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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-11-12 · Heft 46 (12.11.1842) · p. Seite 680

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 46 (12.11.1842)
Date
1842-11-12
Page
Seite 680 (sequence 8)
Language
German
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680 gen war, so ist jetzt ein frisches, jugendliches Leben j voll Anstand und Würde in unfern Tempel eingc-! zogen. Viele Männer, Frauen und Mädchen, auj ßer den Predigt-Sabbaten und allenfalls i-fi und j s"-’ dem Belhause früher völlig entfremdet, finden sich jetzt fast jeden Freitag Abend und N2'2-Morgens in demselben ein. Mit freudigem Eifer werden unter Leitung des Musikdirektors der Herzog!. Kapelle Herrn Freudenthal (Israelit und Gemeindemitglied) und un- : seres trefflichen Vorsängers Herrn Goldberg die i Chöre und Gesänge cingeübt, welche zum Lobe des ' Höchsten in unseren Tempel erschallen. Sämmtliche! Responsorien zwischen der Gemeinde und dem Vorsänger sind dergestalt geordnet, daß beide Theile zur gehörigen Zeit einfallen, ohne daß man jenes dissonante Durcheinanderschreien mehr hört. Das feier-! lich melodische Anstimmen des ’n -p und i p» b» iT!“ beim Aus- und Einheben der Tora! schwillt jede Brust zur reinsten Andacht, und können wir die Gegner unserer neuen Institutionen nur bedauern, den Hochgenuß ähnlicher ergreifender Momente entbehren zu müssen. Die jedesmalige deutsche Rede des Herrn Dr. Hcrzfeld nach dem Lesen der Tora, welche mit wenigen gediegenen Worten sowol den Inhalt des eben Gelesenen, als etwaige Begebenheiten der Woche die Gemeinde betreffend, bespricht, und an welcher sich die Auszüge aus den Gebeten des r: und des für den Landesfürsten reihen, so wie der deutsch gesprochene Psalm nach dem erhabenen Gesänge des i^nb»3 per versetzen das Gemüth in die andächtigste Stimmung, und wer möchte das Gotteshaus nach dem Schlußgebet nrb? dessen E'J'iis i:n:»i und letzte Worte i »inn Dro langsam und feierlich von der Gemeinde j recitirt werden, wol ungerührt und ohne auf's Tiefste j erbauet zu sein, verlassen? — Wahrlich in der Seele jedes sittlich gebildeten Menschen müssen die eben gehörten barmonischen Töne noch lange nachhallen, und zur Befestigung frommer und tugendhafter Vorsätze begeistern. Der innigste Dank sei unserm hochverehrten Herrn Landes-Rabbinen und dessen geschätztem Assistenten, Herrn Lr. Herzfeld, sowie dem würdigen Gemeindevorstande, besonders Herrn S. Jüdel, dessen Thäj tigkeit für das Ganze wahrhaft bewundernswerth er- | scheint, hiemit für ein Werk ausgesprochen, dessen Folgen — da die Gottesdienstlichen Formen doch nun einmal in tausend zarten Faden durch das Leben des Juden ziehen — unberechenbar wohlthärig für Religiosität und höhere Sittlichkeit sein müssen. Möge der Allgütige unsere Gemeinde wie bisher mit innerer Eintracht und Frieden beglücken, um das zu seiner Ehre begonnene heilige Unternehmen im Geiste der Liebe und wahrer Frömmigkeit durchzuführen. Hannover, 30. Oktober. Das Judengesetz, welches früher in dieser Zeitung ausführlich mitgetheilt worden, ist nunmehr publizirt und in Gesetzeskraft gestellt worden. P r eußen. Berlin, 29. Oktober. (Privatmitth.) In diesen Tagen erhielten die 32 Wähler ein Cirkulärschreiben der Aeltestendeputation aus Dresden mit der Anzeige, daß Herr vr. Frankel sich endlich bestimmen lassen, die Oberrabbinerstelle anzunehmen. So ist denn dieser Wunsch bet. Vorsteher verwirklicht worden, und dem Ankömmling ist allerdings durch seine frühere Weigerung ein gutes Relief gegeben. Denn die Gemeinde kann sich dadurch ihm nur verpflichtet halten, da er in ihrer Mitte nur auf wiederholtes Bitten erscheint. Jedermann ist es klar, daß derselbe eine einflußreiche Stelle einnimmt, wie selten Einer in unseren Kreisen; mit dem Einflüße wächst freilich auch die Verantwortlichkeit. Zwar hat derselbe keine Obmacht über irgend eine Gemeinde des Staates außer Berlin, und würden sich die Provinzialgemeinden der schwerlich unterwerfen. Allein es handelt sich hier um eine viel höhere, schönere Macht, um die des Beispiels, des Vortritts, des geistigen Ansehns, das tiefer wirkt, je weniger es äußerlich fest abgegrenzt ist. Berlin hat unstreitig gewonnen, denn für Nichts, für einen völlig aufgelöseten Zustand tritt nun doch Etwas ein, an das sich die Hoffnungen und die Bestrebungen richten können. Inwiefern nun Realisirung und Besserung eintreten werde, muß die Zukunft lehren. Daß der neue Oberrabbi auch auf die Behörden Einfluß gewinnen werde, ist leicht abzusehen, so weit die preußischen hohen Behörden in jüdischen Angelegenheiten einen Einfluß gestatten. Jndeß ist doch damit

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