Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 49 (10.12.1842)
- Date
- 1842-12-10
- Page
- Seite 724 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225277--04846-3314461- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
724 tirkunst und der daraus folgenden Rechthaberei bestand. — Wir haben nun hiermit das vom Leben und Geist der vormaligen deutsch-jüdischen Hochschulen uns noch Erinnerliche und aus glaubwürdigen Mittheilungen Vernommene mit dem vollen Bewußtsein der Unparteilichkeit und der Fernhaltung jeder der Modernität schmeichelnden Darstellung erzählt; fügen wir nun zum Schluffe einige Bemerkungen über die Herbeiführung des Unterganges dieser Hochschulen bei. Man kann wol behaupten, daß der wiffenschaftliche Geist des Mittelalters, welcher das freie Forschen vom Dogma abhängig machte, alle Ideen in die religiösen einschachtelte und sich in einen endlosen Disput über dieselben versenkte, im Allgemeinen sich an den jüdischen Hochschulen wiederspiegelte. Das mittelalterliche wissenschaftliche Treiben ging' durch die Reformation zu Ende, welche dem forschenden Geiste seine Unabhängigkeit eroberte, der zwar ohne anerkannte Gränzen, gleich dem rastlosen Wasser, sich unendlich ausdehnt und darum der Verseichtung einheimfällt, aber auch dann kreuz und quer und in Zickzack strömt, wenn er in jedem Augenblicke von den ihm entgegenstehenden Bergen und Hügeln der Autoritäten aufgehalten wird, der sich in Wortgezänke und Disputationen verlieren muß, wenn er gezwungen ist, das selbstständig Gefundene mit dem Vorhandnen in seiner ganzen Ausdehnung auszugleichen und demselben zu assimiliren. Das israelitisch mittelalterliche wissenschaftliche Treiben erlitt seinen ersten Todesstoß durch Mendelsohn und dessen Schule, welche dem Studium der heiligen Schrift die verlorne Geltung zu verschaffen suchte, die Pflege außertalmudischer Gelehrsamkeit durch Beispiel empfehlungswerth machte, vor Allem aber durch eine gesunde und nüchterne Exegese die bisherige verfehlte Geistesrichtung, wenigstens unmittelbar, bemerkbar machte. Nimmt man nun noch hinzu die stufenweise erfolgte Veränderung der Gesammtmassen der germanischen Israeliten in ihrer äußerlichen staatlichen Stellung am Anfänge unsres Jahrhunderts, so wie die in den verflossenen Jahrzehnten Erfolgten ausdrücklichen Befehle mancher deutschen Regierung in Bezug auf die dem Lehramte im engern und weitern Sinne sich widmende israelitische Jugend, so war der Fortbestand der jüdischen Hochschulen in ihrer alten Form durchaus unmöglich. Uns aber, die wir in unserer frischesten Jugend in diesen, in gar vielen Beziehungen ehrwürdigen Instituten lebten, steht es zu, uns der breitmachenden, nur sich selbst beschauenden Gegenwart zu entwinden, und zu erzählen von dem , was wir mit eignen Augen und Ohren gesehen und gehört haben. — Debatten im norwegischen Storthing, die Zu de »frage betreffend. Nachdem das Referat der Eingabe geschloffen war, verlas der Präsident erst ein Schreiben von H. Wergeland, in welchem dieses mehrere Bibelstellen anführte, die es seiner Meinung nach zur christlichen Pflicht machten, den Vorschlag anzunehmen. Löberg wünschte Egidius' Schreiben zu hören. Der Briefschreiber sei von der andern Parthei angegriffen worden, ohne daß man seinen Brief gesehen habe. Es sei daher seinetwegen, daß er um dieses ersuche. Sorenssen: Nach dem früher geäußerten hätte er geglaubt, daß man ihm dieses nicht zumuthen würde. Der Briefschreiber, an den er sich ganz privat gewendet, habe sich früher ernsthaft darüber beklagt, daß die Diskretion, wie es sich aber zeigte ohne Schuld des Redners, überschritten sei. Er könne außerdem versichern, daß seiner besten Ueberzeugung gemäß das Schreiben keine Erörterungen enthielte, da Egidius vor kurzem in Amsterdam angelangt, als er den Brief verfaßte, nicht Zeit gehabt habe, sich von Vorurtheilen zu befreien, die sich oft bei der Beurtheilung neuer und ungewöhnter Verhältnisse geltend machen. Das Schreiben habe doch seinen Nutzen gehabt, insofern es vermittelst Wergeland's Beleuchtungen hervorgerufen habe, die dessen Urtheil schwächten, und daher ein helleres Licht über die ganze Sache verbreitet. H. Holmboe fand, daß Egidius das hier Verhandelte sehen würde, und wenn er es für nöthig hielte, stände die Gelegenheit ihm frei, sich zu vertheidigen. Endlich wurden die Debatten über die Frage selbst von Arup ausgenommen: Wäre die Frage eine solche, nunmehr gleich ohne weitere Vorbereitungen und Bedingungen den Juden den Zutritt in's Reich zu gestatten, würde der Red-