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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-10-29 · Heft 44 (29.10.1842) · p. Seite 652

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 44 (29.10.1842)
Date
1842-10-29
Page
Seite 652 (sequence 8)
Language
German
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652 durch würde, was sich sehr häufig in der Wirklichkeit schon ergibt., durch gesetzliche Form berechtigt. — In Bezug auf die Hindernisse, welche man der jüdischen „Aufklärung" öfter in den Weg gelegt hat, heißt es ganz richtig: „Nur eine unmoralische und für ihre Urheber wie die Verletzten gleich schädliche Politik kann solchem Ringen nach Licht und Wahrheit in den Weg treten." Sogleich aber kommt die schiefe Bemerkung hinzu, ein solches Verfahren „würde sie weit eher zu Garnichtsglaubenden als zu Christen machen rc." Wir schließen mit einem Satze, von dem zweifelhaft bleibt, ob er in grammatischer oder logischer Beziehung fürchterlicher ist: „So zu Mitarbeitern an allen bürgerlichen Geschäften, theils herangebildet, theils herangezwungen, und durch Familienbanden uns einverleibt, würde nach einer Reihe von Jahren jede Beschränkung, die jetzt nur eine gerechte Nothwehr ist, eine Ungerechtigkeit sein." Bedarf es noch mehreren Beweises, daß dem Verf. der Kern der Judenfrage unzugänglich geblieben ist? Literarische Nachrichten. Magdeburg, 4. Oktober. (Fortsetzung der Rezension von: Dukes' zur Kenntniß der neuhebraischen religiösen Poesie.) '„Bei den ersten Peitanim, sagt der Verfasser, mochte ohne Zweifel — wie früher bei den Tatmudisten, welche Gebete verfertigten — innere Anregung die erste Ursache gewesen sein, und die Piurim, welche sie zur Ehre Gottes verfertigten, waren wahrscheinlich zu ihrem eigenen Gebrauche bestimmt. Diese Gebete konnten dann in den Orten, wo die Peitanim wohnten, leicht in die Synagoge eingeführt werden, vielleicht gar ohne Hinzuthun der Verfaffer selbst. Es konnte dieser Fall um so mehr eintreten, wenn die Verfasser dieser Piutim im Rufe der Heiligkeit und der großen talmudischen Gelehrsamkeit standen, welches bei den meisten wirklich der Fall war. Manche berühmte Rabbinen, welche sich in ihren Gemeinden Autorität genug zutrauten, mochten vielleicht auch einige Piutim gleich zum Gebrauch für die Gemeinde verfertigt haben, theils um den Gottesdienst dadurch abzurunden und zu vervollständigen, so wie auch manche Belehrungen dadurch zuzuführen; theils aber mochte durch diejie Piutim bezweckt werden, den gemeinen Haufen, welchen der Müßiggang an den Festtagen zu manchen allzuweltlichen Beschäftigungen verleitete, worüber schon im Talmud geklagt wird, durch die längere Anwesenheit in der Synagoge davon abzuhalten. So heißt es im jerusalemischen Talmud: R. Jehuda hanaßi sagte: „fände ich jemand, der sich mir anschlösse, so hatte ich das Arbeiten an den Festtagen erlaubt. Denn die Schrift hat dieselbe nur verboten, damit man dem Studium des Gesetzes obliegen soll, und sie beschäftigen sich nur mit eitlen Dingen." Manche mochten sich auch dem Anhören der öffentlichen Vorträge, welche die Rabbinen an Festtagen hielten, entziehen, und so traten theilweise >ie Piutim an die Stelle derselben. Dies Alles zusammengenommen mochte auch die Ursache sein, warum die Piutim in die Gebete selbst eingeschaltet und so integrirende Theile der Liturgie wurden, welches s^gar hier und da unter den später» Rabbinen Veranlassung zu Streitigkeiten gab. Ein anderer bis jetzt wenig ' beachteter Grund bec Entstehung der Piutim, mag folgender Umstand sein, welcher desonders bei spanischen Peitanim seine Gültigkeit haben mochte. Die Araber nämlich hatten einen bedeutenden Ueberfluß von Liedern, welche nicht des erbaulichsten Inhalts waren und mit gewissen Melodien im Munde des Volks zirkulirten. Jsak Alphesi erwähnt solche in seinen Responsen (No. 210.). Jüdische, fromme Peitanim mögen solche Melodien häufig singen gehört haben, und können leicht auf den Gedanken gekommen sein, den profanen Melodien heilige Lieder unterzulegen, und so die arabischen Lieder aus dem Munde des Volks zu verbannen. Daß dieses in späterer Zeit wirklich der Fall war, bezeugt Israel Regara im Vorworte zu seinen Semirot Israel. Dem Sinne nach, lauten seine Worte daselbst wie folgt: „Der Mund der Lügner und derjenigen, welche Liebeslieder singen, wird verschlossen werden, wenn sie die Gedichte sehen werden für den König des Friedens (Gott), die in wohlgeordneten Reihen sein Lob besingen, und seine Macht preisen mit lieblichen Worten. Sie werden gerne den Stab der Herrlichkeit festhalten, denn man kann mit Gewißheit voraussetzen, daß Niemand das Erlaubte verschmähen wird, um von dem Unerlaubten Gebrauch zu machen; besonders wenn die Melodien unverändert bleiben, werden sie sich nicht in den Schlingen fremder Sprachen verstricken."

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