Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1842)
- Date
- 1842-11-12
- Page
- Seite 674 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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674 rügen (Regensburg bei Mauz,), das die Presse tten* seitdLW afrer Las buchhändlerische Lager nicht verlasse», 'Zweite Autistrophe: Wir lassen nicht auf u«s warten, pariren den Streich, indem wir die angebrachten beweise in ihrer Nichtigkeit Nachweisen, die Stellung der neueren jüdischen Theologen zum und ibre Anschauung vom Christenthum in's rechte Licht stellen, und klar machen, daß Herr Hermes die Ausgabe un rer Zeit entweder nicht begriffen hat oder nicht begreifen will. Dritte Strophe: Das letzte Wort des Herrn Hermes. Er weiß die große Behauptung von der sittlichen Verwahrlosung der Juden durch nichts mehr zu stützen, als durch eine Anspielung ans die paderborn'schen Juden, die im Ankauf von liegenden Gründen beschränkt worden, und auf das napoleon sche Dekret. Wieder unglückliche Beispiele — denn diese Beschränkung im Paderborn'schen ist großtentheils wieder aufgehoben, und vom napoleon'- schen Dekret ist in Frankreich längst keine Spur mehr, in den deutschen Nheinstaaten nur wird es noch aufrecht gehalten, weil man nicht gern eine Bedrückung aus französischen Zetten aufhebt, nachdem man die Wohllha- ^ten jener Periode mit Elle vernichtet hat. Uebrigens ist dies nur ein fauler Fleck an der Gesetzgebung mehr, da es wrder den Spitzbuben nichts hilft, den ehrlichen Mann aber beschimpft. — Aber Herr Hermes holt in diesem letzten Wort" noch einige aufgehobene, versparte Schlage hervor. Er stellt sich in Positur, und spricht pathetisch: „Tie ganze Existenz der jüdischen Genossenschaften in ihrer Zerstreuung beruht auf einer großen Lüge. Die Juden, so lange sie von dem Judenthume sich nicht förmlich losgesagt haben, können den Anspruch nicht aufgcben, eine gesonderte Nation zu bilden." Und als großen, unwiderlegbaren Beweis fuhrt er an: „Zwar verlangen die gebildeten Juden in diesem Augenblicke von uns, daß wir, weil sie, auf deutscher Erde geboren, die deutsche Sprache als ihre Muttersprache reden, und mit uns Deutschen in einen Staatsverband aufgenommen sind, sie als gleichberechtigte Deutsche anerkennen sollen; aber wie Wenige giebt es unter ihnen, die, wenn wir sie fragen, ob sie sich früher als Deutsche oder als Juden fühlen, nicht ohne Rückhalt eingesiehen werden, daß das Letzte der Fall ist!" Wir danken, Herr Hermes. Schlagender konnte wot Niemand für uns argumentiren, als Sie, im gutmüthigen Wahne gegen uns zu beweisen, 1. Wir sind in Deutschland geboren, Deutschland ist unsre Heimath, unser Vaterland. 1!. Wir reden deutsch als unsre Muttersprache. UL Wir sind in einen St^atsverbcmd mit den Deutschen aufgMdmmrv. IV. Wir verrlanzLn, gleichberechtigt zZu sein. Uud wun wären wir »Lch him Deutsche? Herr, was macht Sie denn, was macht irgend Einen zum Deutschen, wenn nicht Vaterland, Sprache, Staat und nun gar das Verlangen, dem ganz, vollständig, ohne Unterschied anzugebören? Wo ist da die Lüge? Bei Ihnen ist sie, die trotz Vaterland, Sprache, Staat und Verlangen den Juden nicht als Deutschen anerkennen wollen, und warum? — weil er sich doch eher als Jude denn als Deutscher fühle!! £> du armer Jud', dem mau nicht einmal im Deutschen noch ein Fleckchen Gefühllwerden gönnt, da doch sonst der Deutsche außer dem Deutschen noch so Vieles sich zu fühlen erlaubt, z. B. als Preuße, Sachse, Baier, Würtemberger, und dann wieder als Schwabe, Franke, Schlesier, Pommer, und dann wieder als Katholik, Reformirter, Lutheraner ff. ff. Euch sei Alles gestattet, selbst als Krähwinkler und Burtehuder sich noch ganz besonders zu fühlen, nur der Jude soll als Deutscher völlig deutsch und nur deutsch und ganz allein deutsch, und auch nicht ein wenig jüdisch fühlen. Doch wozu dies Alles? Bester Herr Hermes! Sie und Ihre Gleichgesinnten sind doch nur wie der Vogel Strauß, der, wenn er seinen Kopf in den Sand gesteckt, behauptet, der Jäger sei nicht da. Sie können nun einmal dem Judenthnm keine Entwickelung zugestehen, Sie können nun einmal die Juden sich nicht anders denken, als mit dem Päckel auf dem gekrümmten Rücken binter dem Zaun, und — was soll man nun mit Ihnen vornehmen? Nein, ich schleudere es Euch in das Angesicht: es ist keine Lüge, daß wir Bekenner der Religion Israel s sind und sein wollen, und dennoch Deutsche, und weil wir Beides sind und vereinigen, so gut Ihr Deutsche und Christen seid, sind wir durch unser Vaterland, das Ihr uns nicht nehmen, unsre Sprache, die Ihr uns nicht rauben, den Staat, den Ihr uns nicht entziehen, das Verlangen, das Ihr in uns nicht unterdrücken könnt, gleichberechtigt—d. h. mit g lei ch em Anspruch, wenn auch noch nicht zugestanden, ertheilt. So hat sich denn Herr Hermes wacker von einem Laufgraben in den andern, von einer Verschanznng in die andere gewunden und retirirt: vom christlichen Staat in die Verwahrlosung, von der Verwahrlosung in den Haß des Juden, vom Haß in die Lüge des Juden, und jede hat er als unhaltsam fahren lassen. Doch nein, so ein kleiner, verlorner Posten ist noch übrig geblieben, in