Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Zeitrmgsnachvrchten. Deutschland. Hamburg, im Dezember. (Privatmitth.) Unsere bürgerliche Verbesserung ist nun endlich offiziell annonzirt und zwar solgendergestalt. Die Verlängerung der Verordnung über die Gewinnung, die Kosten und die Aufgebung des Bürgerrechts ward in dem Konvent vom 14. d. M. vom Senate statt wie sonst auf fünf Jahre, diesmal nur aus ein Jahr, nämlich bis zum I. Januar 1845 beantragt, unter der Angabe, daß die Vorarbeiten zu einer Modifikation dieser Verordnung, bei der die Verhältnisse unserer gesammten Bevölkerung in Erwägung gezogen werden sollten, bei dem Andrange der Geschäfte noch nicht hätten beendigt werden können, daß dies jedoch unfehlbar bis dahin oder noch früher, geschehen solle. Bloß eine geringe Modifikation der erwähnten Verordnung ward für diesmal vorgeschlagen und genehmigt, da nämlich bisher durch eine Lücke in deren Abfassung den zum Christenthum übergetretenen Söhnen hiesiger Juden die erlangten kaufmännischen Rechte der Väter in der fast kostenfreien Zulassung solcher Söhne zum Besitz eines Bankfoliums und zur Transit-Berechtigung nicht zu Gute kommen konnten. In Betracht daß solche Personen doch durch den Uebertritt zur christlichen Religion, nach erlangtem Bürgerrecht in besagtem Punkte nicht schlechter gestellt sein dürften als wären sie Juden geblieben, ward die Fassung demgemäß umgeändert. Man erwartet die Vorlage des Gesetzes über die bürgerlichen Rechte der Juden etwa im Mai. Fürs Erste sind die Scharmützel in den Lokalblättern so ziemlich zur Ruhe gekommen, obgleich einige feindselige, auf die niedrigste Leserklasse berechnete Broschüren erschienen sind, deren Eine genannt „das schwarze Buch für Christen und Juden" von Carlo (wie ich höre Bauermeister aus Kiel) impertinenterweise an Salomon Heine dedizirl ist. —. Am 10. November starb hier der ehemalige Kaufmann Lazarus Gumpel, Stifter des nach ihm genannten Stifts, in dem über fünfzig Familien anständige Freiwohnungen genießen.. Seine 'kommen Legate oetragen, außer 30,000 M. B. ffo aS Stift selbst, zusammen über 12,000 M. B., davon 1000 dem allgemeinen und 2000 dem jüdischen Krankenhause, 2000 der jüdischen Armenanstalt, 2000 der israel. Freischule, 1000 dem israel. Handwerksbeförderungs-Verein, 1000 den jüdischen Armen in Hildesheim, 500 den christlichen Armen daselbst u. s. w. Außerdem erhält jeder seiner Dienstboten 300 Mark und die über zehn Jahre im Dienste stehenden 500 Mark. Es ist der Erwähnung werth, daß das L. Kumpels-Stift unter fast allen hiesigen wohlthätigen Privatanstalten — die beliebteste ist. Und wirklich ist das, was man den armen Familien an gesicherter Miethe schenkt, für sie von drei- und vierfachem Werthe. Wer mit hiesigen Armen bekannt ist, der weiß cs, daß die 20 oder 30Thlr. Miethe ihnen nicht nur an Erschwingungskosten oft den doppelten Betrag kosten, sondern vermöge der unaufhörlichen Sorge und des beständig drohenden Damokles-Schwerts der Aussetzung sie um jede Ruhe, bei Arbeit sowol als bei Genuß, bringen. Wohlthätige. Reiche sollten wirklich ihr Hauptaugenmerk auf diese Seite richten. —. Müßten nicht in allen jüdischen Gotteshäusern gemeinschaftliche, öffentliche Gebete für die russischen Grenzjuden gehalten werden?? So vielen Grund, als neulich die Katholiken für ihre spanischen Glaubensgenossen, haben wir wol reichlich, und das Zentral-Konsistorium in Paris hätte vielleicht die Güte ein solches Gebet für alle Gemeinden zu redigiren. Das ganze Ereigniß ist eine entsetzliche Satyre auf die europäische Humanität, die der Thränen und Interventionen gar nicht satt werden kann, wenn so ein armenischer Relapsus geköpft wird, die aber kein armes Wörtchen hat, für die namenlosen Leiden von 100,000 Juden, ja die sich sogar — alles aus Humanität, und keineswegs aus Kirchgenossenschaft — herabläßt, den jüdischen, supplizirenden Gemeinden, allerhöchste, ausländische Vorwürfe zu insinuiren. —. Die mekienburgische Regierung hat den Juden beim letzten Landtag zu verstehen gegeben, sie könne ihre Sache nicht vornehmen, sie habe keine Aussicht auf Erfolg. Warum hat diese Regierung das nicht bei einem andern Landtage erklärt als grade bei dem, wo sie von ihrer Geschicklichkeit im Transigircn mit der Ritterschaft so erstaunliche Proben ablegte? Beiläufig sei hier für Herrn Hold-