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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-11-19 · Heft 47 (19.11.1842) · p. Seite 691

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 47 (19.11.1842)
Date
1842-11-19
Page
Seite 691 (sequence 3)
Language
German
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691 ges aus diesem Aufsatze an. Zuerst wird das scheinbare Motiv des Rosas'schen Artikels, der Verfall der Medizin, geradezu entfernt. Da somit die Anschuldigung der jüdischen Aerzte auch über den Hausen fällt, geben wir die Worte des Or. O. „Worauf gründen Sie Ihre Argumentation? Aus Klagen — auf Behauptungen. Wer klagt, und warum? Herr Professor Rosas, und zwar aus dem leidigen Grunde, um sich ein Thema zu schaffen, das, wenn es auch wicht Zeitbedürfnisse postuliren, doch Veranlassung gibt, seine mächtige Stimme hören zu lassen. Sind auch schon öfter große Männer ausgetreten)'und haben auf die Klippen, die unserer Wissenschaft Gefahr drohten, aufmerksam gemacht, so war ihre Mahnung doch insoferne dankenswerth und zu beherzigen, als ihr Blick klar war, und sie ihren Gegenstand richtig erfaßten. Was Sie aber zu einer Zeit bezwecken wollen, wo die Medizin nach langem mühsamen Studium sich zur eigentlichen Wissenschaft wirklich erhoben, in einem Dezennium, dessen klare Morgenröthe auch lichten Tag dieser Kunst verspricht, dessen Eifer und Ausdauer wenig zu wünschen übrig läßt, und die fühlbaren Lücken allmälig auch ausfüllt, mit einem Worte, in dem Momente, in dem wir die Medizin als Kunst und Wissenschaft auf einer früher nie geahnten Stufe finden; — dieß zu enträthseln, ist meiner Fassungskraft unerreichbar. Fragen Sie vielleicht, was für Nutzen können wir für die praktische Medizin daraus ziehen? Sind wir in der Behandlung von Krankheiten deshalb glücklicher? Nun, so möchte ich Ihnen auch mit Bestimmtheit antworten, daß die Hülfsmittel, die uns zur Zeit geboten sind, die genauere Kenntniß der innern Lebensprozcsse, die nähere Bekanntschaft mit den stattsindenden Veränderungen, für sich allein freilich nutzlos für die Praxis, in Verbindung aber mit dem so oft staunenswerlhen Beobachtungsgeiste unserer klassischen Vorbilder gewaltig viel Einfluß auf den wissenschaftlich gebildeten j Arzt ausüben, dem es nun vergönnt ist, ruhiger und sicherer zu handeln, und einfacher zu behandeln. Eben darin liegt die Ausgabe des Arztes, daß er den Gang der Wissenschaft seiner Zeit richtig auffasse, das Brauchbare assimilire, die Schlacke aber sorgfältig ausscheide, und die gehalt- und bodenlosen Untiefen des falschen Wissens vermeide. Dieß im Allgemeinen. Woher aber die große Noth in Wien kommen soll, weiß ich wirklich noch weniger. Hildebrand tj, Bischofs u. A. scheinen mir in früherer Zeit den Verfall gerade nicht herbeigesührt zu haben, noch weniger aber Jäger, der allein schon seit Jahrzehnten Wien zum Wallfahrtsorte junger Aerzte stempelt. Die sogenannte jüngere Wiener-Schule gibt gerade auch kein bestimmtes Anzeichen von Rückschritten, im Gegentheile steht sie gegenwärtig gerade auf dem Punkte, Wien den früyern Rang unter den deutschen ärztlichen Bildungsanstalten, wie zu Zeiten eines Stoll und Peter Frank wieder zu vindiziren. Wo ein Rokitansky, Skoda, Schuh und mit ihnen viele junge vielversprechende Männer so segensreich .wirken, daß wir gerade dort einzelne Zweige der Medizin der wo möglichsten Vollkommenheit entgegengeführt finden, dieses rühmliche Streben aber, wie wir so oft zu beobachten Gelegenheit haben, vor jeder Einseitigkeit bewahrt wird, — da noch wie ein Blinder unter den Sehenden sich zum Stimmführer aufwerfen zu wollen, und vom Verfalle der Medizin zu sprechen, ist wahrlich schwer zu fassen. Haben Sie zur Erhebung dieser jüngern Schule nichts beigctragcn, wozu schlagen Sie so viel Lärm! Was täuscht Ihre edlen Sinne, oder wird bei Ihnen als Ophthalmolog — (eine ähnliche refleklirte Wirkung will man bei manchen Irrenärzten beobachtet haben) das Nichtsehen zur fixen Idee? Und wäre das Mißbehagen in loco gegründet, in welchem organischen Zusammenhänge steht dieß )nit der Wissenschaft? Was werden die Manen unserer alten Propheten von der logischen Divinalionsgabe ihres Kollegen im 19. Jahrhundert halten?" — —. Aber das ist ja Alles nur mit Haaren herbeigezogen, um nur gegen die Aerzte israelitischen Glaubens einen Bannstrahl zu schleudern. Nachdem nun der Vers, einen Blick auf die Vergangenheit geworfen, bespricht er deu jüdischen Arzt der Gegenwart folgendermaßen. „Ich will Ihre historische Unwissenheit entschuldigen, vielleicht haben Sie die Vergangenheit ignorirt, weil Sie an der Gegenwart eine festere Stütze Ihrer Behauptungen zu finden glauben. Sie tadeln den großen Haufen der Juden, weil sie handeln, und

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