Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 48 (3.12.1842)
- Date
- 1842-12-03
- Page
- Seite 698 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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698 nichtung und Auslösung alles Bestehenden setzen. Sie uiWm tzrrzweiftln über ihr ejgnes Werk. — Volk diesem Standpunkte aus mußte Bauern das Zudentbum ebenso entgegenstehen, wie das Christenthum, und nachdem er das letztere beseitigt, ist es natürlich, daß er an das Judenthum geht. Wahrscheinlich ist daher der gedachte Aufsatz nur ein Vorläufer, dem weitere Angriffe folgen. Um so eher ist es Pflicht, ihm sofort entgegenzutreten und ihn ruhig, aber mit Ernst zurückzuweisen. Diese Aufgabe haben wir uns gestellt. Wir werden Bauern Nachweisen, daß er vom Lnnern Leben des Menschengeschlechts einen sehr einseitigen Begriff besitzt, und daß er von diesem falschen Begriff aus das Judenthum auf's einseitigste beurtheilt. Noch einseitiger ist seine Anschauung vom Leben der Gegenwart, das er auf enghalsige Retorten zieht, und in welchem er daher die Dinge sämmtlich auf Nadelspitzen stellt. Zeitungsnachrichten. Rußland und Polen. Magdeburg, 20. November. (Privatmitth.) In Betreff der großen Reise des Herrn Or.Lilienthal durch die russischen Gouvernements, in denen Juden wohnen, ist uns der folgende Bericht aus der höchst zahlreichen Gemeinde zu Berdytschew in Bolhynien zugekommen. Wir lassen denselben gänzlich unverändert, weil die Leser daraus am klarsten den ganzen Geist, der dort zu erstehen beginnt, erkennen können. -Berdytschew, 20. Oktober. Den 30.Juli verließ der l>r. Lilienthal mit Hoffnung, Zweifel, Freude und Furcht gefüllt, St. Petersburg, und nachdem er seine Mission im Kurländischen und Lithauischen zu seiner und aller Gutgesinnten Freude auf's Vollkommenste und mit bestem Erfolge beendigte, kam er in eia neues Gouvernement, in eine neue Welt, in's Volhynische herein; hier wurde er über alle Erwartung mit größter Freundlichkeit und Bereitwilligkeit empfangen, und manche Stadt harrte seiner mit größter Bangigkeit und Ungeduld, besonders war die größte russische Judenstadt, Berdytschew, der Schauplatz des Kampfes zwischen Licht und Finsterniß, zwischen den Gutgesinnten und den verschiedenen Chasidim-Sekten! „Wann kommt er?" — „Wo ist er?" — „Warum säumt er?" waren die Fragen der Mrgeduldigen. „Er kommt nicht!" — „Er mußte zurück!" — „Die Sache ist «utzeschoben, aufgehoben!" re. war die Antwort und brr Trost der Chasidim und wie das vom Sturm bewegte Meer, so wogte es hier von Freude und Hoffnung auf der einen und von Furcht und Angst auf der andern Seite getrieben. Endlich am 2. d. M. bekam ich die frohe Nachricht seiner baldigen Ankunft und eilte mit dem geehrten Herrn Dr. Sperling Abends ihm in aller Stille entgegen, die finstere Nacht und ein Regenguß halfen uns ihn ohne Geräusch und Aufsehen in die für ihn vestimmte Wohnung zu bringen. Hier besprachen wir uns volle zwei Stunden, gegen 2 Uhr nach Mitternacht erst überließen wir ihn der Ruhe und gingen durch die schlafende, weder davon träumend,, noch ahnende Stadt nach Hause. Den Tag darauf, Freitag, den 3. verbreitete sich schon mit Tagesanbruch blitzesschnell die Nachricht seiner Ankunft, und ein dumpfes Getöse wie vor der Eruption des Vesuvs, erfüllte die ganze Stadt, es zogen wie vor einem fürchterlichen Sturm schwarze Wolken, Mißmuth und Angst um die Stirn vieler hiesigen Einwohner, gegen 10 Uhr versammelten sich die hiesigen Vornehmen, gingen ängstlich und mit zögernden Schritten den Herrn Dr. Lilienthal zu bewillkommnen, nach einem einstündigen Besprechen mit demselben kehrten dieselben beruhigt und heiter zurück und bald wurde die ganze Stadt mit Freuden und Wonne erfüllt, denn alle Parteien sahen in ihm den Erlöser ihrer vielen Leiden, alle sahen in seiner Mission die frohe Verkündigung besserer Tage! und den ganzen Nachmittag bewillkommten ihn alle übrige vornehmere Bewohner dieser Stadt. — Den folgenden Tag, Samstag, ging er, begleitet vom hiesigen Gemeinde- Vorsteher M. Kastaner, der sich für die gute Sache am thätigsten zeigte, zum Morgengebet in die große Synagoge. Hier wurden beim Vorlesen der Tora Dankgebete zum Allerhöchsten für's Heil und lange Leben Sr. kais. Majestät des allergnädigsten LandesvaterS Nikolaus I. sammt erhabener kaiserl. Familie, wie auch Sr. h. Exzellenz des menschenfreundlichen Ministers der Aufklärung, und Sr. Erlaucht des hochherzigen Ministers der Reichsdomänen, und endlich für's Wohl und lange Leben des geehrten Rabbiners und Dr. Herrn Lilienthal abgesungen. Nun