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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-03 · Heft 48 (3.12.1842) · p. Seite 708

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 48 (3.12.1842)
Date
1842-12-03
Page
Seite 708 (sequence 12)
Language
German
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708 geregt und mit hundert geistreichen Einfällen und von der ausgebreitesten Belesenheit zeugenden Eitaten wird die Bresche ausgefüllt; denn alS besiegt und überwunden mag der Rabbi sich nicht erklären, lieber sich mit seinem Luftschlosse in die Luft gesprengt, als sich ergeben. Diese geschilderten Scenen wiederholen sich oft in dem drei und vierstündigen Vortrag, bis der Rabbi mit Schweiß und Schaum bedeckt von dem Katheder Herabstieg. Ehre und Beifall werden ihm zu Theil, nicht etwa nach dem Maße der durch ein eifriges Studium ermittelten Wahrheit, sondern nach dem Maße des dargelcgten Witzes und Scharfsinnes, und nach der Beurkundung einer ausgebreiteten talmudischen Belesenheit. Zu bewundern ist, daß der Mittelpunkt dieses Geistesspiels der Maimonides bilden mußte. Ein Chiluk ohne herben Rambam, d. h. ohne Beibringung einer auf den abgehandelten Gegenstand bezüglichen Stelle aus den Schriften des Maimonides — gewöhnlich aus seinem großen Werke lipmn T — in welcher er gegen das Resultat des Talmuds anzustoßen schien oder dasselbe als nicht aufnotirte, hatte keinen rechten Reiz, das war eine englische Mahlzeit ohne Schildkrötensuppe; er, der geistvolle Philosoph, der tiefe Denker mußte den erbärmlichsten und spitzfindigsten Unwahrheiten zur Grundlage dienen; er, der sein von größtem Fleiße und systematischem Geiste zeugendes Werk: nprnn v in der Absicht schrieb, um die Resultate des Talmuds ohne die in demselben enthaltenen, anstrengenden und zeitraubenden Disputationen seinen Glaubensgenossen zugänglich zu machen, mußte mit eben diesem Werke als Schild und Zielscheibe einer alles Maß überschreitenden Disputirsucht dienen. Ihm erging es fast in dieser Beziehung wie Moses, dem göttlichen Manne, welcher mit dem kurzen, bündigen, schmucklosen Vers: ""Nrre 'n bana-' swa ins das Heidenthum zur Welt hinauszudonnern glaubte und den Monotheismus für alle Zeiten und Geschlechter einheimisch zu machen suchte, gerade durch die von heiliger und erhabener Begeisterung eingegebne dreimalige Wiederholung des göttlichen Namens Veranlassung zur Herausdeutlung einxr dem reinen Monotheismus schwer anpassenden Glaubenslehre gab. Ganz besonders zeichneten sich in diesem Geistesspiele die polnischen Talmudgelehrten aus, die mit einer schnellen Auffassungsgabe und mit einem tiefen Eindringen in die feinsten Unterschiede eine ihrem Nationalcharakter eigne Lebhaftigkeit verbanden, welche Eigenschaften sie immer aus derartigen Kämpfen als Sieger hervorgehen ließ, wodurch sie zu großem Rufe und zu den besten und einflußreichsten Stellen in deutschen Gemeinden und Hochschulen gelangten. (Schluß folgt.) Geschichte. (Aus dem neunten Jahresberichte des historischen Vereins für Mittelfranken. 1839.) „Ueber die ersten Niederlassungen der Juden in Mittelfranken." Mitgetheilt von I. M. Fuchs, Professor in Ansbach. (Fortsetzung und Schluß.) Viele frühem Gelehrte wollten behaupten, daß die im Talmud vorkommenden (Chachme de Pappeno) Pappenheimer Gelehrte gewesen waren. Es scheint indessen die Behauptung sehr gewagt. Der Talmud besteht nämlich aus der früher entstandenen Mi sch na (ungefähr im Jahre 3988 n. Ehr. Geb. 219), aus der viel später dazu gesammelten Gemara (Jahr der Welt 4289 n. Ehr. Geb. 519). Auf dem Schloßberg ist bekanntlich ein Wappen mit der Inschrift 1011, welche Zahlen offenbar neuern Ursprungs sind. Nimmt man nun denn doch dieses Jahr 101) für richtig an, und gibt man, da auch in altern Urkunden von etwa 100c) Jahren früher schon eines Pappenheims erwähnt werden soll, zu diesem noch 190 Jahre zu, so würde die eigentliche Erbauungszeit des Schlosses etwa in das Jahr 999 fallen. Erwägt man nun noch mit vieler Wahrscheinlichkeit, daß die Stadt nicht gleichzeitig mit der Burg, sondern sicher erst spater erbaut wurde, daß der ehemals hier gestandene sogenannte Solothurm (auch vielleicht Sohlnhofen) von Sola, (dem Jünger d. h. Bonifacius, welcher 739 in hiesiger Gegend, Eich- *) Pappenheim kommt bereits in einer Urkunde vom Jahre 892 vor. Anm. des Herrn Prof. Fuchs.

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