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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-31 · Heft 52 (31.12.1842) · p. Seite 765

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 52 (31.12.1842)
Date
1842-12-31
Page
Seite 765 (sequence 9)
Language
German
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765 Preußen. Berlin, 12 Dezember. Am 9. d. wurde zur fünfzigjährigen Amts-Jubelfeier des Königl. Regierungs-Bau-Inspektors Sachs von einer großen Anzahl von Freunden und Bekannten demselben ein Festmahl gegeben. In der Anrede an den Jubilar, welche Herr ür. Loewe als Veranstalter des Festes hielt, wies derselbe auf die Veranlassung des Festes hin, und suchte die allgemeine Achtung, welcher sich der würdige Greis zu erfreuen hat, dadurch zu beweisen^ daß eine so reiche Anzahl von Theilnehmern aus den verschiedenartigsten Kreisen sich dem Feste angeschlossen. Im Speisesaale hatte Herr Dekorationsmaler Gerst das Bildniß des Jubilars unter Blumenfestogs geschmackvoll gruppirt; ein Tisch-Aufsatz hatte die Form des Pisaer Thurms, mit der Inschrift: „Sachs unzerstörbarer Pisöbau." Nachdem Herr Redakteur Lehmann den Toast auf Se. Majestät den König ausgebracht und hervorgehoben, daß der Jubilar unter drei preußischen Königen ehrenvoll gedient, erhob sich der Prof. Stier, brachte den Toast auf den Jubilar, seinen Lehrer und Freund aus und hob besonders seine Verdienste als Künstler und Schriftsteller hervor. Herr Dr. Weyl las hierauf eine humoristische Abhandlung über die freien Künste mit besonderer Rücksicht aus die Baukunst; in dem Tischliede, welches derselbe gedichtet hatte, sprach besonders die Hindeutung aus die Glaubenstreue des Jubilars an. Der eine Vers des Gedichtes lautete: „Die Glaubenstreue ist der schönste Orden, Der Dich nur zieren kann. Du wärst leicht Höh'res ohne sie geworden, Fürwahr, kein bessrer Mannl" (Bert. u. Brest. Zeit.) Berichte über den Stand des Kultus. Brüssel, im Dezember. (Pcivatmitth.) Es war eine Zeit, wo wir hier im Fache des rationellen Kultusreformwesens als Muster zur Nachfolge dienen konnten, und die ersten Handlungen des jungen Rabbinen, der 1834 an Herrn Carmoly's Stelle trat, hatten uns zu den schönsten Hoffnungen auf bedeutende Fortschritte berechtigt: allein da die Landesregierung um Kultussachen sich zu bekümmern nach dem Gesetze gar keine Befugniß hat, und der leidige Jndifferentismus bei solcher Bewandniß nur zu gut seine Nahrung findet: darf man kaum noch behaupten, daß wir stationär sind, im Gegentheil ist man mannichfach rückwärts gegangen. Brüssel war eine der ersten Gemeinden, wo jährlich Konfirmationen von Knaben und Mädchen auf's feierlichste Statt fanden; in den zwei letzten Jahren war davon keine Spur, in 8—-9 Jahren hat die Zeremonie kaum viermal stattgefunden, welches unter andern daher kömmt, daß man den Knaben erlaubt, zu werden und dem alten Schlendrian gemäß mit dem Schweiß ihres Angesichts eine Herzuleiern, ohne die Eltern, wie doch das Reglement von 1834 vorschreibt, anzuhalten, sie zur Konfirmation zu senden. 1834 hatten mehre feierliche Leichendienste in der Synagoge statt gefunden, und man war allgemein sehr erbaut davon, es dauerte aber nicht lange, so ward das wieder eingestellt, vorgeblich weil der Verstorbene nicht religiös gelebt hatte; die Einsegnung der Mädchen einen Monat nach der Geburt, wenn die Mutter zum ersten Male in die Synagoge kommt, ward am längsten angehalten, aber auch dies ist neulich unterlassen worden; das Versteigern der iß zwar seit fünf Jahren abgeschafft, allein die leidigen V2 sind beibehalten, obgleich mehre rechtliche Hausväter sich längst dagegen geäußert haben. Daß die Predigten in einer fremden Sprache, der deutschen, dargestellt werden, wo hier Alles französisch oder flämisch ist, ließ man sich anfänglich gern gefallen, in der gewissen Voraussicht, daß der Rabbiner als ein wohlstudirter, talentvoller Mann sich je eher je lieber auf's französische appliziren oder daß nöthigenfalls ein eigends dazu angestellter Redner angenommen würde; allein nach acht Jahren hat sich hierin nichts anders verändert, als daß auch die deutschen Predigten immer seltner werden; und es ist daher bisweilen kurios, daß bei einer Trauung in der Synagoge die chaldaische S-mro zu mehrer Verständlichkeit so wie die Einschärfung der gegenseitigen Pflichten, beständig in deutsch geschieht, wenngleich, wie dies unlängst der Fall war, der Bräutigam ein Holländer und die Braut eine Engländerin ist. Auch die gute und fast beispiellose Ordnung, welche im Synagogendienst gehalten wurde, nimmt ab, man hört wieder das Brummen, Duccheinanderbeten, Responsiren, Plaudern, N2 rufen, und stehet die Leute von ihren Plätzen weg und hin und her gehen, ohne daß sich jemand darum bekümmert. Und dennoch besteh

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