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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-10 · Heft 49 (10.12.1842) · p. Seite 720

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 49 (10.12.1842)
Date
1842-12-10
Page
Seite 720 (sequence 8)
Language
German
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720 blendete Cyklspen, strebt eine gewisse Parthei jene verderbliche Gluth des Haders und der Entzweiung der Gemüther stets zu unterhalten, und sucht auf diese Weise alles rabbinische Wirken zu verkümmern und zu vereiteln. Durch ihr eigentlich satanisches, beständig anklagendes Verfahren brachte sie es endlich dahin, daß vor Kurzem ein hohes Ministerium, hören Sie und staunen Sie, mein hochgeehrtester Redakteur! anzuordnen geruhete; daß über Herrn Dr. Lüwi, nachdem er volle zwölf Jahre bereits in seiner Gemeinde als Geistlicher funktionirt hatte, abermals von Seiten der sammtlichen Gemeindeglieder eine Abstimmung stattfinden solle. Welche gewaltige Aufregung der Gemüther diese Maßregel hervorgebracht, und zu welchen Mißhelligkeiten und Zerwürfnissen zwischen ganzen Familien dieselbe in ihrer Anwendung geführt hat, ist leicht zu erachten.— Der einzige Trost und die erfreuliche Seite, die dieser unerhörte Vorgang gewahrte, war: das sich allgemein dabei kundgegebene Interesse, der Eifer und die Begeisterung für die gute Sache, sowie das voraus vermuthete Resultat, daß Herr vr. Löwi mit einer überwiegenden Majorität gewählt wurde. Sehen wir auch im voraus — ohne gerade einen prophetischen Geist zu besitzen — daß auch dieser Vorgang, so entscheidend er auch an und für sich ist, noch immer nicht geeignet ist, den völligen Frieden herzustellen: so hat sich wenigstens durch denselben einmal für allemal das unleugbare Resultat herausgestellt, daß alle künftigen Protestationen nur von einer Minorität ausgehen, während der größere und intelligentere Theil der Gemeinde unsre Zeit und ihre Anforderungen richtiger erfaßte und dem wahrhaft jüdischen, gesetzlich erlaubten Fortschritte willig Aug' und Ohr öffnet. — So gebe Gott, daß doch einmal der wahre Friede auch in dieser Gemeinde Israels wieder hergestellt werde, und daß jede Parthei wohl beherzige: „vrr aiba y« öiViiö yrr," daß ohne den Alles fördernden und beglückenden Frieden nichts Großes gedeihen, nichts Heiliges verrichtet, und ohne ihn kein Heil und Glück in Haus-, Familien- und Gemeindeleben hervorsprossen könne; sowie daß „iiVis rmnn ba aiVa Voisa «bs rsarv’a rch," daß also der erste und letzte Zweck aller Religion ist: Aussöhnung und Eintracht des Menschen mit sich, mit seiner Umgebung und seinem Gotte. — ..m Stuttgart, 10. November. (Fr. I.) Der heutige Schwäbische Merkur enthält eine Mittheilung über die am 30. Oktober d. I., als am Tage der Thronbesteigung Königs Wilhelm, erfolgte Einweihung des von dem Verein zu Versorgung armer israelitischer Waisen und verwahrloster Kinder zu Eßlingen gegründeten israelitischen Waisenhauses, das mit höchster Genehmigung den Namen „Wilhelmspflege" führt. Dasselbe ist aus freiwilligen Beiträgen Einzelner „zur dankbaren Erinnerung an das unvergeßliche Regierungs-Jubiläum des Königs, welcher alle seine Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens und des Standes 'mit gleicher Liebe und Fürsorge umfaßt," erbaut und besitzt jetzt noch einen ansehnlichen Fond. Vom Main, II. November. (Fr. I.) Die baierischen Juden hoffen von der nächsten Ständeversammlung einige Modifikationen des sie so sehr beengenden Ediktes von 1813 zu erzielen. Ihre Hoffnungen auf völlige Emanzipation, die in der Kammer der Abgeordneten von 1831 bereits beschlossen war, sind wol schon längst geschwunden; indessen erwarten sie wenigstens einige Erleichterungen, zu welchen auch die königl. Regierung bereitwillig die Hand zu bieten geneigt sein soll. Aus Würtemberg, im November. (Privatmitth.) Es gewährt jedem ächten Israeliten Freude, den zu schönen Hoffnungen berechtigenden Fortgang unserer Synagogen- und Schul-Institutionen zu beobachten. Während unsre Oberkirchenbehörde treffliche Anordnungen für Gotteshäuser und Religionsschulen, passende und würdige Amts-Instruktionen für Rabbinen und Vorsänger gegeben und handhabt, beaufsichtigt die Oberschulbehörde angelegentlichst den Elementarunterricht. Der Gottesdienst wird auf würdige, den Anfoderungen der Zeit entsprechende Weise abgehalten, die meistens trefflichen Schulen geben der hoffnungsvollen Jugend religiöse und zeitgemäße Bildung. Ohngeachtet diese Verbesserungen erst seit einem Dezennium eingeführt worden und werden, lassen sich gute Früchte jetzt schon nicht verkennen. Aber auch der größte Theil der würtembergischen Israeliten zollt der Regierung hiefür heißen Dank. Werfen wir dagegen einen Blick auf die Kirchen-

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