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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-11-05 · Heft 45 (5.11.1842) · p. Seite 667

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 45 (5.11.1842)
Date
1842-11-05
Page
Seite 667 (sequence 7)
Language
German
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667 gar Zänkereien bei den erhebendsten Gebeten auf dem ihnen angewiesenen zweiten Chor fortsetzten, worauf sie auf eine kurze Zeit aus der Synagoge gewiesen wurden. Daß dieser Akt nicht ganz ruhig geschehen konnte, versteht sich von selbst, soviel aber kann versichert werden, daß außer den dabei betheiligten Personen Niemand sich in diese Sache eingemischt hat, um wieviel weniger von einer gegen den Choralgesang feindlich gesinnten Partei die Rede sein kann.— Bei dieser Gelegenheit halten wir es für rathsam, einen kurzen Bericht über den hiesigen Gottesdienst mitzutheilen, um die zwar genugsam besprochene, ab"r bis jetzt noch selten eingeführte Synagogenordnung in Anregung zu bringen. Denn jeder wissenschaftlich Gebildete kennt wohl daS Baüner, um das sich in der neuern Zeit das religiöse Leben in Israel zu schaaren und zu regeneriren ansangt; es ist die Synagoge mit ihrer Predigt, die einerseits dem im Judenthume fühlbar gewordenen Jndifferentismus, andererseits der Verknöcherung und Verstümmelung des Gedankens, in eine Blasphemie ausartend, zu steuern, und die am Herzen des Judenthums liegende Eisrinde durch die Strahlen des gemüthlich-geistigen Ausdrucks hinwegzuschmelzen, und es für das geistige Leben zu erwärmen beginnt. ES ist daher ein freudiges Gefühl, von einer nicht unbedeutenden Gemeinde wie die hiesige berichten zu können, wie sie, dem geistigen Fortschritte folgend, mit der Bewahrung und Pflegung alles dessen, was dem religiösen Leben förderlich sein kann, mit unermüdetem Eifer sich beschäftigt, und wir müssen es dankend anerkennen, daß kein einziges Mitglied sich mit der neu eingeführten Synagogenordnung unzufrieden zeigt. Ref., dem es nach mehreren Jahren gegönnt ist, hier wieder einige Zeit zu verleben, wird nie den tiefen Eindruck vergessen, den er beim Eintritt in das neu erbaute, prächtige Gotteshaus empfing, als eine feierliche Versammlung in heiliger Andacht, angeführt von einem, aus 40 Knaben bestehenden Chor, das Gebet verrichtete, das sich nach einer, vom hiesigen Rabbiner in rein deutscher Sprache gehaltenen Predigt nur desto feierlicher gestaltete. Welches heilige Gefühl bemächtigte sich der andächtig Betenden! Gewiß, unsere Vorältern, erstünden sie aus ihren Gräbern, und wohnten diesem Gottesdienste bei, sie könnten nur Freude darüber äußern. Wie erhebend ist! hier nicht am Versöhnungstage der Anblick des Gotteshauses, das von den Herren Vorstehern auf's sorgfältigste, dem Tage angemessene Weise, verziert wird, besonders verdienen die schönen, weißen Wachskerzen, die in doppelten Reihen auf eigends dazu eingerichteten Terrassen das vnipn vm beleuchten, hier rühmliche Erwähnung. Ein merkwürdiges Beispiel des geistigen Einflusses, welchen diese schöne Ordnung auf die Gemüther ausübt, kann wohl nrraia min abgeben, an dem doch in früher» Jahren nichts weniger als gebetet wurde, und wahrlich! an dem Versöhnungstage bedarf es keiner größern Andacht, als der, mit welcher hier am min nroxa der Gottesdienst abgehalten wurde. Ein Choralgesang, aufgeführt von etwa 80 Choristen, die schon vorher besonders zu diesem Akt eingeübt wurden, weihten ihn durch die Herzergreifendsten Gesänge ein, und allen Anwesenden theilte sich ein so heiliges Gefühl, eine so wahrhafte Begeisterung mit, daß fast in jedem Auge Thränen der Rührung standen. Daß ein solcher verbesserter Kultus seinen Zweck nicht verfehlt, und den Sinn selbst für das cermonielle Judenthum nicht erkalten läßt, beweist hinlänglich der glühende Eifer, der in Allen ohne Ausnahme für das religiöse Interesse pulsi'rt, und so geschah es, als am Sonnabend zwischen dem Neujahrs- und Versöhnungstage der hiesige Rabbiner eine Ermahnung, unter andern auch über die Vernachlässigung des Reinigungsbades (rnpv) hielt, Sonntags darauf die Herren Verwaltungsbeamten und Repräsentanten eine Sitzung anberaumten, zufolge welcher 1500 Thlr. zum Bau einer neuen, an der Warthe gelegenen nipu bewilligt wurden. Am meisten beseelt 'ein solcher frommer Sinn und thätiger Eifer für alles wahrhaft Gute und Schöne unsere Herren Vorsteher, an deren Spitze Herr Hirsch Liepmann Krakau steht, unter deren Leitung die hiesige Gemeinde sich hoffentlich noch vieles Segenreichen zu erfreuen haben wird. Mögen unsere Worte im alleinigen Gefühle unserer Religion gesprochen bei unfern Mitbrüdern Anklang finden, und mögen andere Gemeinden nicht anstehen, eine ähnliche Kultusoerbesserung in's Dasein zu rufen, damit das religiöse Leben immer mehr an Umfang gewinne, und in allen Gemüthern Wurzel

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