Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 51 (24.12.1842)
- Date
- 1842-12-24
- Page
- Seite 754 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225279--04878-3314495- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
754 Khozaren oft Türken, östliche Türken genannt, aber diese Historiker verwechseln Völker von sehr verschiedenem Ursprung öfters miteinander. Nach dem Geschichtsschreiber Ebn-el-Ethir waren die Khozaren von demselben Stamm wie die Georgier, der Geograph Scheins-Uddin widerspricht dem und giebt sie für Armenier aus. Armenier und Georgier leiten sich aber von demselben Patriarchen Thogarma ab. Wie dem auch sei, ihre Geschichte beginnt mit der Regierung Julus'S, Zeitgenossen des Kommodus. Juluf war wohlgebildct, tapfer und geistreich. Er herrschte über siebzehn Nationen, die die User der Wolga und des Don bewohnten. Die georgischen Stämme huldigten ihm. Andere Völker wollten sich seinem Joche entziehen, warfen sich nach Armenien, und wurden hierhin von den Khozaren verfolgt, die durch das Thor von Dcrbend cinbrachen. Es geschah dies 178 und 198 der gewöhnlichen Zeitrechnung. — Als die Hunnen nach den kaukasischen Gegenden kamen, stellten sich die Khozaren unter ihre Verbündeten. Im Jahre 449 befanden sich alle Stämme, außer einem, unter der Herrschaft der Hunnen; Attila gab ihnen seinen ältesten Sohn zum König. Der Tod dieses Eroberers gab ihnen ihre Unabhängigkeit wieder. Bald aber wurden sie von den Ungarn, Bulgaren und Saroguren unterworfen. Gegen Mitte des sechsten Jahrhunderts waren die Khozaren im Norden des Kaukasus sehr mächtig geworden und führten blutige Kriege mit den Persern. Jndeß zwang sie König Cobad von Persien, mit ihren Feindseligkeiten aufzuhören, indem er die Desileen von Daghestan durch die berühmte kaukasische Mauer, deren Ruinen man noch in der Umgegend von Derbend sieht, schloß. Im Jahre 625 schloß Heraclius bei Tislis einen Friedensvertrag mit dem König der Khozaren, der 40,000 Mann Hülfstruppen gegen Persien stellte. Der große Stoß, den die Gründung und Verbreitung der Religion Mahomets im westlichen Asien hervorbrachte, ließ sich bald auch in den Thälern des Kaukasus fühlen. Mahomet hatte nicht selbst einen Zug gegen den König der Khozaren unternehmen können, der die Gesandten des arabischen Gesetzgebers mißhandelt hatte. Abu-Bekr, Omar, Otman und Ali, die ersten Nachfolger des Propheten, harten zu viele innere Unruhen zu dämpfen. Erst 661 wurde Nabiat-el-Bahly an der Spitze von 40,000 Mann nach Derbend gesandt, um die Bewohner zur Religion Mahomets zu bekehren: aber er wurde durch die vereinigten Kräfte der Griechen und Khozaren geschlagen, und verlor fast seine ganze Armee. Diese Niederlage erkaltete die kriegerische Gluth der Araber nicht, sondern erregte sie noch mehr; Valid, Sohn Abd - el -Melek's, der 684 zum Khalifat gelangte, sandte seinen Bruder Muslimeh mit 30,000 Mann auserwählter Truppen ab; ein vollständiger Erfolg krönte diesen Zug, Musiimeh bemächtigte sich Derbend's oder des eisernen Thores, eroberte Chirvan, einen großen Theil von Daghcstan, und drang in Georgien ein. Er stellte eine Garnison in der Festung Dariel herü ber Kaukasischen Pforte der Alten. Er unterjochte bald das Land zwischen Tiflis und diesem Schlosse. Aber unter der Regierung des Nachfolgers Valid's wurden die Araber aus Derbend gejagt, und bis nach Armenien zurückgedrängt, wo sie blutige Kriege gegen die Bewohner des Nordens vom Kaukasus zu bestehen hatten, wie gegen die Alanen, Khozaren und die Bergbewohner dieser Kette. Erst 722 nahm Abu - Obe'ldah Djarrah die verlorenen Provinzen wieder, jagte die Khozaren aus Derbcnd, und drängte sie zum Norden des Kaukasus zurück. Dieser Krieg endete 732. Im folgenden Jahre drang eine neue Armee unter Abu-Moslem in Daghestan ein, zwang die Bewohner die mohamedanische Religion anzunehmen, und legte ihnen einen Tribut zur Besoldung der Truppen auf. Im Jahre 740 war ein Gelehrter jüdischen Glaubens, Jsak Sindjari oder von Sindgar"), wahrscheinlich seinem Geburtsort in Mesopotamien, an den Hof von Bulan, dem Khan (Jlak) der Khozaren, gekommen, und bewirkte, daß dieser Fürst und seine vorzüglichsten Unterthanen die jüdische Religion annahmcn, und fortwährend in derselben beharrten, bis die Herrschaft der Khozaren im eilften Jahrhundert erlosch. m Nachmam'dcs, Rede, gesprochen vor dem Könige von Kastilien, Prag 1597 in 4. S. 7. Schem-Tob, Sefec ha-Amunoth, K. 4. S. 43.