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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-03 · Heft 48 (3.12.1842) · p. Seite 699

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 48 (3.12.1842)
Date
1842-12-03
Page
Seite 699 (sequence 3)
Language
German
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699 wollte dieser vor dem Mussaf-Gebete eine Rede, dem Zwecke seiner Mission gemäß, halten, konnte aber trotz seiner lauten Männerstimme nicht vernommen werden, denn der Zufluß von Neugierigen war so groß, die Synagoge so überfüllt, daß alle wie eingemauert da standen und die leiseste Bewegung eines Einzelnen, wellenförmig unter 5000 Menschen fortgepflanzt wurde. Nach dem Mussas-Gebete strömte alles wieder aus der Synagoge dem Herrn Vr. Lilienthal nach, der von den Gemeinde-Vorstehern begleitet bei den fünf Vornehmsten der Stadt Gegen-Visite machte, welchen er zugleich den erhabenen Willen Sr. kaiscrl. Majestät und den Zweck seiner Mission in Kurzem erklärte, worauf er zum Mittagessen beim Banquier Herrn I. L. Kaminke eingeladen war. — Sonntag, den 4., versammelten sich alle Vornehmen der Stadt gegen 300 an Zahl, t Menschen der verschiedensten Bildung und Denkungsart, um vom Munde desjenigen Unbekannten, den zwar die meisten in ihrer Mitte zu sehen sehnlichst wünschten, den aber manche fürchteten, der Andern ganz gleichgültig war, ganz freundlich und brüderlich den Zweck seiner Mission zu vernehmen; für ihn, für die Sache seiner Mission ganz ergeben schwieg die Versammlung während seiner fünfviertelstündigen ^Auseinandersetzung der bisherigen Leiden Israels, der Ursachen derselben, der Mittel endlich zur Verbesserung ihres Zustandes, die durch die hohe Güte und den väterlichen Willen Sr. kaiserl. Majestät des großen Monarchen Rußlands und durch das rastlose Streben Sr. h. Exzellenz des Herrn Ministers der Aufklärung und durch die hochherzige Bemühung Sr. Erlaucht des Herrn Ministers der Reichsdomänen, den russischen Juden an die Hand gegeben werden. Darauf blieb der Redner still, gleichsam harrend mancher aufzuwerfenden Zweifel und Fragen, aber auch die Versammlung blieb still und stumm, viele wurden zu Thränen gerührt, der verstockteste Orthodox, der eifrigste Fanatiker ssah die Binde von seinen 'Augen fallen, stillschweigend dankten sie dem Allerhöchsten für die unverdienten Wohlthaten, mit denen Er durch Seinen irdischen Stellvertreter, dem großen Monarchen Rußlands, sie überhäufet, und zu beschreiben, was das Herz der Bessergesinnten fühlte, ist meine Feder zu schwach! Unbeweglich, mit thränenden Augen in Entzücken und stiller Andacht saßen sie da, überflogen den raschen Flug der Zeit, blickten in die Zukunft und begeistert sahen sie wie ein Kaiserwort 2,000,000 Seelen auf eine höhere Bildungsstufe schnell hinzauberte! — Nach einer Pause unterbrach der hochgeehrte Redner diese tiefe Stille mit den Worten: „Habt ihr, meine lieben Brüder, noch Fragen, Zweifel, Einwendungen so äußert sie mir, ich will sie alle beantworten." Worauf die Versammlung einstimmig antwortete: „t"ii2)2.i 2)212):, 2)212:1 ST32: Wir sind völlig über- „zeugt von der hohen Güte, vom Wohlwollen Sr. „kaiserl. Majestät unsers allergnädigsten Monarchen „vom unermüdeten Streben Sr. h. Exzellenz und „der hochherzigen Mitwirkung Sr. Erlaucht, wir „werden uns stets bestreben würdige Söhne eines so „erhabenen großen Landesvaters zu sein, wir wol- „len und werden unsere Gefühle durch Dank-Adresl „sen zu den Füßen Sr. kaiserl. Majestät unseres al- „lergnädigsten Monarchen, wie auch an Se. h. Ex- „zellenz und Se. Erlaucht möglichst an den Tag le- „gen, wir werden Rabbiner unter uns wählen, um „dieselben, nach dem hohen Willen Sr. kaiserl. Majestät, nach St. Petersburg zu schicken, wir wer- „den an den Herrn M. Montesiore eine Bitte rich- „ten, daß er gütigst nach St. Petersburg sich be- „mühe, unsere Sache zu unterstützen, und werden „endlich Ihrem Herrn Vater schreiben, wie glücklich „wir uns fühlen, wie freudig wir sind, Sie, seinen „Sohn, in unserer Mitte zu sehen!" Hierauf wurden der geehrte Herr Redner sammt 30 der angesehensten Juden der Stadt beim Banquier Herrn I. Heilpern zu einem Diner eingeladen, da wurde wieder manches erörtert und wiederholt was Vormittags vom Herrn Dr. Lilienihal auseinandergesetzt worden, dieser deutete auf manche Stellen der heiligen Schrift und des Talmuds hin und bewies damit sehr deutlich die Nothwendigkeit alles dessen, was geschieht und geschehen wird; darauf wurde ein Toast geleert für's Heil und lange Leben Sr. kais. Majestät des großen Monarchen Rußland sammt Sr. erhabenen Familie, ein zweiter für's Heil und lange Leben Sr. h. Exzellenz des Ministers der Aufklärung und Sr. Erlaucht des Ministers der Reichsdomänen und ein dritter für's Wohl und lange Leben des Herrn Dr. Lilienthal, und da gerade der j Geburtstag des letztem war, so wurde er mit einem j großen vergoldeten Silber-Pokal mit passender hei bräischer Inschrift verziert, von hiesiger Judenge-

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