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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-11-05 · Heft 45 (5.11.1842) · p. Seite 662

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 45 (5.11.1842)
Date
1842-11-05
Page
Seite 662 (sequence 2)
Language
German
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662 hunderten beschäftigte; und hätte die Toleranz ihren woPthnawden Einfluß früher geltend gemacht —diese KLppe irriger Begriffe wäre längst durch die Allgewalt der Geistesfortschritte zerschmettert und unsre Vorfahren wären bereits Zeugen der Reformen, welche jetzt allmälig an das Tageslicht kommen." „Unmöglich wäre es, daß die veränderten religiösen Begriffe ohne Einfluß auf die Art des Gottesdienstes sein sollten. Das Bedürfniß einer Reform wurde zuerst und am stärksten in Deutschland fühlbar. Die Einführung der Predigten in der Nationalsprache hatte das dringende Bedürfniß zur Folge: der Andacht jene ursprüngliche unbefleckte Form wieder zu verleihen, die die Gottesfurcht würdig darstellt und wohlthucnd auf die Moralität und Sittenveredlung des Volkes einwirkt." „Stilles Gebet erfüllt vor allem die Seele mit Inbrunst und Andacht; und so wie das Gebet als individuelles Organ des religiösen Gefühls zu betrachten ist, so sind auch Predigt, Gesang und Musik als allgemeine Repräsentanten des Gottesdienstes anzusehen. Gemeinsam drücken sie am kräftigsten die religiösen Gefühle aus; sie sind es ja, welche seit den frühesten Zeiten den mächtigsten Einfluß auf das Erbauen und Erheben eines reinen unbefleckten Gedankens zum Allmächtigen ausübten." „Auch bei uns offenbaren sich immermehr Beweise eines kräftigen Strebens; wir bewillkommnen sie mit um so größerer Freude, als sie der ursprünglichen Quelle entstammen, die der Bildung an hiesigem Orte die wahre Richtung gab." — „Die Einführung neuer Andachtsform, die Einrichtung eines aus den Schülern bestehenden Ehors, welcher an Gallatagen für das Wohl unsres allgnädigen Monarchen Hymnen anstimmt und an Festtagen unter Anleitung eines eigens hiezu engagirten Kantors den Gottesdienst verrichtet; die Gründung einer ihrer Bestimmung würdig entsprechenden Synagoge — alles dies verdanken wir der hiesigen Rabbinerfchule." „Wir hatten mehrmals Gelegenheit bei einem mit Chor begleiteten Gottesdienste einige vortreffliche Reden vom vr. Goldschmidt zu hören und erledigen uns hiemit der angenehmen Pflicht, dem unermüdeten Eifer des Direktors der Rabbinerschule Herrn A. Eisenbaum, welcher bei thätiger Mitwirkung einiger edlen und erlauchten Mitglieder diese Synagoge gründete und erhob, unfern aufrichtigen Dank abzustatten." XXX. Obige Zeilen liefern den erfreulichen Beweis, daß auch hier sich ein regsames Leben in den religiösen Fortschritten offenbart, daß wir nicht bloß unthätige Zuschauer bei dem Vorschreiten unsrer auswärtigen Glaubensbrüder bleiben; und sehen wir der nahen Zeit mit Freude entgegen, wo wir uns vom drückenden Vorwurfe werden freisprechen können: noch kein der Größe unsrer Gemeinde angemeffenes Gotteshaus zu besitzen. Ganz besonders muß hiemit unsrem würdigen, in diesem Blatte schon oft rühmlichst rwähnten, Prediger Dr. Goldschmidt Genugthuung geschehen, der von der Menge zu bekämpfender Widerwärtigkeiten nicht müde gemacht wird und von dem wahren Grundsätze ausgehend, daß Sti^stand schon ein Rückstand sei, seiner Aufgabe mit aller Energie eines von der Wahrheit beseelten Geistes treu bleibt; aus dessen kraftvollen und erbauenden Reden wir immer neue Lehren und Wahrheiten schöpfen. Seltene Geistesgaben und eine musterhafte Beredsamkeit legte er in seinen Predigten am Neujahrs- und Versöhnungsfeste an den Tag. — H. M. St. Petersburg, im September. (Privatmitth.) Im neunten Generalberichte Seiner hohen Exzellenz, des Herrn Ministers der Volksaufklärung Uwaroff an Seine Majestät den Kaiser über das Ministerium des öffentlichen Unterrichts für das Jahr 1841 heißt es in Betreff der Juden: „An dem lebhaften Drange die öffentlichen Lehr- „anstalten zu unterstützen und zu pflegen, an die- „sem, sowol mit den Absichten Ew. Majestät, als „auch mit der reifern Ueberlegung von dem wah- „ren Besten des kommenden Geschlechtes so über- „einstimmenden Drange nahmen auch die übrigen „Stände des Staates Theil. „Besonders während des Jahres J841 erwachte „dieses Gefühl auch unter den im Reiche lebenden „Israeliten, deren Mehrzahl leider noch hart- „näckig bei ihren ererbten Vorurtheilen und in ih- „rer Jahrhundert langen Erniedrigung verharret. „Der Gedanke, dieses unglückliche Volk mit der „bestehenden Ordnung auszusöhnen, es mittelst „einer gründlichen Bildung zu veredeln, ein Ge- „danke, welcher schon so manche gekrönte Häupter

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