Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 51 (24.12.1842)
- Date
- 1842-12-24
- Page
- Seite 743 (sequence 3)
- Language
- German
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743 ist, je großartiger wir uns den gezeichneten Verein denken, freilich weit über die kleinen LokalvereLne in Deutschland, die mit kleinen Kräften doch so Schönes und Wohlthätiges leisten: desto klarer wird es uns dennoch, daß bei einem so weit greifenden Unternehmen die Kräfte der bemittelten Juden Polens lange nicht ausreichen, und daß wir zweitens unsere Blicke auf den heldenmüthigen Fürsten-Statthalter, und durch Se. Durchlaucht auf Se. kaiserliche Majestät richten, unsere Hoffnungen auf Diese setzen müssen. Denn was ein Verein von Privatpersonen nur mühsam und dennoch nur sehr theilweise wirken kann, das vermag der fürstliche Wille, der Wille des Monarchen im (Großen und Ganzen. Die Konkurrenz der kaiserlichen Regierung ist nothwendig, um die herrliche Idee des Fürsten-Statthalters nachhaltig zu realisiren. Ohne diese, ohne cine^t^atfräfticje Hülfe von oben läßt sich an keine wesentliche Reatistrung der Idee denken, und nur durch das Entgegenkommen der Juden und die weit greifende Unterstützung der Regierung, durch die Vereinigung Beider, laßt sich ein wesenhaftes Resultat erhoffen. Wir sind weit davon entfernt, uns anzumaßen, die Mittel und Wege zu bezeichnen, durch die die kaiserliche Regierung hier eingreifen köune. Dies ist der Weisheit Sr. Durchlaucht vertrauungsvolt zu überlassen, und gewiß ist es, wenn die Idee allseitig zum Willen geworden, an kräftigen Maßregeln es nicht fehlen werde. — Wir unsrerseits wollten nur hiermit zugleich ein Zeugniß ablegen, wie die deutschen Israeliten ein hohes Interesse an dieser Angelegenheit nehmen, und wie sie die weise Absicht des Fürsten-Statthalters zu würdigen verstehen. Zeitungsnachrichten. Rußland und Polen. Von der polnischen Gränze, 28.November. Die öffentlichen Blatter bringen eine Rede des Generalgouverneur von Bibikoff an die in Kaminiez Podolsk versammelten polnischen Edelleute. In derselben kommt eine Stelle vor, die auch sür die Israeliten, die dem russischen Zepter unterworfen sind, von der höchsten Bedeutung ist. Sie lautet: „Ich wiederhole hier die Worte, die mein Monarch zu mir gesagt hat: „„Ich will, daß in meinem Reiche die Freiheit der verschiedenen Konfessionen in ihren resp. Gebräuchen geachtet werde, und erkläre hiermit, daß ich alle meine Unterthanen, welcher Religion sie auch angehören, gleichachte."" — Dies sind Worte des Kaisers Nikolaus I.! Warschau, 29. November. (Privatmitth.) °) Die Wege auf welchen die Juden zur Verbesserung ihrer bürgerlichen Verhältnisse gelangen können, müssen nothwendig eben so mannichfaltig, wie die Staaten sein, deren Bewohner sie sind. — Wenn Vermehrung der Unterrichts-Anstalten, Reform des Kultus, sie in Deutschland zum Ziele führen, so thut dem Juden in Polen vor Allem Noth, sich dem Ackerbau zuzuwenden; um dadurch den zahllosen Armen seiner Religionsgenossen neue Erwerbsquellen zu eröffnen, noch mehr aber, um so dem Hierlandes zum Sprichworte gewordenen Vorwürfe der Arbeitsscheue und Neigung zum Müßiggänge von sich abzuwälzen. — Wir wollen hier nicht das schon tausendmal Gesagte wiederholen, und beweisen, wie diese fHorwürfe den Juden Polens gar nicht treffen, wie es wahrlich nicht seine Schuld ist, wenn das Gesetz vom Jahre 1823 unwirksam, und es ihm, bei seinem besten Willen, unmöglich blieb, den Ackerbau zu ergreifen; wie das Zunftwesen, noch bis in diesem Augenblicke, es den Tausenden jüdischer Handwerker in Polen unmöglich macht, auf redliche und anständige Weise sich zu ernähren; wir wissen leider zu sicher, wie grau gewordenes Vorurtheil kein Ohr hat, daher nicht Worte mehr, sondern Thaten sollen sprechen, und für den Juden Polens Zeugniß ablegen, daß er eben in dem Maße, wie alle andere Bewohner dieses Landes, zu dessen Wohle beitragen will, beitragen kann, wenn ihm nur nicht die Mittel dazu abgeschnitten, oder verkümmert werden. — Nie aber war die Zeit dazu für den Juden Polens so günstig als eben jetzt; die segenreiche Verwaltung Polens durch Se. Durchlaucht den Fürsten Statthalter, bedarf keines Anrühmens mehr, und allbekannt ist es, wie er unserm Landesvater mehr Herzen als Unterthanen erworben hat; sein Name als Held und °J Von einem zweiten Korrespondenten. (Vgl. No. 49.) R e d a k t.