Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1842)
- Date
- 1842-11-05
- Page
- Seite 669 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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669 Der ehrenwerthe Verf. will seiner Gemeinde darlegen, was sie von ihm zu erwarten hat, und er bedient sich hierzu der deutlichsten Darlegung. Die Wendung, die er dem Ganzen giebt, ist aus dem Titel zu ersehen; nun zeigt er, indem er sich als „ein Jünger der neuen, religiösfortschreitenden Schute, in deren Geist er streben und wirken werde," bekennt, daß deren Streben ist, „ihre Pflegekinder 1. zu ächtglaubkgen Israeliten 3. durch einen gründlichen und geordneten Religionsunterricht der Jugend, b. durch einen zur Andacht und Erbauung stimmenden und Belehrung ertheilenden Gottesdienst, und e. durch eine höhere religiöse Weeye, die den einzelnen Hauptmomenten im jüdischen Leben (Konfirmation, Trauung, Leichenbegangniß) gegeben wird, zu machen; 2. zu wahren Staats¬ und Weltbürgern, und zwar a. durch das Erwecken des Triebes und Sinms für allgemeine Bildung und Wissenschaft, b. durch gemeinnützige Beschäftigungen, vorzüglich mit Handwerken und Ackerbau, e. durch Einprägen der allgemeinen Menschenliebe und Menschenpflichten. In der Erörterung dieser Punkte blickt der Redner auf die früheren Zustände und vergleicht sie mit den jetzigen Bestrebungen, wo er stets zu dem Resultate kommt, daß die neueren Anstrengungen lediglich aus die frische Belebung des JsraelitenthumS gerichtet sind. So liegt also dem Verf. das Ziel seiner Bemühungen so klar vor Augen, daß wir ihm nur Erreichung seiner frommen Zwecke wünschen können. — Israelitische Predigt- Bibliothek, nebst Aufsätzen über Kultus-Angelegenheiten. Im Vereine Mehrerer herausgegeben von S. L. Liepmannssohn. Erster Band. Erstes Heft. Lippstadt, 1842. Das vorliegende Heft soll der Beginn eines Unternehmens sein, welchem wir kräftige Unterstützung sowol von Mitarbeitern als Abnehmern wünschen, das aber unter den obwaltenden Verhältnissen schwer auszuführen sein mag, da, bei dem regen anderweitigen journalistischen Treiben bloß homiletische Zeitschriften nicht gedeihen wollen, und z. B. die „Synagoge" bald eingegangen. Der Verf. ist als ein auf diesem Gebiete höchst strebsamer Mann bekannt, dem aber der rechte Wirkungskreis nicht werden will. Der Inhalt dieses ersten Heftes ist: eine Neujahrspredigt und zwei Vorträge vom Herausgeber. Derselbige gehört zu den Rednern, welche allgemeine Wahrheiten gut und treffend auszudrücken wissen, wenn sie auch nicht tiefer zu dringen und höher sich zu erheben verstehen. Es sind dies für die Masse der Zuhörer die erwünschtesten Sprecher, da sie faßlich und geradezu auf das Bedürfniß losgehen. Ferner: zwei Traureden von Woldemar Wolfsohn, die jedenfalls zu — lang sind (12 Großoktavseiten jede;) zu weit ausgeholt (z. B. in der ersten beginnt I. mit der Schilderung des sechsten Schöpfungstages!) Im Uebrigen spricht der Verf. lieblich, angenehm und gefühlvoll. Dies zeigt sich insonders in der darauf folgenden Konsirmationsrede von dems. über Micha 6, 8., die uns sehr angesprochen. Dann folgt „das Ganze einer israelitischen Konfirmation" vom Herausgeber, der mehre derartige bereits veröffentlicht hat, weshalb unsre Ansicht darüber nicht zu wiederholen steht. Am Schlüsse ein Aufsatz über den Hamburger Gebetbuchstreit, der, aphoristisch gehalten, sich für den Tempel erklärt. Aus dieser Jnhaltsanzeige geht wol genugsam hervor, daß Viele mit Nutzen und Erbauung das Heft durchlesen werden, weshalb wir den besten Fortgang wünschen. — Den Eltern wohlthun, der Kinder höchstes Glück. Predigt von Dr. Moritz Loewe, (weiland) Religionstehrer und Prediger der israelitischen Gemeinde zu Güstrow, 1842. Anstatt einer Beurtheilung dieser Predigt sei hier eine Notiz über den früh verblichenen Verfasser, der Treffliches versprochen, gegeben. Am 8. April 1815 zu Altstrelitz geboren, frühzeitig schöne Anlagen verrathend, besuchte er bis Michaelis 1836 das Gymnasium in Neustrelitz, besuchte die Universität in Berlin, erhielt 1840 die Doktorwürde, und wurde Anfangs 1841 Religionslehrer und Prediger der Gemeinde Güstrow. In diesem Amte zeigte er ein vorzügliches Rednertalent, einen frommen Eifer für die heilige Sache des Glaubens, und seine Gemeinde konnte sich der besten Früchte erwarten, als der Tod ihn am 8. Juni d. I. der irdischen Laufbahn entrückte. Die Theilnahme war allgemein, der Religionslehrer Traube zu Butzow hielt die Leichenrede, und die Gemeinde hat eine namhafte Summe gesammelt, ihm ein Monument zu setzen. Einige Predigten und Rezensionen sind die gedruckte Hinterlassenschaft, die bei längerer Lebensdauer gewiß Werthvolles umschlossen hatte. — Magdeburg, 12. Oktober. Angekommen: Predigten von Dr. Naphthali Frankfurter. I. Abtheilung. Festpredigten, gehalten im neuen israelitischen Tempel zu Hamburg. Hamburg, 1842. Daß wir in Frankfurter ein eminentes Rednertalent besitzen, ist in diesen Blattern schon öfter und gern anerkannt worden. Um so freudiger nahmen wir diese Sammlung entgegen, und 45