Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 51 (24.12.1842)
- Date
- 1842-12-24
- Page
- Seite 746 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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746 Es soll, wie es heißt, die Absicht unseres Fürsten sein, den Israeliten Polens ein M ttel in die Hände zu geben, welches, von Letzteren verstanden und benutzt, wohl geeignet sein dürfte, dieselben der Gcsunkenheit und Vernachlässigung zu entreißen, und sie auf eine Weise zu fordern, wie solches bisher noch nicht geschehen konnte. Wir meinen den Ackerbau, der obgleich schon seit dem Jahre 1823 den Israeliten als Mittel angeboten, um dieselben der Civilisalion naher zu führen, unter den damaligen Verhältnissen, und zwar um der unausführbaren Bedingungen willen, nicht geeignet war, Anhänger zu gewinnen, unter der Aegide unseres hohen Statthalters aber an Bedingungen geknüpft sein soll?, die, wie wir sicher hoffen, eine Unzahl jüdischer Landleute um den Pflug sammeln werden: und viele Tausende, denen das eigene Leben häufig zur Qual, Andern aber zur Last ist, und denen, wenn auch oft mit Unrecht, bisweilen aber auch mit Recht mancher Vorwurf der Unredlichkeit gemacht wird; viele Tausende unglücklicher und unnützer Menschen werden auf einmal in nützliche und achtungswürdige Glieder der Gesellschaft verwandelt werden. Nach der Sympathie zu urtheilcn, die diese frohe Aussicht überall findet, dürfen wir des besten Erfolges gewiß sein, und wenn es wahr ist, daß der Genius der Geschichte, dessen Losungswort: „Fortschritt" ist, ein zwar streng gerechter, aber auch ein versöhnlicher ist: dürfen wir den erhebenden Gedanken uns hingeben, es sei die Zeit für Israel nicht fern, wo eine milde und humane Gegenwart sic für so manche Unbill einer traurigen Vergangenheit versöhnen, und daß manches an ihnen, und darum auch von ihnen Versäumte desto eifriger nachgeholt werden wird! — Die Israeliten haben sich zu allen Zeiten treu und erkenntlich gegen ihre Oberhäupter bewiesen, dies Zeugniß gicbt ihnen die Geschichte: auch wir wollen in Erkenntlichkeit und Dankbarkeit unfern Ahnen nicht nachstehen: und ist der Landbau das geeigneteste Mittel, uns den Boden, auf welchem wir wohnen, recht theuer zu machen, so mag die uns von unserm Fürsten gebotene Gelegenheit, unsere Anhänglichkeit an dem Boden zu bewähren, uns zugleich zur Aufmunterung dienen, uns dem Lande, an welchem sich für uns theure und heilige Erinnerungen von Jahrhunderten knüpfen, durch Fleiß, Thätigkeit und musterhaft sittlichen Wandel so nützlich als möglich zu machen und es zu beweisen, daß nicht ein Land im Oriente, sondern dasjenige unsere Heimath ist, das uns nährt und pflegt und uns Gelegenheit giebt, unsere geistigen und körperlichen Kräfte in demselben zu. üben, zu entfalten und sie zum Besten der Gesammtheit anzuwenden. Gebe Gott, daß unsere schönen und frohen Aussichten bald ihre Verwirklichung fänden, und daß die Zeit käme, wo man die Israeliten von den übrigen Unterthanen des Staates nicht mehr durch ein Aeußeres, sondern nur durch den Eifer unterscheide, sich durch Treue und Anhänglichkeit an den Regenten und durch nützliches Wirken zum Besten des Staates auszuzeichnen. Möge der von Israeliten und, Nicht-Israeliten gemeinschqstlich getriebene Feldbau uns ein günstiges Omen sein, daß auch andere Felder einer ehrenvollen Thätigkeit uns werden eröffnet werden, und wir alsdann theilnehmend an allen Bestrebungen der Wissenschaft, der Kunst, der Industrie und jeder ehrenvollen Thätigkeit aufhören werden, eine durch Sprache, Kleidung und andere Aeußerlichkeiten gesonderte Gesellschaft zu bilden, sondern mit allen zum Besten der Gesammtheit wirkend, auch bald den Platz in der Gesellschaft gewinnen werden, der der nützlichen und ehrbaren Wirksamkeit gebührt! — Welch' einen Namen wird dann in unsrer Geschichte der besitzen, der uns zuerst hierzu die Pforte geöffnet hat!! Deutschland. Magdeburg, 8. Dezember. (Privatmitth.) Man scheint den jüngsten Angriff aus die österreichischen Aerzte jüdischen Glaubens nach anderen deutschen Staaten verpflanzen zu wollen, weil da eine judenfeindliche Presse volle Freiheit hat. Man wählte hierzu den Allg. Anzeiger der Deutschen, der zu Gotha erscheint. - Bekanntlich sind die Herzog!, sächsischen Länder den Juden sehr gram, und die daselbst erscheinenden Blätter, wie dieser Allg. Anz. und die Dorfzeitung, athmen Judenhaß und dickes, dichtes Mittelalter. Zum Glück gehört alles dies zu den Dingen miuorum gentium. Nachdem der Allg. Anz. in No. 316 „die Heilkunde in Oesterreich" gebracht, knüpft er in No. 321 „die Juden in Oesterreich" daran, und bringt hier eine solche