Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 das wäre, hätte man wol nicht die gehässige Einkommensteuer eingeführt. (D. A. $.*) Berlin, 20. Dezember. (Privatmitth.) Wir sind wieder in Spannung und Erwartung. Die Sage eines neuen Judengesetzes geht schon wieder um und bringt die verschiedenartigsten Versionen. Die eine streckt Sammetpfötchen aus, und streichelt uns mit etlichen Erweiterungen; die andere stellt sich borstig an, und stachelt uns mit Drohungen von Handels - und Geschäftsvexationen. Unter diesen Umständen konnte ein Antiemanzipations-, oder wie man besser sagen kann, ein Manzipationsbüchlein von einem Staatsbeamten, dem W. G. O. Finanzrath Wolfart nur einen peinlichen Eindruck machen. Es ist offenbar bestimmt, dem Emanzipationsvotum von Streckfuß Opposition zu machen. Man rüstet sich daher schone sobald etwas Genaueres verlautete, mit Petitionen, Demonstrationen, Prvtestationen entgegenzutreten. Zuletzt stimmt man darin überein: Gott helfe! — Man behauptet insbesondere, daß durch ein Gesetz den jüdischen Kaufleuten in Zukunft verboten werden soll, Reisende nach Gegenden zu senden, wo keine Juden wohnen. Damit wären ganze Distrikte in Pommern, Schlesien, Neupreußen verschlossen. Es zirkulirt deshalb eine Petition dagegen, obenan von Jakob Abraham Meyer unterzeichnet. Die nächste Zukunft muß Licht bringen. — Wie darf man sich aber nun wundern, daß Vorurtheil und Haß gegen die Juden im Volke wieder wach werden! Es sind wahrlich trübe Aussichten! Doch man weiß ja, wie oft der Himmel wieder geklärt wird, wenn er auch voll Wolken hängt. Rußland und Polen. Riga, 15. November. (Privatmitth.) Noch immer stehen wir im Kampfe und zwar in erster Linie vor ganz Israel in diesem großen Reiche, noch immer streitet man mit uns um den Boden und den Raum, welchen unsre Wiege und das Grab unsrer Water einnehmen. Trotz allen Widerwartig- 'j Wir ersehen die Richtigkeit aller dieser Angaben auS einem uns so eben zugekommenen Exemplar der Rechnungsablage. Redakt. keiten aber, welche wir bereits bestanden und noch mit Gottes und des Kaisers Hülfe glücklich überstehen werden, ist unsre Schule wieder auferstanden und am 1. November wieder eröffnet worden. Wir haben wieder durch Ihre Hülfe einen würdigen Führer, einen kräftigen Lehrer des göttlichen Wortes, den Herrn Dr. Neumann, erlangt, der sich unsrer Schule und Synagoge auf so angemessne Weise annimmt, daß er sich bereits Aller Achtung und Liebe erworben. So fehlt uns nichts weiter, als daß wir baldigst durch das kaiserliche Vaterwort gänzlich vor unfern Widersachern Ruhe bekämen. Wir konnten die Wiedereröffnung unsrer Schule in dem kurländischen Matte „das Inland" folgendermaßen anzeigen. - „Gestern fand hieselbst die feierliche Wiedereröffnung der Allerhöchst bestätigten israelitischen Schule statt. Wer davon unterrichtet ist, nach welchem rastlosen Streben und Ringen es uns dereinst gelungen war, durch die väterliche Fürsorge unseres erhabenen Kaisers und durch die seltene Humanität Seines hohen Ministers der Volksaufklärung diese Anstalt als ein höchst erfreuliches Zeichen der Zeit bei uns ins Leben zu rufen, und zugleich weiß, wie gnädig und huldvoll die Beweise des segensreichen Wirkens unseres Dr. Lilienthal höheren und Allerhöchsten Ortes anerkannt worden sind, wird auch ermessen können, wie sehr es uns betrüben mußte, das Bedürfniß der hiesigen israelitischen Bevölkerung aufs Neue unbefriedigt zu sehen, da nach der Berufung des Herrn Dr. Lilienthal zu seinem jetzigen Wirkungskreise unsere israelitische Schule nicht nur ihrem sichtbaren Verfalle entgegenging, sondern bis auf Weiteres geschloffen werden mußte. Es ist daher unsere jetzige Freude eine durch die wahre Wiedergeburt der Schule entstandene. Wie unser neuernannter Schulvorsteher und Prediger der hiesigen Synagoge, Herr Dr. Neumann sich wahrhaft herzlich aussprach: „Allmächtig ist der Herr im Schaffen, allgütig im Erhalten und Nichts läßt er zu Grunde gehen und zu Schanden werden, was er einmal ins Dasein gerufen, so lange es seinen Zweck und sein Ziel noch nicht erreicht hat", so hat die Wiedereröffnung der Schule zum Heile und Segen der hiesigen israelitischen Jugend uns aufs Neue mit Hoffnung beseelt, daß das Werk, von Gott geschützt und erhalten, allmälig sich immer mehr