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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-31 · Heft 52 (31.12.1842) · p. Seite 763

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 52 (31.12.1842)
Date
1842-12-31
Page
Seite 763 (sequence 7)
Language
German
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763 nommen werden könnte; aus diesem Grunde beschränke ich mich darauf, hier nur folgende dürre Notizen zusammenzustellen, den Zoll des Herzens für seine verwaisten Freunde mir bewahrend. — Er war geboren am ersten Psingsttage 5529 (1769) in Halberstadt, woselbst seinj Vater, R. Levi Egers, vierzig Jahre lang Rabbiner war; sein Großvater St. Akiba, Verfasser des berühmten Werkes «n'p? 'i, war Rabbiner in Zülz und Preßburg. Der Knabe erhielt eine durchaus talmudische Bildung, soll aber bis zu seinem fünfzehnten Jahre etwa mu; mittelmäßige Fähigkeiten verrathen haben. Um ihn tiefer in den Geist des Talmuds eindringen zu lassen, hielt ihn in diesem Alter sein Vater dazu an, einzelne talmudische Verhandlungen schriftlich auszuarbeitev. So wie der Knabe die Feder in die Hand bekam, war es entschieden, daß er einst eine rabbinische Celebrität sein werde; denn jetzt entwickelte sich sein Geist so rasch, und seine Fortschritte waren so reißend, daß er schon nach wenigen Jahren auf der damals stark besuchten Halberstädter Rabbinenschule, welcher sein Vater Vorstand, nächst diesem der tüchtigste Talmudist war. Seine Methode im Talmudstudium blieb bis an sein Ende dieselbe. Er liebte es nicht, rechts und links abzuschweifen, und die Nebensachen zur Hauptsache zu erheben; der Traktat oder die Halacha, welche er eben studirte, suchte er aus das Vollständigste zu ergründen, aber nicht durch das Herbeiziehen vieler allgemeiner oder monographischer Erklärer, sondern zumeist vermittelst ruhigen Durchdenkens der aufhaltenden Stelle und ihres Zusammenhanges. Am liebsten löste er aufstoßende Schwierigkeiten dadurch, daß er den Ausspruch eines Jeden inadb erklärte; dies geschah so häufig, daß davon sein Studium eine eigene friedliche Färbung annahm. Als Talmudlehrer Izeigte er viel Liebenswürdiges: er lehrte oft mehrere Traktate neben einander, um seinem Unterricht einen verschiedenen Grad von Jntension geben, und dadurch Schüler von ungleich entwickelten Fähigkeiten befriedigen zu können; er hatte keinen festen Kursus, bei welchem Schüler sehr oft Traktate durchgehen müssen, die sie vielleicht grade nicht mögen' oder erst durchgenommen hatten, sondern er ließ seinen Schülern in dieser Beziehung fast immer freie Wahl, und leitete diese höchstens durch einige Worte über den verschiedenen Grad der Nützlichkeit der einzelnen Sektionen, wobei er in den letzten zehn Jahren auf höchst liberale Weise den talmudischen Bedarf der Rabbinen neuester Zeit im Auge behielt. Sein Unterricht war klar, faßlich, immer bei dem Gegenstände bleibend und den Nerv der Untersuchung bloßlegend. Die weniger geübten Schüler munterte er auf, und vertrat ihre Meinungen, wo es irgend ging, um sie zu ermuthigen; gegen alle aber war er so freundlich und wohlwollend, und ließ sich die Bestreitung ihrer Bedürfnisse sowie ihr ferneres Fortkommen so angelegen sein, daß sein Verhältniß zu ihnen ein wahrhaft väterliches genannt werden durfte. Er blieb als ein wohlhabender Privatmann, doch stets von Talmudjüngern umgeben, in Halberstadt unter den Augen seines Vaters bis 1809. In diesem Jahr« wurde er, vierzig Jahr alt, von dem west? phälischen Konsistorium zum Rabbinen der hiesigen Gemeinde eingesetzt, blieb dies nach der Restauration, und wurde 1827 zum LandeSrabbinen des Herzogthums Braunschweig erhoben. Glänzende Beweise seiner umfassenden talmudischen Gelehrsamkeit und seines gediegenen Scharfsinnes legte er hier 1822 in den rühmlichst bekannten Werken rv mas und yini y*is nieder, eben so glanzende liegen in seinen hinterlassenen zahlreichen Manuskripten vor, namentlich in seinen Responsis, welche zugleich seinen gelehrten Briefwechsel mit den berühmtesten Rabbinen seiner Zeit in Deutschland, Holland, Frankreich, England und einem großen Theile von Polen enthalten, und vielleicht als opus posthumum im Druck erscheinen werden.. Talmudschüler um sich zu versammeln, hat er auch hier bis an seinen Tod nicht unterlassen. Seine öffentlichen Vorträge waren dreifacher Art: die talmudischen gingen in der Regel von sehr einfachen Prämissen aus; aber als hätte er die Ver« pflichtung gefühlt, sich mit den rabbinischen Kombinationen abzusinden, die er von seinem Unterricht so beharrlich ausschloß, eröffnete er dann alle Schleusen seiner Belesenheit und seines Scharfsinnes, und handhabte die talmudische Dialektik mit solcher Gewandtheit, daß nicht nur das scheinbar Abgelegenste, sondern jeder Stein des Anstoßes sogar nicht widerstehen konnte, sich als Baustein in ein Gebäude einfügen zu lassen, das thurmhoch ausragte und Jedem, der es zu überschauen im Stande war, Bewunderung abnöthigte. Seine eigentlichen Deraschot waren geistreich, witzig, und bestanden aus lose an einander

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