Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 49 (10.12.1842)
- Date
- 1842-12-10
- Page
- Seite 715 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hoheit der Großfürst Mchael bei Hochderen Befichtigung desselben, wahres aufrichtiges Lob zu spenden geruht haben. Dem erhabenen Wohlthätigkeitsfinne Sr. Durchlaucht des Fürsten Statthalters verdanken wir, daß der verdienstvolle gedachte Herr Jacob Epstein dieses vielseitig und vielfältig heilbringende Institut zu diesem glänzenden Stande zu bringen vermochte. — Unter dem Schutze desselben wohlthätigen Fürsten gedeiht immer mehr und mehr die Rabbiner- und Lehrerschule, diese wahre Quelle der Bildung der hiesigen Israeliten, die unter der Leitung deS eifrig thätigen Direktors Herrn A. Eisenbaum mit jedem Jahre an Gewichtigkeit und Ausdehnung gewinnt, die über das ganze Land ihre lichtvollen Strahlen verbreitet, indem sie beim Schluffe eines jeden Jahres einige nützliche Zöglinge entläßt, die größtenteils ihren Unterhalt durch Unterricht sich erwerbend, den Saamen der Schule über das ganze Land streuen. — Auch läßt der Helle Geist der neu ernannten Vorsteher der Elementarschulen die untrügliche Hoffnung hegen, daß der bisherige Unterrichtsplan so wie die ganze Einrichtung derselben eine zweckmäßigere Wendung nehmen werden. — Nun soll aber hier, wie gesprochen wird, ein weit Wichtigeres als dieses alles erfolgen. Es liegt nämlich dem hiesigen Gemeindevorstande zur Berathung das Projekt vor, die Israeliten in Zukunft mit dem Ackerbau zu beschäftigen» Dieser beglükkende Gedanke gehet einzig und allem van der väterlichen Sorgfalt des Fürsten, Statthalters aus, der um dem breit und weit umgreifenden Uebelstande der Juden kräftig entgegeuzuarbeiten und um den der Armuth und Elend preisgegebenen, einen neuen, sichern und redlichen Erwerbszweig zu eröffnen, den festen Entschluß faßte, einen möglichst großen Theil derselben zum Ackerbau anzuwendm. Nun liegt uns ob, über die Herbeischaffung der nöthig«n Mittel und über die Bestimmung der Art und Weise, wie dieses große Werk in Ausführung gebracht werden soll, einig, werden zu können; (was bei uns beiläufig gesagt, keine Kleinigkeit ist) und wem unsere Lage einigermaßen bekannt ist, wird mit uns gewiß in den Wunsch «in-ftimmen, daß die über diesen überaus wichtigen Gegenstand berathenden Herren, Privatinteressen und Persönlichkeiten außer Acht lassen mögen; daß st« zur Berathung, nicht wie es bis jetzt leider Gebrauch ist, nur Leute von großem Wüchse, langem Barte, urUfangrrichem Leibe, Manchen talmudffchen Kenntnissen und einigem materiellen Vermögen ziehen mögen, sondern einsichtsvolle Männer, Sachkenner und solche, denen das Wohl ihrer Brüder, ihrer eigenen Kinder und der künftigen Generationen nahe am Herzen liegt, an denen es uns Gottlob! nicht mangelt. Mögen die Witzeleien, Neckereien und aller andere Unfug, welcher i« der Regel bei sämmtlichen Zusammenkünften gäng und gäbe ist, wenigstens für diesen Augenblick nicht stattfinden, damit doch dieser Gegenstand vorurteilsfrei, mit Sachkenntniß und zweckmäßig besprochen und so zur Ausführung gerefft werde; widrigenfalls werdm wir keineswegs den humanen Gesinnungen unsers Fürsten enffprechrn und den ferner« Uebrlstand unserer Glaubensgenossen nur auf Euch, Mitglieder des Gemeinde-Borstandes wälzen müssen, und ros» s6 ü». Denket an die Verantwortlichkeit, der Ihr euch schuldig machen werdet, so diese Maßregel durch" eure Nachlässigkeit nicht in Wirklichkeit tritt; Ihr werdet es weder vor Gott, vor der Welt, noch vor eurem Gewissen entschuldigen können. — 1*. 6. München, 21. November. (Privatmitth.) Zur vollständigen Würdigung, wie hoch die russische» Juden die Bemühungen des Dr. Lilienthal schätzen, theile ich Ihnen anbei ein Schreiben mit, welches die israelit. Gemeinde zu Berditschew an den Baten: des vr. Lilienthal allhier gerichtet hat. Sie werden einer Uebertragung des in schönem Hebräisch geschriebenen Originals einen Abdruck gestatten, bei deren Durchlesung die Eigmthümlichkeiten des hebräischen Styles allerdings nicht vergessen werdm dürfen. Hochgeehrtester Herr! Freudenstimmen ertönen in Israel, und Eine Frage durchdringt Rußlands unermeßliches Reich: Wessen Sohn ist wohl dieser Held, dieser Mächtige, der kampfgerüstet auszog seinem bedrückten Wolke Hülfe verheißend, sein einstiges Glückshorn wiederum emporzuheben und seine Rechte geltend zu machen vor den Augen seines gerechten Herrschers? Wessen Sohn ist wohl d-ieser, der seine heilige Rechte schwinget um Israels Stamm aus dem verächtlichen Staube zu erheben, auf daß er sein Bater-