Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 51 (24.12.1842)
- Date
- 1842-12-24
- Page
- Seite 747 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225279--04871-3314488- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
747 Menge Schimpfwörter und echter Pöbelausdrücke zusammen, daß es eine Lächerlichkeit wäre, an eine Widerlegung nur zu denken. Der Redakteur des Mg. Anz. fühlte am Ende dies selbst, und entschuldigt sich und seinen Korrespondenten in einem Nachworte: „Man thäte dem Vers, sehr unrecht, wollte man die oben vorgekommenen Pöbelausdrücke seiner eigenen Gesinnung zurechnen —" ist das nicht köstlich! Ein Korrespondent häuft die niedrigsten Schmähungen zusammen, und sie sollen nicht seine eigenen Gesinnungen sein, er giebt, wie der Redakteur selbst sagt „Pöbelausdrücke," und man soll sie ihm nicht zurechnen? Nun, weiß denn der Red. des Mg. Anz. nicht, daß, wer sich zum Organ von „Pöbelausdrücken" macht, wenigstens dem „Pöbel" sehr nahe stehen muß, und daß er somit seinem Korrespondenten uni? sich selbst, Beide als Organe der „Pöbelausdrücke," einen schlimmen Charakter giebt? Doch hinweg mit Beiden! Wir wollten nur noch bemerken, daß man sich unsrerseits hüten müsse, den Streit weiterhin aufzunehmen, um ihn nicht noch breiter zu machen. Magdeburg, 8. Dezember. (Privatmitth.) Daß die v. Cotta'schen Zeitschriften sämmtlich judenfeindlich sind, ist bekannt. Es^ ist dies allerdings Etwas, was wir zu bedauern haben, insofern diese Blätter durch gewisse Umstände eine außerordentliche Verbreitung, also eine Macht haben. Weniger ist es darum zu bedauern, daß der Charakter der v. Cotta'schen Blätter nicht bereits ein erkannter sei. Am übelsten verfährt unter jenen Zeitschriften das „Ausland" mit den Juden, und es ist erstaunlich, wie dieses Blatt, wenn es irgend eine Mittheilung über Juden enthält, die gehässigsten Seiten herausstellt, die beschimpfendesten Worte findet. Die Mittheilungen des „Auslandes" sind zumeist Skizzen flüchtiger Reisenden, die nicht Gelegenheit haben, die inneren Zustände der Gemeinden, die bessere Klasse kennen zu lernen, sondern ihre Urtheile nach irgend von der Straße aufgelesenen Subjekte modeln, was sie um so lieber thun, da sie eine bessere Ueberzeugung auf diesem Gebiete gar nicht wollen. Dies zur Beurtheilung eines der jüngsten Artikel im Auslande No. 327ff. über Posen. Aus Mittelsranken, 23. November. (Privatmitth.) Das in den baier'schen Staatsangelegenheiten herrschende religiöse, vielmehr konfessionelle Prinzip, hat auch unsrerseits einige Erscheinungen hervorgerufen, die ich Ihnen mit einigem Andern nachstehend berichten will. Die jüdischen Seminaristen unsres Kreises haben jetzt nicht mehr das Seminar zu Altdorf, woselbst keine Juden wohnen und sie auch keinen Religionsunterricht erhielten, sondern das Seminar zu Bamberg zu besuchen, erhalten jedoch Stipendien aus dem diesseitigen Kreisfond. Möchte ihnen aber auch dort ein gehobner Religions¬ und hebr. Sprachunterricht zu Theil werden und der Staat seine Wohlthat dadurch vervollständigen, daß er auch den betreffenden Religionslehrer besolde, damit dies nicht die armen Seminaristen wie gegenwärtig auf eine horrende Weise zu thun brauchen. —. Bei der allgemeinen Ausscheidung aller Sträflinge nach Konfessionen sind die jüdischen männlichen nach dem Zucht-, Arbeits- und Korrektionshaus in Lichten au, zwei Stunden von Ansbach gelegen, gekommen. Dermalen befinden sich daselbst (also aus ganz Baiern) zehn jüdische männliche Sträflinge") und zwar drei aus Unterfranken, ein aus Mittelfranken, ein aus Oberfranken und fünf von Schwaben und Neuburg. Herr Rabbiner Grünbaum in Ansbach erbot sich, denselben unentgeltlich Unterricht zu ertheilen, und Se. Majestät der König haben dies Anerbieten wohlgefällig ausgenommen. Von vier zu vier Wochen predigt nun derselbe dort, unterrichtet die Sträflinge und betet mit ihnen. Nicht selten sieht man Thränen in den Augen dieser Unglücklichen. Seit dieser Einrichtung sind sie nicht nur von dem Besuch des christlichen Gottesdienstes befreit, sondern die Fürsprache ihres Geistlichen hat es auch vermocht, daß ihnen gemeinsam ein Lokal eingeräumt wurde, in welchem ihnen Zeit zum Privatgebet vergönnt ist. An den Feiertagen sind sie von der Arbeit dispensirt. — In der Angelegenheit des Rabbiners Hrn. vr. Löwi in Fürth ist eine unglaubliche Entscheidung ergangen. Nachdem derselbe dort zwölf Jahre angestellt ist, und frühere Reklamationen gegen die Gültigkeit der Wahl allerhöchst zurückgewiesen worden *) Die weiblichen jüdischen Sträflinge kommen nach Würzburg.