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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-17 · Heft 50 (17.12.1842) · p. Seite 735

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 50 (17.12.1842)
Date
1842-12-17
Page
Seite 735 (sequence 7)
Language
German
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735 Jahrhundert den Schlaf seiner Nächte und die Ruhe des Tages willig und freudig geopfert und am Schmerzenslager dem Aechzen und Stöhnen der leidenden Menschheit, wie dem letzten Hauche der Sterbenden gelauscht und der Beerdigung der Tobten oblag — was unsre Alten mit dem Gepräge ivn n»N b« belegen, möge auf Rechnung seiner Stellung kommen; daß er dieß aber nicht mit kalter abgehärteter Pflichtmiene gethan, sondern als warmer liebreicher Menschenfreund mit dem heilsamen Balsam milder Tröstung und liebevoller heiterer Zusprache stets dem Krankenbette genahet, und mit der Quelle seines allbekannten unerschöpflichen Humors zur Ermuthigung und Erheiterung der Leidenden beitrug, ist sein Verdienst! Daß er, der so vielseitige Wachsamkeit und Fürsorge erfordernden Ordnung und Lesung der ihm anvertrauten Anstalt mit aller Hingebung und Selbstaufopferung oblag, wollen wir auf Rechnung seiner Verpflichtung dahin gestellt sein lassen; daß aber dieses herrliche wohlthätige Institut seiner scharfblickenden praktischen Umsicht, seinem unermüdeten Eifer und seiner vielfachen Verwendung die gegenwärtige musterhafte Organisation, Gestaltung und beinahe allscitige Vollkommenheit verdankt, ist sein schönes unverwelkliches Verdienst! Daß er die bedeutenden jährlichen Kosten des Spitales entsprechend und erfolgreich angewendet, war Pflicht; daß er aber mit unerschöpflicher Thätigkeit die Einkünfte und den Fond desselben stets zu vermehren strebte; — daß er;cinen besonder» Verein zur Aushülfskasse begründete, um genesene austretende Kranke nicht mit leeren Händen rekonvaleszirend hülflos in's Leben eintreten zu lassen — ist sein unbestreitbares Verdienst! daß er den Kranken und Schmerzbehafteten ein väterlicher Freund und milder Tröster war, mag der Gelegenheit und den Umständen zugeschrieben werden; daß er aber überall, auch außerhalb seiner Berufsphäre, wo es nur dem Leidenden zu helfen und den Gesunkenen zu unterstützen galt, wohlwollend und menschenfreundlich auftrat, und sein akkreditirtes Ansehen und seine begründete Autorität geltend machte, um ein wahrer r^nipb b^ar-o zu sein — ist sein hohes Verdienst! Ist sein Verdienst, das ihn des mosaischen Segensspruches würdig machte: vtin "nan ■'ir ‘tsk* ü^aatt "p'aa! Groß und mannichfach sind seine Verdienste, die er in den Jahren desj Krieges und der Noth um die kranken Krieger — Freund und Feind — Jude und Nichtjude — sich erwarb, und in deren auszeichnender Anerkennung er von Sr. Majestät unserm allgeliebten Landesvater weil. Franz I. die große Civil-Ehrenmedaille empfing und von Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland seine Brust mit dem Alexander-Nevski-Orden des Verdienstes sammt Dehrband und Kette ehrenvoll geschmückt wurde. „Noch leben vielleicht im kalten Norden Rußlands und in den öden Steppen Sibiriens heute Krieger, die ihm ihr Leben und Erhaltung verdanken," sind die Worte des trefflichen Mannheimers, die er seinem Sarge nachrief. Die Mitbürger des Spitalbezirkes würdigten ihn dadurch, indem sie ihn zum Assessor des Gerichtes in der Rossau auszeichnend erwählten. Zahlreich war die Volksmasse, welche die Reste des theuren Hingeschiedenen zu Fuß und zu Wagen begleitete — wie es seit lange hier nicht gesehen ward. — Gar viele Fremde waren auf die Nachricht seines Todes aus der fernen Umgegend herbeigeeilt, und ihm die letzte Treue zu erweisen. Ein gar rührender herzerschütternder Anblick war der volkreiche Leichenzug durch den feierlichen Choralgesang des unübertrefflichen Sulzers geleitet. Da sprach tiefe Trauer und innige Wehmuth in allen Zügen sich aus, und Aller Augen waren thränenbenctzt, und von Mund zu Munde tönte sein Lob: -pi n' -iveeb ‘p'iriN» *ia“ nasuwn “jami ia iabn." Solch ein ehrendes Denkmal hat dieser Biedere im Herzen seiner Mit- und Glaubensbrüder sich begründet. In den Annalen seines Institutes aber wird sein Name in dankbarer Anerkennung zu unvergeßlichen segenvollem Gedächtnisse fortblühend verzeichnet und für die Spätzeit erhalten bleiben — insonders, da er in seinem dankbaren Pflegesohne, dem bisherigen Adjunkten Herrn Herrmann, einen eifrigen, verdienten und wackern Nachfolger sich erzog, der im Biedersinne dessen fortwirken wird, der sein Auge nun für immer geschloffen — Friede seiner Asche! M. E. Stern.

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