Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-17 · Heft 50 (17.12.1842) · p. Seite 738

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 50 (17.12.1842)
Date
1842-12-17
Page
Seite 738 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225227-3225278--04861-3314477
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

738 Debatten im norwegischen Storthing, die Iudeufrage betreffend. (Schluß.) Da es bei der Genehmigung der Grundgesetzveränderung gleichwohl der privaten Gesetzgebung überlassen würde, die Bedingungen für die Ausnahme der Juden festzustellen, und man es so in dieser Beziehung völlig in seiner Macht habe, sich mit all der Vorsicht einzurichten, welche das Wohl des Staats erfordere, wolle er — sich an die von der theologischen Fakultät für die Annahme des Vorschlags angeführten Gründe haltend, für die Eingabe des Komites votiren. Die Gerechtigkeit fordere, daß man die Juden nicht länger als Verbrecher und Verbannte behandele und ihr bloßes Betreten des norwegischen Bodens mit den höchsten Mulcten bestrafe. Uebrigens könne der Redner nicht umhin es für überflüssig anzusehen, daß der Komitö Persönlichkeiten hervorhebe — wie es mit dem verstorbenen Bruder des Redners der Fall gewesen wäre. Diesem müsse man nicht seine geäußerte Meinung zur Last legen. Die Frage sei noch zweifelhaft und zwischen damals und jetzt läge ein Zeitraum von 2% Jahren, in welchen die Stellung der Juden eine wesentliche Verbesserung erlitten habe. Nähme es Einen also Wunder, daß ein Mann damals — besonders mit der damaligen Verfassung unsers Staats vor Augen — sich gegen die Juden ausgesprochen hahe? Der Redner sollte gleichwol nicht diese Seite der Sache berührt haben, wenn der Komitö nicht die Grundgesetzbestimmung der von seinem verstorbenen Bruder geäußerten Ansicht als Erklärungsgrund zugeschrieben hätte. Die Aeußerungen des Verstorbenen hätten dem Komito dazu durchaus keinen Anlaß gegeben, so wie es auch nicht anginge, weil er ebenfalls Mitglied des Konstitutionskomites gewesen sei, deshalb seine Ansichten und die der Reichsversammlung zu identisiziren. Blom: Obschon die Sache übrigens so hinlänglich erörtert sei, daß er nichts hinzuzufügen habe, glaube er doch, da man die Ansicht der Reichsversammlung erwähnt habe, nicht als das einzige hier gegenwärtige Mitglied jener Versammlung sich hier ruhig verhalten zu müssen. Er erkläre es vorläufig für eine eben so dreiste als ungcgründete Behauptung, daß jene Versammlung die zu der Zeit existirenden Gesetze über die Juden nicht sollte gekannt haben oder nicht darauf aufmerksam gewesen wäre. Was die Sache selbst beträfe, hätte es den Juden auch nicht an Vertheidigern gefehlt, und er erinnere sich oft mit Freuden an den lebhaften Vortrag, in welchem Middelfart dieselben Grundsätze ausgesprochen, als der Komitö jetzt. Die Reichsversammlung hätte indessen am wesentlichsten darauf gesehen, daß man Niemanden durch das Beharren in einem hundertjährigen Verbote beeinträchtige, daß es bedenklich sei sowol im Allgemeinen, während der damaligen Lage des Staats Leute aufzunehmcn, die kein Vaterland erkannten und keine Tendenz zeigten, sich zu domiziliren und ihre Interessen an die des Landes zu knüpfen, wo sie ihr Brodt erwerben, als auch besonders während des damaligen verwickelten finanziellen Zustandes des Landes Leute einzulasscn, deren Spekulation gemeinhin Vortheil aus solchen Verhältnissen zu ziehen beabsichtigte. Es wäre wohl auch nicht unmöglich, daß der Haß, der damals gegen die Juden wükhcte, auch hier einigen Einfluß gehabt hätte, obschon er sich nirgends ausgesprochen habe. H. Holmboe: Obschon alle Redner sich für die Abschaffung des Paragraphen ausgesprochen, glaube er doch der früheren Aeußerungen wegen, daß dicß eine Angelegenheit sei, über die ein jeder mit sich selbst im Reinen sei, nicht alle Furcht über den Ausfall beseitigen zu dürfen und er sehe es daher für einen Gewiffensfall an auch seine Meinung kund zu thun. Die Vorurtheile gegen die Juden seien theils von religiöser theils von politischer Beziehung. WaS die religiösen beträfe, schienen sie ihm in der Eingabe hinlänglich erörtert und widerlegt. Es sei auch nicht schwierig zu erklären, wie sie entstanden. Die schrecklichen Verfolgungen, welche das Judenvolk erlitten, hätten den Haß zelotischer Juden gegen die Christen entzündet und sie verleitet Lehren zu predigen, die der Moral widersprächen. Diese, die mit der Verfolgung verschwanden, standen jetzt nur als Schreckdilder wieder da, um derentwillen man indessen das ganze Volk verurtheilc. In un-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.