Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1842)
- Date
- 1842-11-12
- Page
- Seite 679 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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679 Laßt den frohen Ruf ertönen: Allem Guten allem Schönen Aus der braven Väter Zeit Bleiben ewig wir geweiht. Ham bürg, 20. Oktober. (Privatmitth.) In unserer bürgerlichen Lage ist noch nichts verändert; als daß sich das Gerücht von dem bevorstehenden Vorschlag wegen allgemeiner Grundbesitzfahigkeit erhält. Es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß die Bürgerschaft diesem Vorschläge nichts entgegen setzen wird; denn obgleich hier gewiß am wenigsten frei von Judenhaß, ist man doch zu praktisch klug, um zu verkennen, daß was die Juden besitzen zugleich Vermehrung des allgemeinen Reichthums ist. Solche Schriftsteller, wie die süddeutschen Judenfeinde, die sich in ihrer persönlichen Bettelhaftigkeit damit trösten, die Juden als Landplagen darzustellen, die sich an dem Marke des Volkes fettsaugcn, würde man hier gradesweges in's Narrenhaus sperren. Vorläufig werden indeß noch alle Ausschließungs- Gesetze aufrecht erhalten, als ob gar nichts Ungewöhnliches norgesallcn wäre. Kurz nach dem Brande wurden die jüdischen eu-pleiu-veut-Händler, die sich an verschiedenen neuen Stellen der Altstadt aufgestellt hatten, vor die Polizei beschieden und ihnen ihr Thun verboten, wo sie dann crwiederten, wäh- > rend des Brandes habe man sie mit vielem Beifall j an jenen Stellen Mitarbeiten sehen und nun dürfe i man ihnen das Waarenverkaufen an diesen Stellen : ebenfalls nicht verbieten. Ferner wurden jüdische j und deshalb unzünftige Schneider vor das Amtsge-! richt citirt, und ein abgebrannter Kaufmann, der um Zuschreibung eines neuerdings von ihm acquirirl ten Grundstücks auf dem Neuenwalle, eingekommen, > wurde den bestehenden Gesetzen gemäß abgewiesen. Wahr ist's indeß: auf jeden Fall möchte man gern, daß etwas für uns geschähe; allein daß man das so höchstselbst thun, ja sogar die Initiative dabei ergreifen muß — das wird gar zu sauer. Ha- \ den ja selbst hiesige, sehr human gesinnte Pastoren rS nicht wagen mögen in den Brand-Predigten auf unser Verhältniß anzuspielen und aus der großen Reform-Petition vom 8. Juli ist unsere Emanzipation nur als ein Lous-eoteullu heraus zu finden! So hat in Bezug auf uns noch immer alle Logik ein Ende, und selbst der Kindervers: „Wenn ich artig bin u. s. w." hört, wo es Juden gilt, auf, eine Wahrheit zu sein. —. Das große Hartwigsche Testament soll dem Vernehmen nach von Seitenverwandten angefochten werden. München, 13. Oktober. Einen eigcnthümlichen Akt mildthätiger Gesinnung, der auch schon bei der Vermählung unseres Königs Ludwig verübt wurde, wiederholte gestern die hiesige israelitische Gemeinde, indem sie die Genehmigung nachsuchte, an diesem Feste alle Gefangenen der Stadt, ohne Unterschied der Konfession, sowol Kriminal-, Civilwie Militärgefangene, auszuspeisen, damit auch diese den gestrigen Tag als einen frohen genießen sollten, als Mahnung zum Bessern. (N. C.) Braunschweig, I. November. (Privatmitth.) Ein gänzliches Stillschweigen über unsere verbesserten gottesdienstlichen Verhältnisse ferner beobachten, nachdem solche bereits über ein halbes Jahr mit den glücklichsten Erfolge eingeführt sind, und jetzt durch die wahrhaft begeisternde Feier das r-'H und s"’> die eigentliche heilige Weihe empfangen haben, schiene eine beinahe verletzende Gleichgültigkeit gegen so vieles Edcle und Schöne zu bekunden. Es sei mir daher erlaubt, Einiges über das Resultat der getroffenen Veränderungen hier zur Kenntniß zu bringen. Nachdem vor einigen Jahren mit bedeutenden Kosten eine Verschönerung der Synagoge bewerkstelligt (vor wenigen Wochen ist auch eine neu erbauete Vorhalle hinzugekommen), und deutsche Predigten längst hier eingeführt waren, stellte sich dringend das Bedürsniß heraus, zunächst verjährte Mißbräuche abzuschaffen, welche aber mit der Art zu beten selbst in so genauem Zusammenhänge standen, daß ohne eine theilweise Veränderung der Liturgie jene lief eingewurzelten Uebelstände unmöglich zu beseitigen waren. Und so entstand die bereits von dem Herrn Di-. Herzfeld in diesen Blättern motivirte Agende, eine höchst bedeutsame Erscheinung in den Annalen der heutigen bewegten jüdischen Zustände. Wenn bisher nur mit Mühe die dürftige Anzahl eines vom zur Zeit des Gebets zusammen zu brin-