Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 Judenthum, in politischer und materieller Beziehung Opfer gebracht haben, deren schwerlich einer unsrer Gegner sich rühmen kann. Der Eindruck endlich, welchen unser Unternehmen auf unsere Glaubensgenossen gemacht, entsprach ganz unseren Erwartungen. Die Widersacher eiferten, die Gleichgesinnten stimmten zwar bei, nahmen aber noch großentheils Anstand die Erklärung zu unterzeichnen; hier wurden Rücksichten geltend gemacht, dort hegte man Besorgnisse; eigentlich aber war von der Abgabe einer schriftlichen Erklärung ein unmittelbarer persönlicher Bortheil nicht zu erlangen, eher ein Nachtheil zu besorgen. Nichts desto weniger haben wir uns des Beitritts vieler wackeren Männer von nahe und fern zu erfreuen, und da unser Unternehmen nicht auf Tage oder Wochen berechnet gewesen, so finden wir uns in unserem Vertrauen auf keine Weise erschüttert. e) Preußen. Posen, 15. Dezember. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Korporation hat unserer christlichen Stadtbehörde ein höchst empfindliches Dementi gegeben. Während nämlich letztere allen laut ausgesprochenen Wünschen zum Trotz fortwährend hartnäkkig schweigt und noch keine Bereitwilligkeit offenbart, den Bürgern einen genauen Einblick in die Kommunverwaltung zu gestatten und insbesondere von dem Stadthaushalte Rechnung zu legen, hat gestern der Vorstand der jüdischen Gemeinde dies unaufgefordert in vollständigster Weise gethan, indem er in den hiesigen Zeitungen eine besonders abgedruckte genaue Uebersicht aller Einnahmen und Ausgaben so wie der Geschäftsführung der gegenwärtigen Administration beigefügt hat. Nachdem schon vor einigen Tagen dem dermaligen Vorstande der jüdischen Gemeinde eine öffentliche Danksagung für seine musterhafte Verwaltung votirt und dieselbe in den Zeitungen abgedruckt worden war, erhalten wir nun einen ausführlichen Bericht über die segensreiche Thätigkcit desselben. Der jetzige Vorstand übernahm die Leitung der Geschäfte im Sommer 1837 und fand ein Minus *) Einige Bemerkungen hierüber in nächster Woche. R e d a k t. von 4000 Thlrn. bei einem baaren Kassenbestande von 68 Thlrn. vor. Zu nothwendigen Bauten bedurfte er noch eine Summe von 5230 Thalern. Sämmtliche Schulden sind abgetragen worden, ohne daß zu diesem Zwecke von den Korporationsmitgliedern besondere Beiträge geleistet worden sind oder die Zuflucht zu einer Erhöhung der Steuern genommen worden wäre. Die Gesammteinnahmen pr. 1837 beliefen sich auf fast 17,560 Thlr.; sie sanken bis 1839 auf noch nicht 12,000 Thlr.; dann aber hoben sie sich allmalig wieder, sodaß sie im Jahr 1842 die Höhe von 17,000 Thlrn. wieder erreichten. Die Verwaltungsbehörde machte es sich zum Grundsatz, nie den Etat zu überschreiten, sondern noch immer einen, wenn auch geringen Ueberschuß zu behalten. Es gelang ihr dies trotz der Schuldenabtragung und der sehr beträchtlichen Armenunterstützungen durch weise Sparsamkeit und unentgeltliche Uebernahmc von Verwaltungsgeschäften so vollständig, daß das Kommunalvermögen gegenwärtig völlig geregelt ist und sich! in der besten Ordnung befindet. Der Etat des lauj senden Jahres liefert eine Einnahme von 23,300! Thlrn., wodurch es möglich geworden ist, den Ausj gabe-Etat gleichfalls auf 22,500 Thlr. zu erhöhen.! Die jetzige Verwaltung hat im Allgemeinen so mu-! sterhaft gewirthschaftet, daß alle baulichen Institute! in tadellosem Zustande sind, daß das Armenwesen, i dieser furchtbare Krebsschaden der frühern Zeit, zur | allgemeinsten Zufriedenheit geordnet ist und daß sie i dennoch beim Schluß ihrer Verwaltungsperiode jetzt : der nachfolgenden Administrationsbehörde einen baai ren Bestand von 10,200 Thlrn. überliefert. Ein j Hauptverdienst der bisherigen Verwaltung ist, wie : gesagt, die Regulirung des Armenwesens. Zu einer j wahrhaft unerträglichen, ja anstößigen Last war das j Betteln hiesiger jüdischer Armen geworden, ohne daß j hiergegen früher irgend radikale Maßregeln getroffen! waren. Im Jahre 1837 war noch kein Groschen zur j Armen- und Krankenunterstützung auf dem Ausgabe- Etat; im Jahre 1838 wurden dazu schon 3000 Thlr. angesetzt, und im laufenden Jahr über 6200 Thlr., und doch sind die bisherigen Korporations-Abgabensätze nicht erhöht worden. Das Betteln der jüdischen Armen hat seitdem vollständig aufgehört. Möchte der so sehnlich erwartete, nun hoffentlich auch zur Publikation gelangende Etat unsers Stadthaushalts doch eben so glänzende Resultate liefern! Doch wenn