Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1842)
- Date
- 1842-11-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225273--04779-3314390- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VI Z-Hrg-Ug. Allgemeine No. 4L. Zeitung des Zndrnthnms. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Verlag von Dr. Ludwig Philipps««, Baumgartners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concefsion.) Leipzig, den 5. November 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.f.w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22£ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Me Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere; hat sich die Königl. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Rußland und Polen. Wilna, 18. Oktober. (Privatmitth.) Der Herr l)r. Lilienthal, bevor er seine Rundreise unternommen, hat Hierselbst ein, sehr schön und in fließendem Hebräisch abgefaßtes Sendschreiben an die russischen Juden erscheinen lassen, welches er bei seinen Reisen vertheilt. Es führt den Titel tah Dasselbe enthält eine Erzählung alles dessen, was bis jetzt in der ruffisch-jüdischen Schulangelegenheit geschehen ist, und die das den Lesern von No. 41 dieser Zeitung Bekannte bringt, und hieran eine kräftige Aufforderung schließt, bei den zukünftigen Schritten den weisen und humanen Absichten der Regierung entgegenzukommen. Warschau, I. Oktober. (Privatmitth.) In der 255. No. der 6»reta coiirienna lesen wir Folgendes: „Ueber den Geisteszustand der Juden in Polen." „Die jüdische Religion unterlag, seit anderthalb Jahrtausenden mannichfachen Anfeindungen preisgegeben, im Mittelalter unterdrückt, in der späteren Zeit verfolgt und am Ende geduldet, allen diesen Beschwerden in Folge ihres Kultus und der von ihren Bekennern angenommenen Gebräuche, die der blinde und wilde Fanatismus, ihren Zweck nicht begreifend, haßte und unterdrückte. Alle diese Verfolgung scheiterten jedoch an der löblichen Beharrlichkeit und Ausdauer der Bekenner jüdischen Glaubens in den von ihren Vorfahren geerbten religiösen Gebräuchen." „In einer immerwährenden Wanderung die verschiedensten Länder durchstreifend, die, zwar den Juden auf gewisse Zeit Schutz gewährten, ihren Aufenthalt jedoch nur dazu benutzten, um sich durch sie zu bereichern, und die ihnen alsbald nicht nur ihre Obhut entzogen, sondern sie sogar mit gewaffnetem Arm aus ihrem Schooße entfernten — in diesem unaufhörlichen Nomadenleben und im verzweiflungsvollen Kampfe gegen Fanatismus und Unbill bewahrten sie sämmtliche Gebräuche unangetastet und unberührt bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts; sie sahen das Entstehen und den Zerfall verschiedener Sekten und Lehren, die Gründung und den Sturz vieler Reiche, die Kreuzzüge und die Reformation; und alle diese Umstaltungen gingen an ihnen vorüber, ohne auf ihren Geist, religiösen Kultus, noch auf ihre Traditionen den geringsten Einfluß auszuüben." „Würde das Wachsthum und die Entwickelung der Reiche den Fortschritten des Geistes und der Industrie in gleichem Verhältnisse folgen; hätte der Fanatismus und die Leidenschaft das moralische Emporsteigen der Nationen nicht von dem physischen abhängig gemacht; hätte der Genius des neunzehnten Jahrhunderts den Schleier früher einem Werke entzogen, welches ihn im Stillen schon seit Jahr-