Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 51 (24.12.1842)
- Date
- 1842-12-24
- Page
- Seite 751 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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751 dre gute Sache gestärkt werden. -Dieser Gedanke war cs, welcher die zahlreichen Schüler und Verehrer des verblichenen Oberlehrers und Predigers vr. Karl R e h fu ß durchglühete, als sie die auf Ersuchen der trauernden Familie des Heimgegangenen von dem Hochwürdigen, im Europäischen Rufe unter seinen Glaubensgenossen stehenden Herrn Landrabbiner Joseph Friedländer zu Brilon verfaßte Grabschrift zu Gesichte bekamen. Dem Verblichenen war schon bei seinen Lebzeiten die Morenu von diesem 87jährigen Greise zugedacht. Was er dem Lebenden nicht mehr geben konnte, das hat er in zarter und für die Gattin und Kinder des Verstorbenen eben so überraschender als erfreulicher Weise dem Tobten gespendet. Durch diese Gabe der Freundschaft von einem so hochgeachteten Geistlichen sieht sich nun auch die Familie, sehen wir, die Schüler des Verblichenen uns hinlänglich entschädigt und getröstet für die unglaublichen Schmähungen, die Jenem selbst in kühler Erde von fanatischen und böswilligen Glaubensgenossen in so betrübender Art zu Theil wurden. Durch dies anregende Beispiel des Herrn Landrabbincrs, dem wir aus weiter Ferne unfern tiefgefühlten Dank zurufen, sind wir um so mehr veranlaßt, im Geiste unseres verstorbenen Lehrers zu leben und zu wirken. Die Grabschrist ist in ausgezeichnetem Hebräisch, und in innigster Theilnahme abgefaßt. S. Wolfs, Antiquar, im Namen und Aufträge vieler Schüler des Verblichenen. Frankreich. Paris, im November. Wir hatten in einer frühem No. bemerkt, daß ein gewisser Alphons Cerfberr von Medelsheim, wie er sich nennt, ein getaufter Jude, eine Schmähschrift gegen die Juden geschrieben, die eine scharfe Abfertigung in den Archives israelites de -France von Herrn Ben-Levi gefunden. Der genannte Medelsheim verlangte, den Septembergesetzen gemäß, die Insertion einer Entgegnung in die Archive«, die aber, weil sie zu lang und nur eine Fortsetzung jener Schmähungen war, der Redakteur, Herr Cahen, verweigerte. Darüber klagte Medelsheim den Redakteur an, und trug auf Insertion und 10,090 Fr. Entschädigung an. Herr Eahen wählte Herrn Cremieux zum Verkheidiger. Am 9. November versammelte sich eine bedeutende Zahl Zuhörer im Gerichtssaale. Herr Maudheux, Advokat des Medelsheim, sprach mit vielem Anstande, las die betreffenden inkriminirten Artikel vor. Er sollte nun auch die Entgegnung des Medelsheim vorlesen, worauf Herr Cremieux bestand, dazu fehlte ihm aber der Muth, und er ging davon. Herr Medelsheim las sie nun selbst vor, was das Auditorium sehr langweilte. Herr Mahou, königl. Anwalt, trug auf Freisprechung an, da es keine Entgegnung, sondern nur die Fortsetzung der monographie du Juif sei. Der Gerichtshof nahm den Antrag an, ohne Berathung und ohne Herrn Cremieux hören zu wollen, und verurtheilte Herrn Medelsheim in die Kosten. Man bedauerte nur, die gewiß kräftige Vertheidigung des Herrn Cremieux verloren zu haben. Paris, im November. Die Arch. isr. de Fr. theilen einen Nekrolog des verst. Fr. Cerfberr mit, aus dem wir das Hauptsächlichste hier übertragen. Er war zu Straßburg den 27. Oktober 1786 geboren, und trat, nach tüchtigen Studien, 1809 in die Konsularlaufbahn als Sekretär des Herrn Lesseps, kaiserl. Kommissarius auf den jonischen Inseln, ein. Die Berichte, die er über dieselben publizirte, bezeugen den sichern politischen Blick, mit welchem er die Bedeutung dieses einen Schlüssels des mittclländ. Meeres erfaßte. Die Restauration ließ ihn ohne Beschäftigung, bis Chateaubriand, erhaben über alle religiösen Vorurtheile, ihn 1822 als französischen Konsul nach Amerika sandte, wo er nacheinander in New-Jork und in New-Orleans residirte. Im Jahre 1826 hatte eine große Sterblichkeit unter der europäischen Bevölkerung von St. Domingo geherrscht, kein Konsular-Agent wollte dahin, nur Cerfberr, der überall war., wo eine Gefahr zu überwinden, oder Gutes zu thun war. — Cerfberr's zwei hervorstechende Eigenschaften waren: der Muth und die Mildthätigkeit. So zwang er einst mit dem Degen einen haitischen Divisionsgeneral, eine Beleidigung gegen Ludwig Philipp vor dessen Büste abzubitten. Als die Stadt Capes von einem Erdbeben heimgesucht worden, und die französischen Bewohner mit Hungersnoth bedroht waren, schickte er ein Schiff mit Mehl u. dgl. ab, für das er nie einen Ersatz erhielt: eine Schwester eines der