich direkter gestalten. ir. Aufforderung au alle Rabbiiicu und jüdische Geistliche Deutschlands zur Abhaltung jährlicher Versammlungeir. Wir haben zu wiederholten Maten darauf hingewiesen, daß der Grundfehler des jüdischen Gemeinwesens in unsrer Zeit ist: die Zerfallenheit; das Entferntstehen derer, die zu den geistigen und geistlichen Führern der Gemeinden berufen sind, ihre Jsolirung, der Mangel an jedwedem Vereinigungsmittel, das Zusammentreffen allein Lm lebten Buchstaben, diese verhindern jedes Zusammenwirken, jede Kongruenz der Ansichten, jede freundliche Berührung. Was daher auch für Vorschläge zu gemeinsamen Arbeiten und Werken gemacht werden: sie scheitern an der Mangelhaftigkeit, an der Dürftigkeit der Unterstützung. Nirgends ein kompaktes Zusammentreten, eine durch Vereinigung Lmponirende Autorität. Rathlos ist daher die Gesammtheit des JudeuthumS, rathlos der Einzelne, der Ln sich den Drang fühlt, an der Lösung der gemeinsamen Aufgabe mcht bloß isottrt zu arbeiten. Das Zudsrthum ist gegenwärtig mächtigem Schwankungen ausgesetzt, es sind nicht bloß Parteien vorhanden, sondern sie treten immer offner und feindseliger einander gegenüber — noch eine kurze Zeit, und der Bruch ist unheilbar, und es sind Steilungen eingenommen, wo die Ausgleichung unmöglich wird. So bedürfen die Männer, die an der Spitze der Gemeinden stehen, der Vereinigung; so bedarf das rathlose Israel eines Zusammentretens seiner Lehrer. Der Jndifferentismns, der seinen fressenden Krebsschaden immer weiter ausdehnt, greift die gesundesten Glieder an; und diejenigen, welche das Richtige und Beste wünschen, sehen sich vergebens nur, von wannen sie sich Rathes erholen können. Von innen und außen wankt das Gebäude des Judenthums — und die es stützen und halten sollen, legen die Hände in den Schooß. Von innen und außen wird unsre Religion von gewaltigen Feinden angegriffen — und die sie vertheidigen sollen, sehen dem müffig zu. Lasset uns deutlich sprechen. Es handelt sich nicht mehr um die Zulässigkeit oder Nichtzuläffigkeit dieser oder jener gottesdienstlichen Einrichtung, dieser oder jener Erleichterung für das bürgerliche und gesellschaftliche Leben, es handelt sich um den Gesammtinhalt unsrer Religion, die wir in ihrer Reinheit und Göttlichkeit darstellen und befestigen müssen, um sie vor der tödtlichen Starrsucht einerseits, vor dem erkaltenden Unglauben andrerseits zu retten und zu sichern. Das israelitische Religionsleben schwächt sich von Tage zu Tage, und jeder Laie fragt uns: was thut Ihr?- Meine Amtsbrüder! es gilt die Sache Jsrael's, es gilt die Sache der geoffenbarten Religion, die uns anvertraut ist, es gilt die Sache des einigen Gottes! Wehe dem faulen Knechte, der vom Brode des Priesters sich mästet, aber die Opfer des Herrn vernachlässigt! Der Tag der Rechenschaft kommt, wo er seinen Stuhl nmgestürzt und den Berg des Herrn verödet sieht!- Wohl, wir wollen unsre Pflicht thun, und dem drängenden Werke uns nicht entziehen. Der Weg ist uns gewiesen. Naturforscher, Aerzte, Philologen, Landwirthe, Apotheker, Juristen, Forstmänner, Industrielle, und protestantische Geistliche versammeln sich jährlich, um das Heil ihrer Wissenschaften und Angelegenheiten zu berathen und zu fördern. Wo sind die Rabbinerversammlungen? Wo lernen sich die