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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-01-01 · Heft 1 (1.1.1844) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 1 (1.1.1844)
Date
1844-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 lichen Ausbildung auf einen größeren Umfang auszudehnen, als es bis jetzt möglich war. Die von dem Erblasser selbst ernannten Administratoren (Herr B. H. Goldschmidt und Herr H. H. Goldschmidt) haben der diesseitigen Verwaltung, in Betracht ihrer erlangten Geschäfts-Kenntniß, die Verwendung für die nächsten 3 Jahre überlassen, und die Verwaltung hat diese Mission, in Uebereinstimmung mit dem statutenmäßigen Ausschuss«, angenommen. Frankfurt am Main, im Dezember. (Privatmitth.) Der so lange verstummte, und eben so unsichtbare Reformverein hat wieder eine Heldenthat verübt, und nach außen (nicht in Frankfurt am Main) folgendes Zirkulär versandt: „Unser Rundschreiben vom August d. I. brachte Ihnen Programm und Erklärung. Wir glaubten einige Zeit hingehn lassen und die Wirkung abwarten zu müssen, welche unser Auftreten haben würde, und sind nun im Stande hierüber zu berichten. Zuvörderst konnte es uns nicht befremden, uns angegriffen und verdächtigt zu sehn, und eben so wenig konnte es auffallen, daß man sich dazu unwürdiger Mittel'und Werkzeuge bediente. Wir hatten gewagt, der Schlange auf den Kopf zu treten, und mußten erwarten, daß sie Gift spritzen werde. Auch die Glaubens-Einfalt und der Glaubens-Eifer fühlten sich herausgefordert, und verketzerten zum Ruhme Gottes und zum Heile der Seelen. Seltsam genug berichteten öffentliche Blätter von hier aus fast täglich, das Unternehmen sei in der Geburt erstickt, aus Mangel an Theilnahme verschieden und dergleichen mehr, während es seinen ruhigen Fortgang hatte und allgemeines Interesse erregte. „Wer da bauet an den Gaffen, muß die Leute reden lassen," sagt ein altes Sprichwort; das von uns begonnene Werk lag frei vor Aller Augen, wir hatten es der öffentlichen Beurtheilung unterstellt, und mußten uns diese gefallen lassen, mit der Einschränkung jedoch, aus der wohlgemeinten Nutzen zu ziehen, und uns um die andere nicht zu kümmern. Die vielen Ausfälle, Schmähungen, Aufforderungen rc., welche manche Zeitungen unausgesetzt brachten, haben wir unerwidert und unbeachtet gelassen, und den persönlich Angegriffenen die Selbstvcrtheidigung anheimgepellt; diesem Vorsatze werden wir auch in der Folge treu bleiben, und „die Leute reden lassen." Dagegen sind uns von wohlmeinenden, unbefangenen und stimmberechtigten Männern Bedenken geäußert und Einwürfe gemacht worden, welchen zu begegnen wir als Pflicht betrachten, und die wir hier in Kürze zusammenfaffen wollen. Der erste Einwurf ist gegen unsre Persönlichkeit und Stellung im Leben gerichtet; man fragt nämlich, woher uns Nichttheologen der Beruf zur Reform des Judenthums komme? Damit steht der Vorwurf im Zusammenhänge, daß wir negirten, ohne zu affirmiren, daß wir einreißm wollten, ohne aufzubauen, daß wir erschütterten, ohne wieder zu befestigen. Dieser Einwand beruht jedoch auf einer irrigen Auffassung der Aufgabe, welche wir uns stellten. Uns ist es allein darum zu thun, die unläugbare Thatsache zur Offenkundigkeit zu bringen, daß ein großer, um nicht zu sagen, der größere Theil unsrer Glaubensgenossen, zum wenigsten in Deutschland, unsre Ansichten über Talmud und Messias theilen und ihre Lebensweise demgemäß einrichten. Deßhalb ist unsre Aufforderung zum Beitritte nur an Gleichgesinnte gerichtet gewesen, deshalb erklärten wir von vornen herein, keine Proselyten machen, keine neue Sekte im Judenthum bilden zu wollen. Man braucht aber nicht Theologe zu sein, um Zeugniß zu geben über eine Thatsache, und um Andere aufzusordern ein Gleiches zu thun; man braucht nicht Theologe zu sein, um einzusehn, daß es immer gut ist, wenn die Wahrheit an den Tag kommt, und daß man seinem Vaterlande die Wahrheit schuldig ist. Wir werben niä)t, wir protestiren nicht, wir bezeugen, und wünschen, daß Alle diejenigen sich uns anschließen, welche es in ihrem Gewissen können; wir geben und fordern kein Glaubensbekenntniß, nur eine Erklärung. Auch über die Folgen dieses Zeugnisses konnten wir uns nicht täuschen, am wenigsten über die nach Innen, und gerade deshalb glaubten wir uns zu einem Anderen und Weiteren nicht berufen. Die Lücke nämlich, welche durch das Hinwegfallen des Talmuds in der äußeren Erscheinung des Judenthums als einer kirchlichen Gemeinheit entstanden ist, eine Lücke, die wir nicht veranlaßt, sondern nur bezeugt haben, müssen wir andern auszugleichen überlassen, welche durch Studien und Beruf sich dazu besser als wir eignen. Und glücklicherweise fehlt es in Deutschland nicht an jüdischen Theologen, die klar im Denken, ernst im Forschen,

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