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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-10-29 · Heft 44 (29.10.1842) · p. Seite 653

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 44 (29.10.1842)
Date
1842-10-29
Page
Seite 653 (sequence 9)
Language
German
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653 Wirklich ist auch in diesem Buche von dem Verfasser bei jedem einzelnen seiner Gedichte, das profane Gedicht nebst dessen Melodie, nach dem das hebräische verfertigt wurde, genau angegeben. Es ist übrigens merkwürdig, daß sich in der christlichen Welt im dritten Jahrhundert etwas Aehnliches ereignet hat. (Rambach Anthologie der Kirchengesänge Thü 1. S. 46.) Zu den Rabbinen welche Piutim dichteten, gesellten sich auch noch die Chasanim (Vorsänger), welche in srühern Zeiten gewöhnlich talmudisch gelehrt waren, und zum Theit rabbinische Funktionen ausübten. Man sah auch sehr auf ihre Gelehrsamkeit und zog einen talmudisch gelehrten einem unwissenden vor. Die Geonim ' haben bereits entschieden, daß gelehrte Chasanim den | bloß schönsingenden vorzuziehen seien, (Mordecha Chullin Abschnitt I) und es blieb dies wahrscheinlich recht lange Sitte. Erst spater scheint dies sich verändert zu haben, und Rabbenu Ascher (Responsen Hauptstück 4, No. 22) klagt sehr darüber. Diese Chasanim, welche überhaupt manchen Einfluß auf die Liturgie ausübten, verfertigten auch verschiedene Gebete. Manche derselben waren ebenfalls zu ihrem eigenen Gebrauche bestimmt, und zwar in der Qualität eines Vorsängers, welches durch verschiedene Anspielungen ersichtlich ist. Im deutschen Ritual findet sich dies häufig (Rappoport: Kalir Anmerkung 24). Seltener ist dies im span. Ritual der Fall, obwohl sich hier und da ebenfalls derartige Spuren vorfinden z. B. in einem Gebet von Moses ben Esra, anfangend *>m ■'isi» fil?« (für den Versöhnungstag), wo folgende Stelle hierher zu ziehen ist: ynizn tPiin N22 ■"»öss , trrn^ ü*, „ich nahm mir die Erlaubniß von dem erleuchteten Volke, mein Jnnres ist für sie alle tief bewegt/' Es muß hier noch bemerkt werden, daß man für das Neujahrfest und den Ver- 1 söhnungstag, nach talmudischen Bestimmungen, gerne einen Talmudisten als Vocbeter hatte, und daß viele Talmudisten und große Rabbinen an diesen Tagen die Gebete öffentlich verrichteten als Vorsänger. In der ältern Zeit haben die Chasanim, allem Anscheine nach, die Gebete öffentlich laut recitirt und die Gemeinde hat in stiller Andacht zugehört, so wie überhaupt am Neujahrs- und Versöhnungstage zu den Zeiten des Talmuds, nach der Meinung Einzelner, der Vorsänger für die Gemeinde betete und sie nur still zuzuhören brauchte, wenn sie nicht bewandert war in den Gebeten. (Rösch haschana S. 34.). Einige Piutim waren so eingerichtet, daß der Vorsänger und die Gemeinde Vers um Vers wechselten, oder daß die Gemeinde einen Refrain des Gedichtes wiederholte. Ewige Gebete, die auf uns gekommen sind, lassen dieses vermuthen z.B. das *p:a» sin« (Ehrensäulen @.95) und verschiedene andere Gebete im deutschen Ritual, die noch heute so vorgetragen werden z.B. das VT2«, ynb? "pn Tm«Ji u. s. w." — 4. Verbreitung und Kreislauf der Piutim. „Die Verbreitung dieser Piutim mochte durch die Schüler der Rabbinen, deren Ruf oft aus fernen Ländern viele Jünglinge herbeizog, ziemlich befördert worden sein, da diese, wieder nach Hause zurückgekehrt, gewiß nicht unterlassen haben werden, die Piutim ihrer Lehrer in Abschriften zu vervielfältigen und dieselben in ihrer Heimath einzuführen. Auch wandernde Vorsänger mochten das Ihrige beigetragen haben zur Verbreitung der Piutim, und konnten auch die Melodien derselben mit verpflanzen, wo sie sich einfanden/' Der Vers, hätte hier auf die Wanderungen und Uebersiedelungen der Massen selbst mit Recht Hinweisen können. Jetzt führt er die vorzüglichsten Peitanim an, die bis zum Jahre 1600 reichen. — 6. Einflüsse, welche bei der Bildung der Piutim wirksam waren. Deren macht der Vers, zwei geltend: den Talmud und die maurisch-spanische Kultur. — 7. Rückwirkung der Piutim auf die Literatur ver Israeliten. — 8. Benennungen der Piutim. — Zweites Hauptstück, über die Piutim im Besondern. Hier werden Inhalt und Arten der Piutim auf systematische Weise geordnet. Es ist dies das erste Mal, daß diese Masse in logischen Schematismus gebracht worden, und der Verf. hat dieses auf's beste durchzuführen gewußt, wobei jedoch nicht zu vergessen, daß die Piutim bisweilen gemischter Art sind. Dukes ordnet sie so, woraus man wenigstens die Uebersicht des Verfassers bemerken kann: 1. Piutim nationalen Inhalts, A. didaktischen Inhalts, a. bU daktisch-talmudische Piutim (Ascharot, einzelne versisizirte Gebote), b. halachitische Tempelerinnerungen, «) Seder Aboda, ß) Seder Tamid, c. Piutim dogmatischen Inhalts; JB. historische Piutim, a. biblisch-historischen Inhalts (Opferung Isaaks, Auszug aus Aegypten, Ertheilung des Gesetzes, Mosis Tod, Geschichte des Jona, Purim, Chanukka); b. tragischen Inhalts (Zerstörung Jerusalem's, die zehn Märtyrer, die Frau mit den sieben Kindern,) e. lyrische Piutim a) Ehrenpreis Jerusalem's, ß) Sehnsucht nach Befreiung, y) AUegorieen. II. Piutim allgemeinen Inhalts, A. die Ermahnung, a. Ursprüngliche Reinheit der Seele, b. Vergänglichkeit 44

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