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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-03 · Heft 48 (3.12.1842) · p. Seite 704

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 48 (3.12.1842)
Date
1842-12-03
Page
Seite 704 (sequence 8)
Language
German
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704 Deutschland. Aus Baiern, im November. Der Kampf der jüdischen Parteien in Fürth dauert ununterbrochen fort. Der aufgeklärte Rabbiner Dr. Levi ist von den Schwarzen, die in München einen starken Fuß haben und pekuniäre Kräfte entwickeln, welche fremde Unterstützung vermuthen lassen, verklagt worden. Die Kreisregierung, sagt man, sei, wie billig, auf Seiten des Dr. Levi, aber in München, scheint es, dringen die Schwarzen durch. Es soll jetzt ein besonderer Ministerialkommissär nach Fürth geschickt werden, die einzelnen jüdischen Familien sollec abstimmen, ob sie den Dr. Levi ferner als Rai girier haben wollen, oder nicht, und Stimmenmchrhe,. soll entscheiden. (Dorszeil.) Hamburg, 28. Oktober. In einem unserer nächsten Rath- und Bürgerkonvente soll vom Senat der Antrag gestellt werden den Israeliten das Recht cinzuraumen in allen Theilen der Stadt (vielleicht auch des Gebiets) Grundeigcnthum zu erwerben, was ihnen bis jetzt nur in wenigen Straßen zustcht. Da in der Erbgesessenen Bürgerschaft solches Eigenthum fast ausschließlich reprasentirt wird und es durch dieses Gesetz sehr im Preise steigen würde, so leidet es keinen Zweifel daß die Mitgenehmigung erfolgen wird. Vielleicht seit Jahrhunderten wäre dieß die erste Freiheit, welche den Juden vom hiesigen Staate cingeräumt würde. Während der Franzosenherrschaft hatten sic vollkommene bürgerliche Rechte, mußten aber auch alle Bedrückungen des Feindes ebenso wie die andern Einwohner tragen, da sie ebenso wie diese für die Unabhängigkeit kämpften. Nach Erlangung derselben zog der Senat die Grausamkeit in Erwägung, die darin liegen würde sie jetzt wieder in ihren frühem rechtlosen Zustand zurückzudrängen; er brachte Gcsetzvorfchläge in die Erbgcsesscne Bürgerschaft, zwar nicht die von den Franzosen herrührende Gleichstellung zu lassen, aber doch nur die politischen Rechte zu beschränken. Diese Proposition wurde aber abgelehnt, und seitdem wurden keine andern gemacht. Man darf annehmen daß die Opposition von den Zünften, welche direkt und indirekt große Gewalt in der Erbgesessenen Bürgerschaft besitzen, ausging, und da diese Ursache noch besteht, so fürchtet der Senat vermuthlich dieselbe Wirkung wie 1814 wenn er wieder eine Maßregel wie damals vorschlüge. Seitdem aber ist viel über Emanzipation geschrieben und gesprochen worden, und jeder nur einigermaßen Gebildete sieht ein, daß weniger Gefahr darin liegt seine Kleider und Schuhe von einem Juden machen zu lassen, als sich einem Arzte, oder seine Kinder einem Lehrer, der der mosaischen Religion zugethan ist, anzuvertrauen, was doch täglich hier bei allen Klassen, die Zunftgenossen nicht ausgenommen, geschieht. Es kann daher nur Brodncid sein, wenn sie den Handwerkern jener Religion die Konkurrenz verwehren und ebensowenig Lehrlinge annehmcn als Gesellen, die auswärts gelernt, Arbeit geben. Die Schweiz. Genf, im November. Der Staatsrath har eine Petition der zahlreichen Juden Genfs, in der- Stadt ihren Gottesdienst halten zu dürfen, abgewiesen(ü) Frankreich. Metz, im November. Ueber das in diesen Blättern schon besprochene Werk von Herrn Anspach, das wir zu einer baldigen Uebertragung in's Deutsche empfohlen haben, enthält das Franks. Journ. folgenden Artikel: Eine von Herrn Anspach dahier erschiene Schrift: „Worte eines gläubigen Israeliten," die in französischer Sprache abgefaßt ist, erregt unter Christen und Juden großes Aufsehen. Sie ist unter andern auch gegen jene Proselytenmacher gerichtet, die Jahr aus Jahr ein unser Land durchreisen, um Seelen zu retten und zu gleicher Zeit durch Jahrgehalte von den englischen Missionsgesellschaften ihrem Leibe gütlich zu thun. Dieses Gewerbe findet leider immer mehr Anhänger, daher sich denn auch die Bekehrungssucht jetzt größtentheils auf Christen ausdehnt, da ihre Zahl doch weit bedeutender als die der Juden ist, wodurch jene wandernden Komödianten ein größeres Terrain für ihr Handwerk haben. In diesem Augenblicke durchreisen ungefähr 36 solcher Kommisvoyageurs die französischen Mosel - und Rheingegenden.

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