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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-31 · Heft 52 (31.12.1842) · p. Seite 764

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 52 (31.12.1842)
Date
1842-12-31
Page
Seite 764 (sequence 8)
Language
German
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764 gereiheten lieblichen Einzelheiten, deren Verbreitung durch seine ungemein zahlreichen Zuhörer in den Messen ihm mit Recht den Ruf des beliebtesten Darschan in Deutschland verschafft und ein Menschenalter hindurch bewahrt haben. Neben diesen Deraschot hielt er an den ersten Festtagen und bei gelegenheitlichen Feierlichkeiten reindeutsche Vorträge, deren Gediegenheit die untergeordnete Form reichlich ersetzte. 1829 gründete er eine Religionsschule, und führte 1831 die Konfirmation von Knaben und Mädchen ein; seine Konsirmationsreden zeichneten sich durch die größte Innigkeit und Herzlichkeit aus. 1832 führte er eine gute Synagogenordnung ein; die Einführung unserer neuen Agende im Frühling dieses Jahres ging nicht von ihm aus, geschah aber mit seiner Einwilligung, und hatte sich dieselbe, da er alsbald ihre guten Früchte wahrnahm, seiner vollen Zufriedenheit zu erfreuen. Was überhaupt sein Verhaltniß zu der neueren Richtung im Judenthume betrifft, so blieb er für seine eigene Person dem Altherkömmlichen in allen Stücken zugethan, war aber gegen abweichende Ueberzeugungen duldsam und, so lange sie nur das mehr oder weniger Unwesentliche betrafen, nachgiebig, und erkannte die Nothwendigkeit von Reformen, nur daß diese von gewichtigen Autoritäten ausgehen sollten, in dem Maße an, daß ich fest überzeugt bin, den Verewigten habe nur seine Bescheidenheit und das Verkennen seines eigenen Einflusses abgehalten, m:pn in umfassenderem Sinne zu machen. Seine Persönlichkeit vereinigte viel Liebenswürdiges; ihm fehlte keine Tugend: seine Friedensliebe, Freundlichkeit, Uneigennützigkeit und Wohlthätigkeit verdienten die ungetheilteste Anerkennung, und in seinen namenlosen Leiden, die ihm hier allgemein den Beinamen Hiob zugezogen hatten, zeigte er eine Gottergebenheit, die jedem seiner theilnehmenden Besucher ein ehrfurchtsvolles Schweigen über dieselben auflegte. 183» wurde er blind, und berief zu seinem Beistände den Unterzeichneten, seinen Schüler, ließ aber gleichwol in seinem Wirken nicht nach, so daß er noch lbcati'-iv dieses Jahres in seinem Hause eine fünfviertelstündige Derascha hielt, und noch neun Tage vor seinem Tode Talmubunterricht ertheilte. Ein leichtes Uebel, an welchem er immer oft gelitten hatte, stellte sich am 24. November ein, schien wenige Tage darauf eine Entzündung des Unterleibes herbeizuführen, und wurde zwar durch die Geschicklichkeit seines Arztes gehoben; es trat aber nun eine solche Entkräftung ein, daß er den 3. Dezember 10 $ Uhr Abends, vollkommen schmerzlos, sanft und ruhig, beinahe 74 Jahr alt, zu einem besseren Leben hinüberschlummerte. Sein Tod war beneidenswerth, war der Tod des Gerechten. Am Dienstag Morgen, den 6. Dezember, war seine Beerdigung; zu derselben waren seine Verwandten und zwei Klausrabbinen von Halberstadt, herbeigeeilt. Einer von diesen, der Klausrabbine Herr Joseph Egers, hielt im Hause des Verstorbenen eine Leichenrede. Nun setzte sich der Leichenzug, bestehend aus den Leidtragenden, den Schillerndes Verewigten, dem ganzen männlichen Personal der Gemeinde, und vielen Christen, die sich dem Zuge angeschloffen hatten, unter letzteren die lutherische, reformirte und katholische Geistlichkeit der Stadt in Amtstracht, zu Fuß und zu Wagen nach dem Friedhofe in Bewegung. Dort wurde von dem Unterzeichneten eine Standrede gehalten, eingeleitet und beschlossen von des Chasan und der Gemeinde Gesang einiger hebräischer Verse. Nun fand die Beerdigung Statt, worauf sich die Anwesenden in stiller Trauer entfernten. Diese Gemeinde und alle jüdischen Gemeinden des Landes haben in ihm den treuesten Hirten, die Juden in ganz Deutschland eine unbestrittene Instanz, die Rabbinen ein Vorbild, der Unterzeichnete und seine zahlreichen Mitschüler nah und fern einen väterlichen Freund und untrüglichen Wegweiser verloren. Sein Andenken bleibe in Segen. Braunschweig, d. 13.Dez. 1842. Herzfeld. Braunschweig, 14. Dezember. (Privatmitth.) Früheren Anordnungen gemäß wurde der bisherige Rabbinats-Adjunkt, Herr vr. L. Herzfeld, einen Tag nach der Beerdigung des Herzog!. Braunschw. Landrabbiners Egers Är in diese Stelle eingesetzt. Hamburg, 14. Dezember. (Privatmitth.) In hiesigen Blättern findet jetzt ein Streitwechsel über lokale jüdische Verhältnisse statt, in welchem jetzt auch Rießer ausgetreten. Nach Beendigung desselben werden wir ein Rösumö mittheilen.

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