Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-11-12 · Heft 46 (12.11.1842) · p. Seite 687

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 46 (12.11.1842)
Date
1842-11-12
Page
Seite 687 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225227-3225274--04806-3314418
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

687 zu retten; überhaupt ist eine wirkliche Toleranz so lange undenkbar, als auf die Äußerlichkeiten viel gegeben wird. Erst wenn man den Glauben als Glauben betrachtet, kann wahrhafte Ueberzeugung statt finden, deren sicheres Resultat eine allgemeine Verbrüderung ist. Diese Zeit aber — wie fern ist sie noch? Der zweite Punkt gibt zu dem ersten einen beweisenden Anhang. Die gestellte Forderung ist eine'verkehrte. Hatte man gesagt, wer diese und jene Bedingung erfüllt, sott nach Vollendung seiner Vorübungsjahre in vorgeschciebener Weise gleich jedem Christen auf freien Betrieb und Beförderung Anspruch haben, so kann man nach den Bestrebungen ohne jede Aussicht sicher schließen, daß die besten Erfolge sich gezeigt haben würden. So aber, wo Beispiele vergeblicher Anstrengung warnen, ist die Zurückschreckung eine natürliche und Jedem muß es sogar verdacht we/oen, thöricht in die Welt hinein zu handeln. Die fruchtlosen Bestrebungen zeigen es am deutlichsten, daß es sich nur um Vorwände dreht und das Wollen der einzige Grund ist. Beim dritten Punkte fühlt man sich in der That genvthigt, die Leute, welche von verbesserter Moral und Kultur sprechen, zu fragen, in welcher Schule sie denn nur Länder- und Völkerkunde gelernt haben —die Statistik können wir ganz ausschließen. — Die israelitischen Schulen Deutschlands sind doch immer noch bester, als eine unzählige Menge französischer, italienischer u. s. w. Stadt- und deutscher Dorfschulen. Warum trifft denn die christlichen Ungebildeten der fragliche Vorwurf nicht? Gibt es nicht ferner unter jeder Sorte Glaubensbekenner schlechte und gute Menschen. Oder haben vielleicht die Larmschlager jeden einzelnen Juden und Christen geprüft? Leider wisten wir nun zu wohl, daß manche hochgelahrte Herren in das Blaue greifen, um sich daraus verdichtete Luststeine zum Baue ihrer Trugschlüsse zu holen, weit es ihnen an Lebens- und Menschenkenntniß mangelt. Menschen sind keine Zahlen mit angeborenem Werthe und das Angehören zu einer Religionspartei macht um keinen Deut vorzüglicher. Nicht die Neligionsform, sondern das natürliche moralische Gefühl ist die Richtschnur der Handlungsweise bei den meisten Menschen. Die spärlichen Lehren, welche sie in der Schule empfangen, bieten keinen Haltpunkt durch's ganze Leben hin dar, sondern einzig die größere oder geringere Erreichung des Zivecks derselben, das moralische Gefühl zu erwecken, dessen Verfehlung bei jeder Form nur zu leicht möglich ist. — Ware jedoch die jüdische Schulbildung so mangelhaft. warum nimmt denn der Staat keine Obsorge, denn es kann doch nur ersprießlich für ihn sein, auf das Beste gebildete Untergebene zu haben; warum laßt er die Israeliten eine Last tragen, die über ihre Kräfte fast hinausgeht? — Aber wozu noch mehr von Dingen reden, die man sehr wohl kennt und geflissentlich ignorirt? — Wir können mit gutem Grunde unseren Reden hier ein Ziel setzen, denn die weitschweifigsten Untersuchungen würden doch immer nur auf den einzigen Punkt zurückführen: wir wollen die Juden nicht bürgerlich gleichgestellt wissen! Ferd. 33—n. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1^ Ngr. (1 gGr.)- Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift öder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. In meinem Verlage ist erschienen, und durch alle Buchhandlungen zu erhalten: Hebräisches und chaldäisches Schnl- Wvrterbttch über das Alte Testameut von Dr. Intilis Fürst, Lehrer an der Universität zn Leipzig. 10. broschirt. IThlr. 10 Neugroschcn. Der durch seine große hebräische Concordanz und andere sprachwissenschaftliche Werke rühmlichst bekannte Verfasser des obigen, für höhere Gymnasialklassen und angehende Theologen bestimmten Wörterbuches sagt von demselben am Schlüsse seiner Vorrede: „Die Anordnung des Ganzen ist alphabetisch, nicht etymologisch; die Haltung wissenschaftlich, nach dem jetzigen Standpunkt dieser Studien. Indem ich selbst neben dem Handwörterbuche und dem Thesaurus von Gesenius eine gewisse Selbstständigkeit erstrebte, befleißigte ich mich zugleich einer Kürze, welche ich für Förderung der Selbstthätigkeit und des Privatfleißes der Studirenden geeignet halten durfte." Auch die typographische Ausführung, der die größte Sorgfalt gewidmet wurde, so wie der niedrige Preis gereichen diesem Buche zur Empfehlung. Leipzig im October 1842.' Karl Tauchnitz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.