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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-03 · Heft 48 (3.12.1842) · p. Seite 707

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 48 (3.12.1842)
Date
1842-12-03
Page
Seite 707 (sequence 11)
Language
German
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fen; niemals heimisch Gewesenen als eine reine Unmöglichkeit erscheinen dürfte. Da war ein Leben und Treiben unter der studirenden Jugend, ein Forschen und Grübeln in diesem gewählten Abschnitte, als gälte es die wichtigsten Räthsel der Wissenschaft zu lösen. Es galt für eine Schande vor drei Uhr in der Nacht zu Bette zu gehen. Mancher konnte den Anbruch des Tages nicht erwarten, um eine beim schwachen Schimmer der Lampe ausgedachte Frage seinem Lehrer oder seinen Kollegen mitzutheilen. Da lief einer eine Antwort suchend für eine Fraget ein, anderer eine Frage suchend für eine schon fix und fertige Antwort, in den Studierzimmern, im Borhofe der Synagoge und zuweilen auch aus öffentlicher Straße wurde geschrieen, gelärmt, gestoßen und disputirt und dieses Getöse dauerte gewöhnlich vierzehn Tage oder drei Wochen bis der ersehnte Tag herannahete, an welchem die ersten und renomirtcsten Lehrer die Disputirarena betraten. Versuchen wir unfern Lesern ein treues Bild von der Art und Weise der Abhaltung dieser Disputationen zu geben. Dieselben wurden gewöhnlich entweder in dem Universitätsgebäude s-nnn ma oder in dem Wohnzimmer des Vortragenden Rabbi abgehalten. Die ganze studirende Jugend wohnte dem Vortrage bei, und auch manche in talmudischen Disputationen geübte Laien schloffen ihre Buden und Kramläden, um das Schlachtroß des Sophismus zu besteigen. In bunter Unordnung standen die Studirenden, einen Halbkreis bildend, um den Vortragenden Rabbi. Dieser begann gewöhnlich mit der Recitirung des Talmudtextes, bei welcher das ganze Korps der jungen Schüler, um seine Bravour eines dreiwöchigen Studiums durch das Auswendigwissen des Textes zu bethätigen, mit einstimmte. Der Rabbi beginnt nun seine eigne Gedanken und Erfindungen zu entwicklen. Vorn steht ein Bürschlein von etwa fünfzehn Jahren mit schwarzen feurigen Augen, mit einem klugen Gesichte, das von dem Baum der Disputirkunst gekostet und schon manche scharfsinnige Frage berühmter Kommentatoren durch eignes Nachdenken gefunden, sich schon auf seine geübte Disputirkunst etwas zu Gute thut. Ein glücklicher Einwand gegen die Meinung des Rabbi fliegt durch sein Gehirn; cs gedenkt sich hiermit die ersten Spornen in dem ervffneten Feldzuge zu verdienen; es greift mit Herzhaftigkeit die Meinung des Rabbi! an, — Einwendungen waren jedem gestattet — aber! so wie der Löwe in majestätischer Ruhe den aui ihn losgehenden feurigen Hund mit einer Bewegung seines Schweifes zu Boden schlägt, so wird dieser jugendliche Kämpfer mit einem einzigen scharfsinni-! gen Worte vom Rabbi zu Boden geschlagen. Der Rabbi entwickelt weiter, schon stehen einige Säulen seines aufzuführenden Luftschlosses; da kracht rechts von geübten Kämpfern eine gewaltige Frage gegen j dasselbe los, links eine Antwort, rechts eine Frage j auf diese Antwort, links wieder eine Antwort auf j diese Frage; das Handgemenge beginnt; der Rabbi j schweigt und sieht schmunzelnd auf die in Gott Streij lenden; da erhebt sich ein von der ganzen Universi-! tat anerkannter, alter talmudischer Haudegen; mit! einem fürchterlichen Baß wirft er einige Citaten und spitzige Einfälle unter die Streitenden und das Getümmel auf der Fronte läßt nach, nur im Rücken und auf der Flanke hört man noch einige Fragen und Antworten krachen. Aber gerade dieser Haude-! gen der mit der Schärfe seines Verstandes die Streij lenden zerstiebte, wendet nun seine Klinge gegen l das Luftschloß des Rabbi; dieser, den rüstigen Kämpe! einigermaßen als ebenbürtig anerkennend, antwortet;! aber nicht lange dauert dieser Kampf; denn andere! gleichberühmte Haudegen eilen herbei; jetzt beginnt j eine wahre Artillerieschlacht, alle Kanonen der gej übtesten Spitzfindigkeit donnern, bis der Rabbi durch! eine glückliche Wendung auch diesen Streit zu seinen j Gunsten entscheidet. Da sitzt nun aber in einer j Ecke ein Mann mit langem weißen Barte, der die i ganze Zeit hindurch, auf beiden Armen gestützt, ' stillschweigend in das vor ihm aufgeschlagene Buch | hineinschaut und nur zuweilen lächlend und kopfj schüttelnd einen Feuerblick auf den Kreis der Strei-! tenden wirft; er ist einer von denen, der nach dem! Rabbi die Früchte seines dreiwöchigen Studiums der j versammelten Jugend in eben derselben Weise vorle-! gen wird. Als sehr geübter Kämpfer weiß er, wo der eigentliche Entwicklungspunkt des Rabbi liegt; er erhebt sich und schleudert eine achtundvierzigpfündner Frage gegen das halbfertige Lustgebäude; der Rabbi erkennt die Größe der Bresche, die diese Frage in seinem Gebäude verursachen würde; seine Augen funkeln, seine Stirnader schwillt, alles lebt und webt an ihm, seine Seele kommt in eine Art Extase, seine Denkkraft wird bis in ihre tiefsten Tiefen auf-

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