Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1844)
- Date
- 1844-01-08
- Page
- Seite 21 (sequence 9)
- Language
- German
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21 ger zu sondiren und die moralische Qualität des aus dem Schooße Abrahams Auswandernden genauer zu untersuchen, ob er denn würdig sei, ein Bürger im Reiche Christi zu werden. Bon Ungarns Reichsversammlung wäre wol eine günstige. Aufnahme eines Antrages zu erwarten, der nur eine Konsequenz des rechtlichen und liberalen Prinzips in Anspruch nimmt, und welcher einem Treiben Vorbeugen will, das so sehr mit dem ungarischen grad- und offenherzigen Charakter in Widerspruch steht. M. D.ß. Rußland und Polen. Bon der polnischen Grenze, Ende Dezember. (Privatmitth.) Die sammtlichen Gemeinden, welche von dem Mas der Entfernung getroffen würden, haben eine Petition an den Kaiser gerichtet, in welcher sie sich verpflichten wollen, allen Schmuggelhandel unter sich selbstthätig zu unterdrücken, wenn man sie in ihren Wohnplätzen belassen würde. Man hofft viel von diesem, alle Forderungen befriedigenden Vorschlag. Personal- und Lokalnachrichten. Sie«, 7. Dezember. (Privatmitth.) Am 3. November wurde hier (Regierungsbezirk Trier, Kreis St. Wendel,) eine Synagoge, zu der die kleine Gemeinde seit 1826 gesammelt, durch den Oberrabbiner Kahn auf die feierlichste Weise eingeweiht, wobei wir mit wahrer Freude den lebhaften Antheil, den die ganze christliche Bevölkerung, insbesondere der Herr Landrath und Bürgermeister, welcher letztere auch thätig beim Bau mitgeholfen, nahm, hervorheben können. Groß-Kanisch a, im Dezember. (Privatmitth.) Herr Oberrabbmer Löw entwickelt in seiner Amtsthätigkeit, Energie und Beharrlichkeit, die an's Staunenerregende grauzen. Dem Gewerbsvereine, welchen er in Vorschlag und in's Leben brachte, widmet er noch immer seine Beaufsichtigung und Leitung. — Seine Predigten °), übervoll an und rn'M-Stellen, die er gewöhnlich *) In den beiden im Drucke erschienenen Reden, herrscht nicht der eigentliche Genius des Verfassers. Korresp. Ln höchst gelungenes deutsches Metrum übersetzt, sind wahrhaft geeignet, das an rvnam verwöhnte ungerische Publikum mit den ihm bisher fremdartigen Predigten, auszusöhnen. — Sein höchst brillanter Vortrag und die vielen frappanten Wendungen und epigrammatischen Ausfälle — üben einen seltnen Zauber auf die begeisterten Zuhörer. — In der, von genanntem Herrn Rabbiner, zur wahren israelitischen Lehranstalt erhobenen Kanischaer Schule, leistet derselbe ebenfalls Unglaubliches, Von Jedem der 450 Schulkinder sind ihm Namen, Fähigkeit und Eigenschaften bekannt. Er selbst ordnet die vorzutragenden Lehrgegenstände an — verweilt täglich stundenlang in dem — durch seine besondere Aufmunterung erbaueten, herrlichen Lehrgebäude. Ausgezeichnet ist an dieser Schule der Unterricht in der jüdischen Geschichte alter, neuer und neuester Zeit — ebenfalls vom Herrn Rabbinen entworfen — und von den Kindern mit besonderer Vorliebe gelernt. Am mm veranstaltet alljährlich Herr Löw in der Synagoge ein Kinderfest, wobei, nach dem Gesänge geistlicher Lieder und der Predigt, Herr Rabb. L. die Prämien unter die im versiossenen Lehrkurse an Fleiß und Fortgang bevorzugten Schüler vertheilt. — Die vierte Schulklasse durch unfern Rabbinen eingerichtet, verdankt nur seiner unermudenden Verwendung ihr Bestehen. Als noch nicht realisirter, frommer Wunsch des Rabb. Löw ist zu betrachten dessen vielversprechender Plan au dieser genannten Schule, eine Talmudschute anzureihen, wo für den Talmudunterricht fähige Kinder von 10—16 Jahren Unterricht genießen sollen und während dieselben in diesen 6 Jahren bis zum Selbstlesen des Talmuds gebracht werden, sollen sie auch nebstbei die 6 Gymnasialklassen absolviren und somit aus dieser jüdisch-theologischen Pstanzschule, für's eigentliche jüdisch-theologische Studium präparirt sein. Nachdem nun Herr Rabbiner Löw durch seinen besondern Eifer für Gewerbvereine und Schule das allseitige Zutrauen gewonnen — und durch seine höchstbegeisternden Reden eine Achtung sich erzwungen hat, welche gewöhnlich nur Männer höhern Atters gezollt wird — ist derselbe zur Sichtung des Liturgieweseus geschritten, welcher Aufgabe er jetzt mit der ganzen Kraft seiner regen Seelenthätigkeit obliegt. In Kanischa wo, was Ordnung und Anstand im Ritus betrifft, bereits nichts mehr zu wünschen übrig bleibt, ist es an der Zeit, an dem innern Kern der Liturgie die zeitgemäße, kritische Feile anzulegen. Uebrigens kann nur in einer Gemeinde wie Kanischa, wo so viel reger Wille für Erhöhung und Verbesserung 2»