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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-03 · Heft 48 (3.12.1842) · p. Seite 700

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 48 (3.12.1842)
Date
1842-12-03
Page
Seite 700 (sequence 4)
Language
German
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700 meinde beschenkt. — Montag, den 5. fuhr der Herr! Dr. L., begleitet vom hiesigen Gemeinde- und Syn-! agogen-Vorsteher und mir in das drei Werst von j hier entlegene, schön gebaute, bloß von jüdischen! Kolonisten bewohnte Dorf Romanowka. Hier bot i sich ein neues höchst rührendes Schauspiel dar: alle! Männer dieses Dorfes mit ihrem Rabbiner an der j Spitze gingen ihm, ihn freundlich bewillkommend, enti gegen, führten uns in ihre Synagoge, allwo der ge-! ehrte Herr Dr. L. an sie eine kurze, kräftige, beruhigende Rede hielt, worauf dieselben ihre Leiden wie vor einem guten mitleidsvollen Vater ausschütteten, er ihnen aber möglichste Abhülfe versprach; darauf rühmten sie ihre Arbeitsamkeit und Fertigkeit im Feldbau und die ihrer Jugend, und beim Austritte aus der Synagoge wurden wir überrascht durch den Anblick der Dorfjugend, Kinder von acht bis vierzehn Jahren, vierzig an der Zahl, alle zu Pferd in einer Reihe rechts, und sehr viele Ackergeräthe links postirt. Die Alten riesen einstimmig aus: ,,Hicr (rechts zeigend) steht unsere Jugend, die wir an Feld - und Gartenbau und Viehzucht gewöhnen, und dort (links zeigend) liegen unsere Werkzeuge, womit wir arbeiten und unsere Kinder zur Arbeit gewöhnen." Darauf rief die Jugend: „Herr, wir wollen von unserer Fertigkeit vor Ihren Augen Proben geben" und sogleich sprengte sie auseinander zu ihren Ackergeräthen wollten einspannen, wollten in's Feld hinaus, ackern, eggen :c. da es aber regnete, sagte der Herr Dr. L., daß cs unnöthlg sei, daß er auf ihre.Offenherzigkeit, Biederkeit und Frömmigkeit vertraue, daß sie gewiß Wahrheit sprächen, worauf sie in ihn drangen wenigstens ihre vollen Scheuern und ihre schon auf's Neue bebauten Felder zu besehen. Wir fuhren nun ihrer Einladung willig folgend, von der ganzen Menge theils zu Pferd theils zu Fuß begleitet, und besahen thcilweise ihre mit Getreide überfüllten Scheuern, den Segen ihres Fleißes, und alle ihre schon bcbaueten Felder. So führten uns gegen 100 jüdische Dorfleute auf einem andern Wege auf die Heerstraße nach Berdytschew zurück und verließen uns da mit tausend Segenswünschen. Nach unserer Rückkehr wurde der Herr Dr. L. vom Banquier Herrn D. Mansohn zu Mittag eingeladen, wo er manches Wichtige zum obbenannten Zwecke seiner Mission erfuhr. — Dienstag den l>. war Posttag und der Herr Dr. L. war fast den ganzen Tag beschäftiget, Briefe nach den meisten Städten, die er schon besuchte und die' er erst besuchen wird, zu schreiben und zu versenden, schickte auch einen Rapport nach St. Petersburg über die über alle Erwartung gute Stimmung der ganzen hiesigen Gemeinde für die gute Sache, wurde aber auch oft von vielen hiesigen Einwohnern besucht, die ihm ihr Herz ausschütteten, weil sie hier bis nun gewohnt waren den öfters Berdytschew heimsuchenden Rabbi's ihre häuslichen Umstände vorzulegen, ihre drückenden Leiden zu klagen, unser geehrte Herr Dr. L. beruhigte sie alle, sprach ihnen Trost und Muth zu und sie kehrten beruhigter nach i Hause zurück. — Mittwoch den 7., den Tag vor seiner Abreise, besuchte er Vormittags eine zweite jüdische Kolonie, sechs Werst von hier entfernt, allwo das rührende Schauspiel des vorgestrigen Tages sich erneuerte und bei seiner Rückkehr wurde er zu einem großen Diner beim Banquier Herrn S. Horowitz eingeladen, wo wieder alle Vornehmen der Stadt zusammen speiseten, hier wurde wieder manches bei sprachen, manche Zweifel gehoben, manches den Hiei sigen undeutlich scheinende von dem Herrn Dr. L. * erklärt, hier wurden ihm die erwählten Rabbiner . genannt und vorgeführt. Gegen Abend wurde er i zum hiesigen Herrn Polizeimcistcr eingeladen, bei > dem sich alle hiesige vornehmen christlichen Einwohi ner befanden, denen er den Zweck seiner Mission er-! erklärte, ihre Neugierde durch Antworten, Deutun-; gen, Erklärungen vollkommen befriedigte. — Die | Nacht vom 7. auf den 8. d. M. war er mit Rapj port - und Briesschreiben beschäftiget. — Donnerstag i den 8. in aller Früh strömten die Einwohner in seine ' Wohnung um Abschied zu nehmen, auf dem ganzen Terrain vor dem Hause postirtcn sich etliche tausend; Neugieriger, und nachdem er alles in die beste Ordj nung gebracht, stieg er in den Wagen, die ganze Menge, die ihn umringte, folgte ihm nach, schrie ' ihm Segen und langes Leben nach, er konnte bloß! mit den Händen danken, und mit der größten Mühe i und durch das Vordringen der Postpferde der immer i wachsenden Menge sich entreißen. Und so verließ der geehrte Herr Dr. Lilienthal,! von vielen hiesigen Vornehmen und Gutgesinnten ' bis zur nächsten Poststation begleitet, Berdytschew,! von allen bewundert, geliebt, geehrt, gesegnet; er! ließ in der ganzen Gemeinde eine bange Rückerinne-

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