Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1844)
- Date
- 1844-01-08
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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14 auf eine Petition der Gemeinde Lengnau wurde den Juden ein Gesetz verheißen, nach welchem sie Ln Zukunft zum Milizdienste gezogen würden; Ln Genf wurden zum ersten Male drei Israeliten naturalisirt, und den Juden überhaupt gestattet, den Gottesdienst in Genf selbst zu halten, der ihnen bis jetzt nur Ln der Stadt Careuge erlaubt war. — Frankreich bot uns nichts Besonderes dar. Die Bemühungen in einzelnen Departements, z. B. des Straßburger Konsistoriums, das die Konfirmation zum Gesetze erhob, der Mühlhaüser philantropischen Gesellschaft, sind lobenswerth; das Pariser Konsistorium hielt mit erfahrenen jüdischen Aerzten Berathungen über die Beschneidung, in deren Folge es die Mezizah (Aussaugung) aufhob. — In London wurde es besonders hervorgchoben, daß durch Beihülfe der Juden die Wahl des liberalen Parlamentskaudidaten Pattison entschieden ward. Man hatte deshalb zur Eidesleistung einen Sonnabend gewählt, und als sich hierüber die Juden beschwerten, nahm das Publikum allgemein Parthei für sie. Ueber die Wahl eines neuen Oberrabbinen konnte man sich immer noch nicht vereinigen, und ein Antrag auf einige Veränderungen in der Stunde des Gottesdienstes wurde zurückgewiesen.— Die holl (indische Staatsregierung fuhr fort, tüchtige Juden überall zum Staatsdienste zu verwenden; der Geist der Juden selbst in inneren Beziehungen schlummert aber sehr, und zeigt keinen Funken der Thatigkcit. — Der vortrefflichste Geist that sich in Dänemark kund. So wie der Staat nicht ansteht, befähigte Israeliten im Staatsdienste, an Hospitälern und der Universität, anzustellen, so hat die Stadt Kopenhagen die Aufnahme von Israeliten im Aüg. Kranken- und Jrrenhause bis zu einem jährlichen Kostenbetrag von 1000 Thalern bewilligt. Die Kommission, die bei den Konfirmationen von Staatswegen zugegen sein mußte, wurde aufgehoben, und endlich der alte Judeneid abgeschafft, und alle Eide von Israeliten im Gerichte, und ohne allen Apparat von Tallis und Tefillim, abzunehmen befohlen. — Der König von Schweden und Norwewegen hat einen Befehl erlassen, den Juden, welche zu der, für das nächste Jahr nach Christiania bestimmten Versammlung der skandinavischen Naturforscher kommen wollen, Geleitsbriefe zu ertheilen. — Ein hartes Geschick bereitete sich im vorigen Jahre den Israeliten, die dem Szepter des russischen Kaisers unterthan sind. Zwar in Petersburg versammelte sich ein Rabbinerkolleglum, und hielt unter ministeriellem Vorsitz Berathungen, deren Resultate jetzt höherer Berücksichtigung unterworfen sind. Von der andern Seite wurde aber ein Ukas veröffentlicht, nach welchem alle innerhalb fünfzig Werste von der Gxeyze wohnenden Juden ihre Wohnplätze verlassen Md nach den inneren Gouvernements gebracht werden sollten. Ein Jammerruf der Unglücklichen durchdrang Europa. Wenn man auch viele dieser Juden der Schmuggelei beschuldigte, so trifft doch diese Maßregel dieselben zu schrecklich, da sie die Gräber und Heiligthümer ihrer Väter verlassen und ihren Nah? ruugsstaud sammt und sonders verlieren müßten. Schon ist die wirkliche Ausführung angezeigt, schon sind sie aufgefordert, ihre zukünftigen Wohnplätze zu wählen, aber dies Letztere lehnen sie ab, und hoffen von der Gnade des Kaisers noch Milderung zu erlangen. Abermals wurde auch die Konskriptionspflichtigkeit der Juden in Polen gesetzlich bestimmt, und zwar unter milderen Vorschriften als im vorigen Jahre, jedennoch wurden Inden, die sich vor der allgemeinen Aushebung taufen ließen, von der Konskription befreit. Die nächste Zukunft muß die verworrenen Verhältnisse der Juden hier auflofen, und wollen wir der Hoffnung nicht entsagen, daß für neu aufgelegte Pflichten auch neue, Rechte ihnen eingeräumt werden. Für unsre mährischen Glaubensgenossen wurden einige neue Verordnungen erlassen, nach welchen nur philosophisch studirte Rabbinen angestellt, Gebete, die im Gerüche des Religionshasses stehen, abgeschafft, deutsche Vorträge gehalten, das Schulwesen geordnet und Behufs von Synagogen der Erwerb christlicher Grundstücke gestattet werden solle. In Prag entstand einige Beirrung, indem das in der Ehristenstadt eröffnete Gewölbe eines jüdischen Kaufmanns geschloffen ward, jedoch wurde sie bald wieder beseitigt. In Wien war es hervorzuheben, daß der Freiherr Salomon von Rothschild, als ihm das Ehrenbürgerrecht von der Stadt verliehen worden, in einem glänzenden Schreiben zu erkennen gab, wie diese Ehre ihn nicht erfreue, da sie ihm nur die Zurücksetzung seiner Glaubensgenossen in Erinnerung bringe. — Unser theures deutsches Vaterland bietet uns dasselbe Schauspiel wie in den vergangnen Jahren. Viele Worte, viele Bemühung, den öffentlichen Geist zu unserm Nachtheile umzustimmen, und wenige Fortschritte.— Die in Karlsruhe vorgefallenen Beschimpfungen von Inden bei einem Vorfall, der diese nicht im Geringsten berührte, sind in lebhafter Erinnerung. — Württemberg allerdings glanzt durch sein humanes Verfahren, durch seine gerechten und weisen Einrichtungen in Betreff