Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 52 (31.12.1842)
- Date
- 1842-12-31
- Page
- Seite 760 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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760 In dem Nachtrage (S. 53) führt der Berf. zuerst den Satz aus: traurigste Folge der gefürchteten Veränderung würde die fein, wenn ihre Beseitigung eine Stimmung hinterlr'cße, die frob ist, Alles beim Alten bleiben zu sehen, sich Ln das Schneckenhaus des alten Druckes zu verkriechen, um nur solchem politischen Witterungswechsel nicht ausgesetzt zu sein. Lieber durch das Schlimmere hindurch zum Besseren gelangen, als sich an der Verewigung des sattsam Schlimmen genügen lassen! Dahin müssen jetzt alle Kräfte gerichtet werden, an die Stelle jener verfehlten Gestaltung eine wahre Verbesserung zu setzen, an den in guter Meinung beabsichtigten Rückschritt einen Fortschritt zu knüpfen!" Er bespricht dann das Gerücht, daß der Entwurf den ständischen Ausschüssen vorgelegt werden sollte, dann den Provinziatständen, und prophezeit nichts Gutes von letzteren für unsre Glaubensgenossen, endlich vom „christlichen Staate." lieber den letztern Punkt hatten wir eine ausführlichere Besprechung geivünscht. Die Schrift Riesters hat den unmittelbaren Erfolg, zu zeigen, daß wir Juden die obwaltenden Verhältnisse wohl durchschauen, und ihren Inhalt ganz und gar begriffen haben. Zeitungsnachrichten. Rußland und Polen. Odessa, 2. Dezember. (Privatmitth.) Einige Notizen über die Anwesenheit des gefeierten Herrn Dr. Lilienthal in Odessa, dürsten für die Leser Ihres auch hier verbreiteten Blattes Interesse genug haben um der Mittheilung werth zu sein. In dieser Voraussetzung übernahm ich es, Ihnen solche einzusenden. Wenn Herr Lilienthal die gute Annahme, die ihm in allen andern jüdischen Gemeinden unseres Vaterlands zu Theil worden, vielleicht auch seiner Stellung zur Negierung verdankt, so war es hier einzig seine einnehmende Persönlichkeit, vorzüglich aber sein edlc-s Streben für's allgemeine Beste, das ihm die Herzen Aller gewonnen hat. Eine enthusiastische Hingebung, eine begeisterte Anhänglichkeit, wie wir sie nur beim feuerigsten ron an seinem zu sehen gewohnt waren, sah man hier eine ganze so zahlreiche polnische Zudcngemeinde dem Manne im Fracke zollen, der in einem geregelten deutschen Vortrage uns seine heilige Mission mittheilte, und die Bessergesinnten unter uns aufforderte, an dem großen Werke der Bildung unserer tief gefallenen Glaubensgenossen in Rußland Theil zu nehmen. Der edle Wetteifer, womit die Notabeln unserer Gemeinde sich in Beweisen ihrer herzlichen Bruderliebe, ihrer innigsten Hochachtung für die Person des Herrn vr. Lilienthal zu überbieten suchten, beweist hinlänglich, daß, so mannigfaltig auch die Elemente sind aus denen die Odessaer Judenschaft zusammengesetzt ist, sie sich schon sämmtlich zum Bewußtsein erhoben hat,., daß nur von einer religiösen und nationalen Bildung das geistige und bürgerliche Aufleben unserer vaterländischen Glaubensgenoffenzu hoffen steht, und daß man Dem den innigsten Dank schuldig ist, der„sein Leben diesem erhabenen Zwecke gewidmet hat. Die Vorstände aller hier befindlichen Synagogen und Bethäuser bewarben sich eifrigst um die Ehre, daß der Hochgefeierte in dem ihrer besondern Fürsorge anvertrauten Gottcshause dem täglichen Gottesdienste beiwohne; und so geschah es denn, daß Herr vr. Lilienthal, in den uns ewig unvergeßlichen sieben Lagen seines Verweilens in unserer Mitte, jeden Tag in einer andern Synagoge, den Gottesdienst durch seine Gegenwart verherrlichte. Seine Anwesenheit in der Synagoge zog immer die achtbarsten Mitglieder unserer Gemeinde und eine zahlreiche Volksmenge heran, und nach dem jedesmaligen Gottesdienste wurden feierliche Segenswünsche abgehalten, für unfern huldreichsten Monarchen und Landesvater, für das glorreiche Kaiserhaus, für den Minister der Volksaufklärung und den Grafen Kisseleff, — diese so mächtigen und einflußreichen Fürsprecher zum Wohle unserer Glaubensgenossen in Rußland, für unfern erhabenen Beschützer, den Grafen Woronzoff, und endlich für den erhabenen Menschenfreund, der mit rastlosem Streben und unermüdlicher Thätigkeit sein Leben dem Wohle seiner russischen Glaubensbrüder geweihet hat. Diese Segenswünsche wurden von der zahlreichen Menge mit einem herzlichen und enthusiastischen Amen begleitet. — Am Sabbat wohnte Herr Lilicnthal in seinem geistlichen Ornate den Andachtsübungen in der neu errichteten Synagoge bei, wo die Aufgeklärteren unserer Gemeinde einen geregelten, von Choralgesang begleiteten Gottesdienst eingeführt hatten; dieser Gottesdienst erinnerte Hrn.